Großenlüders Bürgermeister Florian Fritzsch (parteilos): "Die Gemeinde hat weder blockiert noch verhindert, sondern den rechtlich erforderlichen Weg aufgezeigt." - Foto: privat

GROßENLÜDER Investitionsvolumen von 220 Millionen Euro

Hydro-Source TEC beendet Vorhaben am Standort Großenlüder

17.09.26 - Das geplante Technologiezentrum sorgte in Großenlüder (Kreis Fulda) für Kritik. Auf dem Gelände der Lüdertaler Bioenergie "Am Witteroth" wollte das Unternehmen Hydro-Source TEC GmbH aus Seligenstadt ein Innovations- und Technologiezentrum errichten. Jetzt hat das Unternehmen der Gemeinde mitgeteilt, die Pläne unter den von der Gemeindevertretung beschlossenen Rahmenbedingungen nicht weiterzuverfolgen.

Die Gemeindevertretung hatte in ihrer Sitzung am 27. August 2026 mehrheitlich beschlossen, die erforderlichen Schritte zur Schaffung von Baurecht durch Bauleitplanung einzuleiten. Damit sollte das von der Vorhabenträgerin vorgestellte Projekt rechtssicher, transparent und ergebnisoffen geprüft werden.

Bauleitplanung war zwingende Voraussetzung

Das geplante Vorhaben ging nach den vorliegenden Planungen deutlich über die derzeitige Nutzung des Standorts als Biogasanlage hinaus. Vorgesehen waren unter anderem große Produktions- und Prozesshallen, technische Anlagen mit erheblichen Gebäudehöhen sowie die Verarbeitung umfangreicher Stoffströme zur Herstellung neuer Produkte, insbesondere synthetischer Kraftstoffe.

Für das Gelände besteht ein Bebauungsplan mit der Festsetzung eines Sondergebiets "Biogasanlage". Nach der weiterhin bestehenden, zwischen der Gemeinde, dem Landkreis Fulda und dem Regierungspräsidium Kassel abgestimmten rechtlichen Einschätzung wird die geplante Nutzung durch diesen Bebauungsplan nicht abgedeckt. Ein unmittelbares Baugenehmigungsverfahren konnte daher nicht an die Stelle der zunächst erforderlichen Bauleitplanung treten.

Vorgesehen war insbesondere die Prüfung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Dieser hätte das konkrete Projekt einschließlich der baulichen Ausgestaltung, der Erschließung, der Verkehrsführung und weiterer verbindlicher Rahmenbedingungen festlegen können. Zugleich wären im weiteren Verfahren zahlreiche Fragen zu Stoffströmen, Immissionen, Sicherheit, Umwelt, technischer Machbarkeit, Betreiberverantwortung und Finanzierung zu klären gewesen.

Bis zu 240.000 Tonnen synthetische Kraftstoffe sollten in Großenlüder hergestellt ...Symbolbild: Pixabay

Vorhabenträgerin lehnt Fortführung ab

Mit Schreiben vom 9. September 2026 teilte die Hydro-Source TEC GmbH mit, dass für den Investor aufgrund der von der Gemeindevertretung beschlossenen Rahmenbedingungen "keine hinreichende Rechtsgrundlage" mehr bestehe, das Vorhaben am bisherigen Standort weiterzuverfolgen. Die Vorhabenträgerin erklärte ausdrücklich, an dem beschriebenen Bauleitplanverfahren nicht mitzuwirken. Weitere Informations- oder sonstige Veranstaltungen seien ebenfalls nicht geplant. Gleichzeitig kündigte die Hydro-Source TEC GmbH alternative, kleinere Modelle für bestehende Biogasanlagen und weitere Emittenten in der Region an.

Bürgermeister Florian Fritzsch erklärt hierzu: "Die Gemeinde wollte und will Innovation ermöglichen. Wir haben ausdrücklich einen Weg aufgezeigt, wie ein Innovations- und Technologiezentrum in Großenlüder rechtssicher und transparent geprüft und möglicherweise verwirklicht werden kann. Gerade bei einem Vorhaben dieser Größenordnung, im Außenbereich und mit den zahlreichen bislang offenen Fragen, kann es jedoch keine pauschale Baugenehmigung geben. Diese rechtliche Einschätzung teilt die Gemeinde weiterhin mit der Bauaufsicht des Landkreises Fulda."

Nach Angaben der Vorhabenträgerin sollte das Projekt ein Investitionsvolumen von rund 220 Millionen Euro erreichen. Dass ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht an einer ergebnisoffenen Bauleitplanung, sondern an deren Ablehnung durch die Vorhabenträgerin scheitern soll, ist aus Sicht der Gemeinde nicht nachvollziehbar. "Wer ein innovatives Großprojekt plant und für sich in Anspruch nimmt, einen Beitrag zu sauberer Luft und einer verbesserten Umwelt leisten zu wollen, sollte ein ordnungsgemäßes und unabhängiges Prüfverfahren als notwendige Grundlage verstehen. Die Gemeinde hat weder blockiert noch verhindert, sondern den rechtlich erforderlichen Weg aufgezeigt. Eine Abkehr von diesem Weg lässt viele Fragen offen", so Bürgermeister Fritzsch weiter.

"Für sachliche Gespräche stehen wir weiterhin ohne Vorurteile zur Verfügung", ...Archivfoto: Carina Jirsch

Gemeinde bleibt gesprächsbereit

Die Gemeinde Großenlüder bedauert, dass die Hydro-Source TEC GmbH das ursprünglich vorgestellte Vorhaben am Standort nicht unter den beschlossenen Rahmenbedingungen weiterverfolgen will. Die Gemeinde bleibt zugleich für Gespräche über die in dem Schreiben angekündigten alternativen Modelle offen.

"Für sachliche Gespräche stehen wir weiterhin ohne Vorurteile zur Verfügung", betont Bürgermeister Fritzsch. "Voraussetzung bleibt jedoch, dass die gesetzlichen Vorgaben, die Zuständigkeiten der Gemeinde und der Fachbehörden sowie die kommunale Planungshoheit anerkannt werden. Innovation und Gewerbeansiedlung sind ausdrücklich willkommen – sie müssen aber auf einer belastbaren und rechtsstaatlichen Grundlage erfolgen." (mp/pm) +++


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