19.09.26 - Wir erwischen sie im Trubel der anstehenden Veranstaltungstage: Gabriele Leipold, 66 Jahre alt und bis vor Kurzem Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft (KH) Fulda, zieht sich Schritt für Schritt aus der ersten Reihe zurück. Im Gespräch erzählt die gebürtige Fuldaerin, was neun Jahre im Dienst des Handwerks mit ihr gemacht haben - und worauf sie sich jetzt freut.
Seit 2017 ist Leipold bei der Kreishandwerkerschaft, ab Januar 2018 als stellvertretende, ab Januar 2020 als Geschäftsführerin. Der enge Kontakt zu den Betrieben sei ihr immer das Wichtigste gewesen - die Gründungen zu begleiten, bis hin zum Erfolg mitzuerleben.
Gestartet sei sie mit der Trend-Messe, später habe sie das Format "Handwerk.Lokal.Erleben" ins Leben gerufen. Dazu kamen Großereignisse wie das Landkreisjubiläum und der Hessentag. "So abwechslungsreich, so viele Ereignisse und Veranstaltungen - alles hatte seinen eigenen Reiz, alles war spannend", so Leipold. "Es war nie Arbeit für mich."

Gern erinnert sich Leipold an das Kreisjubiläum, Archivbild: O|N / Marius Auth

den Hessentag, Archivbild: O|N / Marvin Myketin

oder die verschiedenen Auflagen von Handwerk.Lokal.Erleben. Archivbild: O|N / Moritz Bindewald
"Die letzten Jahre waren auch mit vielen Herausforderungen"
Ganz ohne Krisen ging es freilich nicht. Corona habe mittendrin gelegen, und auch danach seien immer neue Herausforderungen gefolgt. "Es sind unruhige Zeiten", stellt Leipold fest. Beim Blick auf das Handwerk selbst zeigt sie sich dennoch zuversichtlich: Es sei im Aufwind, die Ausbildungszahlen hätten sich erholt und stiegen wieder. "Es wird immer attraktiver", so Leipold. Das Handwerk an sich stehe stabil da.
Auch um die viel diskutierte Künstliche Intelligenz müsse man sich im Handwerk keine großen Gedanken machen. Herausfordernd bleibe dagegen der Nachwuchs: Fachkräfte, Betriebsübernahmen und die Unterstützung bei der Nachfolgersuche seien Dauerthemen - "aber das wird das Handwerk auch meistern". Erfreulich sei zudem, dass die Wertschätzung für das Handwerk spürbar zugenommen habe.

Mit den Feierlichkeiten zum Hessentag ging für sie ein schöner Abschnitt zu Ende. ...Archivbild: O|N / Martin Engel

Lukas Henke, jetzt Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Archivbild: O|N / Moritz Rös
Mehr Zeit auf dem Beifahrersitz
Wie sich der schrittweise Rückzug anfühlt? Angenehm, sagt Leipold - "ich will nicht sagen, dass ich es genieße, aber es ist schon entspannend, endlich Zeit zu haben für Dinge, die über die letzten Jahre liegen geblieben sind". Ganz von der Bildfläche verschwindet sie dabei nicht: In der Geschäftsführung der BBO Fulda Bildungszentrum Bau Osthessen gGmbH bleibt sie weiterhin aktiv, nur die volle Belastung als KH-Geschäftsführerin falle weg. "Abgeben ist eine Umstellung", räumt sie ein. Der Sommer sei jedenfalls schon sehr schön gewesen: viel Schwimmen, viel Radfahren - Dinge, die in den vergangenen Jahren kaum möglich gewesen seien. Der schrittweise Ausstieg mit 66 Jahren komme dabei nicht überraschend.
Die Nachfolge mit Lukas Henke sei geplant gewesen: "Da sehe ich die Handwerkerschaft in guten Händen." Henke habe sich gut eingearbeitet und werde die Geschicke erfolgreich weiterführen, ist sich Leipold sicher. Auch die Zusammenarbeit mit dem BBO bleibe eng - "ich werde dem Handwerk noch ein bisschen erhalten bleiben".
"Krönender Abschluss klingt hochgestochen"
Persönlich freut sich Leipold vor allem auf mehr Zeit für Familie, Freunde und Hobbys - "nicht immer sagen zu müssen: 'Hab ich keine Zeit, da ist eine Sitzung.'" Der anstehende teilweise Ruhestand solle auch für ein gesünderes Leben sorgen. "Krönender Abschluss klingt hochgestochen", sagt Leipold, "aber im Rückblick auf meine Laufbahn war es schon ein runder Abschluss." Immer sei sie in der Beratungsarbeit gewesen, immer eng mit dem Handwerk verbunden - "alle Stationen waren gut und wichtig, aber es war eine schöne Abrundung".
Ihr Lieblingsmotto stammt aus der Imagekampagne des Handwerks: "Einfach machen, das sollte sich jeder zu Herzen nehmen - nicht unüberlegt, aber viele Dinge muss man einfach in Angriff nehmen", so Leipold. Sie wünsche sich, dass das Handwerk das auch weiterhin so gut aufgreift: "In unserer Region ist das Handwerk stark und bringt die besten Voraussetzungen mit, das auch in Zukunft zu bleiben."
Im Rahmen der Messe "Handwerk.Lokal.Erleben" wird Leipold am Samstag feierlich als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft verabschiedet. (mmb) +++
