19.09.26 - Noch stehen die Türen des alten Zollgebäudes in der Fuldaer Lindenstraße offen, doch ein Wandel ist geplant: Der Zoll Fulda macht sich auf den Weg zu einem neuen Kapitel. Zwei bisher getrennte Dienststellen - das ehemalige Hauptzollamt in Fulda und die Finanzkontrolle Schwarzarbeit in Eichenzell - werden aufgegeben und an einem gemeinsamen Standort in Künzell zusammengeführt. Jetzt zeigt die Stadt Fulda Interesse an dem Gebäude in der Lindenstraße.
Beide Standorte sollen aufgegeben werden. Die Beschäftigten ziehen deshalb in ein neues gemeinsames Gebäude nach Künzell, in die Friedrich‑Dietz‑Straße 1. Das Zollamt Fulda selbst bleibt aber weiterhin an seinem bisherigen Standort im Industriepark Rhön in Eichenzell - dieser Teil zieht nicht um. "Seitens der BImA wurde ein Erkundungsverfahren durchgeführt. Das Ergebnis führte dazu, dass nach Prüfung verschiedener Aspekte - wie Fläche, Kosten und Erreichbarkeit - diese Liegenschaft ausgewählt wurde," so Stephanie Auerswald, Sprecherin des Hauptzollamts Gießen, über die Gebäudewahl in Künzell.

Das alte Zollgebäude in der Lindenstraße in Fulda.

Der neue Standort in Künzell.
"Es geht um eine bessere und adäquatere Unterbringung, um unseren Auftrag besser erledigen zu können. Aufgrund des Interesses der Stadt Fulda an dem Gebäude Lindenstraße sowie des fehlenden Platzes der Finanzkontrolle Schwarzarbeit in Eichenzell hat man sich seitens der Zollverwaltung für eine Zusammenlegung entschieden", erklärte Auerswald auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS. Das Gebäude in der Lindenstraße sei außerdem in die Jahre gekommen und entspreche nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Bürogebäude. Insgesamt betrifft der Umzug rund 80 Beschäftigte.
"Neue Dynamik" für das Gebäude - mit Blick auf die Geschichte
Die Stadt Fulda sei bereits seit einigen Jahren in engem Kontakt mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Eigentümerin. "Wir hoffen, dass durch den Auszug der Zollverwaltung nun eine neue Dynamik in die Gespräche bezüglich einer möglichen Übernahme des Areals kommt. In diesem Zusammenhang möchte ich dem Wahlkreisabgeordneten Michael Brand für sein schon langjähriges Engagement danken, eine der Historie des Ortes angemessene Nutzung des Areals zu erreichen", sagte Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld. Dabei möchte die Stadt die Geschichte des Ortes erhalten.

"Wir hoffen, dass durch den Auszug der Zollverwaltung nun eine neue Dynamik in die Gespräche ...Symbolfoto: O|N/Carina Jirsch
Anfang der 1950er-Jahre wurde das Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofs zwischen Linden- und Rabanusstraße errichtet. Nach jüdischem Religionsrecht darf ein Friedhof nicht überbaut werden, doch dafür fand die Domstadt eine besondere Lösung: Im Keller entstand ein zwölf Quadratmeter großer Gebetsraum. Der Raum existiert bis heute und wird gelegentlich genutzt.
"Zunächst einmal ist mein Ziel, dass wir das Gelände übernehmen können und dass in diesem Gebäude etwas entsteht, das der besonderen Situation und Geschichte des Orts gerecht wird. Das könnten beispielsweise Räume für Ausstellungen und Dokumentation zum jüdischen Leben in Fulda sein. Auch eine Nutzung mit dem Schwerpunkt Archiv und Bild ist vorstellbar", antwortete der Oberbürgermeister gegenüber O|N zur potenziellen Nutzung des Gebäudes.

Insgesamt betrifft der Umzug rund 80 Beschäftigte. Symbolfoto: O|N/Marius Auth
Umzug zwischen dem vierten Quartal 2026 und dem ersten Quartal 2027
Doch wann genau kommt es zum Umzug? "Die neue Liegenschaft in Künzell ist nach unseren Anforderungen hergerichtet worden und bis auf kleinere Restarbeiten bezugsfertig. Allerdings sind noch einige organisatorische Dinge zu erledigen, bis es dann wirklich losgeht - darunter Kündigungsfristen der alten Liegenschaft und Planung des Umzugsgeschehens", erklärte die Sprecherin des Hauptzollamts Gießen. Angedacht ist daher ein Umzug zwischen dem vierten Quartal 2026 und dem ersten Quartal 2027.

Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf: "Es freut uns, dass mit dem Zollamt nach der ...Symbolfoto: O|N/Rene Kunze
Auf Anfrage unserer Redaktion äußerte sich auch Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf: "Es freut uns, dass mit dem Zollamt nach der Rentenversicherungsanstalt eine weitere Bundesbehörde ihren Sitz nach Künzell verlegt. Damit wird der Leerstand von Büroräumen im ehemaligen CSS-Gebäude seit Anfang 2024 in einer sehr guten Qualität aufgelöst." Von den Umzugsmaßnahmen sind insgesamt 80 Zollbeschäftigte betroffen, die künftig ihren Dienst in dieser Gemeinde verrichten werden. Darin sieht der Rathauschef folgende Chance: "Die zwischenzeitliche Lücke an der neuen Mitte wird wieder geschlossen und der Platz Neue Mitte erfährt wieder mehr Leben. Die umliegenden Geschäfte werden vermutlich profitieren."
Während in Künzell die Vorbereitungen für den Neustart laufen, könnte in der Lindenstraße ein Ort entstehen, der Vergangenheit bewahrt und Zukunft gestaltet. Bis der Umzug zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 vollzogen ist, bleibt eines klar: Die Region wird den Zoll weiterhin in voller Stärke an ihrer Seite haben. (mis) +++ 