18.09.26 - Herbstlich gedeckte Tische, angeregte Gespräche zwischen Feuerwehrleuten, Kirchenvertretern und Vereinsaktiven: Mit dem 2. Haunetaler Ehrenamtsfest hat die Marktgemeinde Haunetal am Donnerstagabend im Bürgerhaus Neukirchen jene Menschen in den Mittelpunkt gerückt, die das Gemeindeleben tragen. Geehrt wurden ausgeschiedene Mandatsträger, verliehen wurde der Goldene Haunetaler – und als Ehrengast war mit Dragoslav Stepanović eine echte Bundesliga-Legende zu Gast.
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Timo Lübeck und einem musikalischen Beitrag von Schmidt:Line & Miller – Manuel Schmidtlein und Florian Altmüller – eröffnete die 1. Beigeordnete Ulrike Klawonn die Talkrunde mit einer provokanten Frage: "Stirbt das klassische Ehrenamt in unserer heutigen Zeit aus?"

Haunetals Bürgermeister Timo Lübeck

Moderatorin und erste Beigeordnete: Ulrike Klawonn
Auf dem Podium diskutierten Jennifer Fuchs (Jugendfeuerwehr), Karl-Günter Appel (Bürgerbus/Essen auf Rädern), Birgitt Binder (Kirchenvorstand) und Tobias Herbst (Jugendfußball) – vier Perspektiven auf dieselbe Sache.
"Anderen Gutes tun und selbst Gutes zurückbekommen"
Karl-Günter Appel bringt reichlich Erfahrung mit: "Ich habe schon viele Ehrenämter durch", erzählte er und nannte unter anderem die Bahnhofsmission und Essen auf Rädern. Was ihn an seiner Arbeit besonders freut, sind die kleinen Momente: "Es zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht, wenn unsere Gäste sagen: Das hat aber wirklich großartig geschmeckt!" Oft gehe es dabei um mehr als ums Essen – viele Menschen wünschten sich schlicht jemanden zum Reden.
Gebeten, den Satz "Ehrenamt ist für mich…" zu vervollständigen, antwortete er: "…anderen Gutes tun und selbst Gutes zurückbekommen." Seine Botschaft an Unentschlossene fiel ausgesprochen ermutigend aus: "Ehrenamt muss keine Angst machen. Auch ein paar Tage im Monat reichen schon, um einen echten Unterschied zu machen. Anfangen, mitmachen – und dann merkt man: Das macht Freude!" Am schönsten sei es ohnehin, "wenn man in einer liebevollen Gruppe beisammen ist".
Begegnungen, die sonst nie zustande kämen
Birgitt Binder erinnerte als Kirchenvertreterin an eine Radtour zu Pfingsten, bei der die Kirchen im Haunetal abgefahren wurden. "Da finde ich es besonders schön, wenn man mit Menschen ins Gespräch kommt, die man sonst nie kennenlernen würde", sagte sie. "Man lernt nie aus – und man lernt auch Sachverhalte kennen, mit denen man sonst vielleicht gar keine Schnittstellen hat."
Auf die Frage, wie sich die junge Generation gewinnen lässt, hatte sie einen konkreten Vorschlag: Lange Amtszeiten könnten abschreckend wirken – im Kirchenvorstand seien es beispielsweise sechs Jahre. "Vielleicht muss man hier kommunizieren, dass es auch die Möglichkeit gibt, früher aufzuhören und sich nicht auf Jahre zu binden."
"Die Kinder von heute sind die Einsatzkräfte von morgen"
Für Jennifer Fuchs ist das Ehrenamt seit ihrer Jugend selbstverständlicher Teil des Lebens. "Die Gemeinschaft lebt, wenn sich Leute im Ehrenamt engagieren", sagte sie. Erfüllend sei für sie vor allem, Kinder und Jugendliche bei gemeinsamen Aktionen aufblühen zu sehen.

Eintracht-Kulttrainer Dragoslav Stepanović war am Donnerstagabend im Bürgerhaus ...

Der heimische Bundestagsabgeordnete Wilhelm Gebhard (CDU) bei seinem Grußwort ...
Besonderes Gewicht legte sie auf die Nachwuchsarbeit: "Die Jugendarbeit ist so extrem wichtig! Die Kinder, die heute in die Jugendfeuerwehr gehen, sind die Einsatzkräfte von morgen." Ihre Antwort auf die Satzergänzung fiel entsprechend knapp aus: "Selbstverständlich!" Und ihr Appell: "Wir müssen dieses Gemeinschaftsgefühl, dieses Gefühl, wirklich etwas bewegen zu können, an die junge Generation weitergeben."
Fußball ohne Schwalben
Tobias Herbst steuerte den Blick aus dem Jugendfußball bei – und ein Bild, das im Saal für Schmunzeln sorgte. Was ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubere? "Wenn die ganz Kleinen Fußball spielen. Da findet man noch echten, ursprünglichen, unverfälschten Fußball – ohne Schwalben und dergleichen!"
Auch für ihn war das Engagement nie eine Last: "Es war nie wie Arbeit, sondern immer Spaß. Und es ist natürlich eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Wie Jennifer Fuchs schon sagte – es soll selbstverständlich sein." Zugleich benannte er eine handfeste Herausforderung: "Die Kinder werden weniger." Deshalb habe man nun den Schritt gewagt, gezielt zwei Gemeinden anzusprechen.
Viele Schultern, leichtere Last
Einig war sich die Runde darin, dass Ehrenamt vor allem eines braucht: die persönliche Ansprache. "Wir müssen immer wieder Menschen ansprechen, zeigen, was es gibt, ihnen die Möglichkeit geben, auch mal Neues auszuprobieren", hieß es. Die Erfahrung zeige: "Wenn jemand erst einmal Blut geleckt hat, bleibt er meistens auch aktiv." Und weiter: "Wenn viele Schultern eine Last gemeinsam tragen, dann ist es für alle leichter."

Ehrenamtsabend am Donnerstag im Bürgerhaus von Haunetal-Neukirchen
Das Fazit auf die Eingangsfrage fiel damit zuversichtlich aus: "Wir sind insgesamt gut aufgestellt beim Ehrenamt und müssen uns keine Sorgen machen, dass sich daran zeitnah etwas ändert."
Ehrungen und der Goldene Haunetaler
Ab 19 Uhr standen die Ehrungen ausgeschiedener Mandatsträger sowie die Verleihung des Goldenen Haunetalers auf dem Programm – vorgenommen von Bürgermeister Timo Lübeck gemeinsam mit Dr. Axel Schreiber, dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung.
Lübeck nutzte den Anlass für eine grundsätzliche Einordnung: "Es sind schwere Zeiten im Land und im Bund. Umso wichtiger ist es, dass man vor Ort einen Unterschied macht. Dass man sich einbringt, diskutiert, aber sich auch respektvoll begegnet." Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und die Lage in Nahost sagte er: "Wir leben in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Es ist in Ordnung, wenn man unterschiedlich wählt oder anderer Meinung ist. Trotzdem dürfen wir nie das Menschliche, das gemeinsame Miteinander vergessen."
Bundesliga-Legende und Berlin-Verlosung
Nach einem weiteren musikalischen Beitrag von Schmidt:Line & Miller folgte um 19.20 Uhr der prominente Programmpunkt des Abends: eine Talkrunde mit Dragoslav Stepanović, moderiert von Bürgermeister Timo Lübeck.
Um 19.45 Uhr wurde eine Berlin-Reise verlost, verbunden mit einem Grußwort des Bundestagsabgeordneten Wilhelm Gebhard. Nach einem letzten musikalischen Beitrag beendete Lübeck den offiziellen Teil um 20 Uhr mit seinem Schlusswort – anschließend klang der Abend bei gemeinsamem Abendessen und angeregten Gesprächen aus. (Marvin Hucke) +++