21.09.26 - Am Donnerstag wurde bei Koller Auktionen in Zürich eine herausragende Fayence‑Sammlung des Züricher Mediziners und Sammlers Dr. Peter Ducret, der im vergangenen Jahr im Alter von 99 Jahren verstarb, versteigert.
Ducret galt als exzellenter Forscher und Kenner der Fayencekunst und hatte über Jahrzehnte mehr als 200 bedeutende Stücke aus deutschen und französischen Manufakturen zusammengetragen. Wie hochwertig seine Sammlung war, zeigte sich eindrucksvoll im Auktionssaal: Die meisten Objekte erzielten Preise deutlich über Limit und Schätzung – und sämtliche Stücke fanden neue Besitzer.
Unter den versteigerten Fayencen waren auch einige äußerst seltene und hochbedeutende Fuldaer Fayencen, darunter eine von dem Gründer der Fuldaer Manufaktur Adam Friedrich von Löwenfinck (1714 bis 1754) bemalte Platte, die übrigens den höchsten Zuschlag der Auktion erreichte (nach Aufgeld, Steuer etc. weit über 100.000 Euro).

Bildplatte mit "Darbringung Jesu im Tempel" (Lukas 2, 22).
Bildplatte mit "Darbringung Jesu im Tempel" (Lukas 2, 22)
signiert r. u.: "A.F.V.Löwenfincken.pinx."
Fayence mit Aufglasurmalerei "en grisaille", Fulda, um 1741–44
Maße: 18,5 x 15,2 cm
Provenienz: Antiquités Bastian, Strasbourg; Sammlung Peter Ducret, Kilchberg, 1982 erworben.
Literatur:
Peter Ducret: Adam Friedrich von Löwenfinck als Figuren- und Landschaftsmaler auf Fayence, in: Keramos 100/1983, S. 117-125.
Ulrich Pietsch: Von Meißen nach Straßburg. Der Porzellan- und Fayencemaler Adam Friedrich von Löwenfinck (1714-1754), Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 1.10.2014-22.2.2014, Ausst.-Kat. Abb. 90, Nr. 196.
Gregor K. Stasch: Made in FD. Spitzentechnologie aus der Fuldaer Fayencemanufaktur (1741-1760), Vonderau Museum Fulda, 13. März bis 31. Mai 2015, Ausst.-Kat., Abb. S. 96, Nr. 127.
Die Bedeutung dieser Bildplatte liegt in der Künstlersignatur eines der berühmtesten Porzellan- und Fayencemalers seiner Zeit, Adam Friedrich von Löwenfinck. Von Löwenfinck war der Gründer der Fuldaer Fayence-Manufaktur, die zwar klein aber in der ersten Hälfte des 18. Jhs. sowohl technologisch als auch qualitativ führend im gesamten Alten Reich und eigentlich auch in Europa war. Ihre Bedeutung verdankte sie der Erfindung Löwenfincks die Fayencen mit polychromen Aufglasurmalereien (Emaillefarben) zu versehen. Vor dieser ersten Anwendung in Fulda konnte, aus technischen Gründen dieses Verfahren nicht fabrikmäßig erfolgreich umgesetzt werden.
Neben dem wichtigen Beleg für den technologischen Fortschritt in der von Adam Friedrich von Löwenfinck gegründeten Fuldaer Manufaktur gehört auch seine Malerei zu den absoluten Spitzenerzeugnissen dieser Gattung überhaupt. … und ausgerechnet dieses, vielleicht bedeutendste, deutsche Fayence-Produkt ist in Fulda entstanden.
Es gibt nur wenige signierte Objekte unseres bedeutendsten Fayencemalers seiner Zeit. Sie befinden sich auf einigen kunstvoll bemalten Vasen (New York, Mannheim und Düsseldorf). Es existiert auch eine zweite signierte Bildplatte mit einer allerdings polychromen Malerei der Anbetung der Hirten, die sich neben der signierten Vase im Metropolitan Museum in New York befindet; sie trägt die – nicht ganz vollständige - Signatur am rechten unteren Bildrand: "de Löwenfincken pinx" (object number 45.61.3). Gleichzeitig wurden in dieser Auktion weitere Fuldaer Fayencen versteigert.

Lot 1091: Paar Balustervasen.
Lot 1091: Paar Balustervasen
Fulda, um 1750–57. Bemalung Ignaz Hess
Fayence mit Muffelfarbendekor. Die Bemalung auf der Frontseite mit freigemalten "deutschen Blumenbouquets", ohne Marke, H 25 cm.
Provenienz: Auktion Phillips London, 17.2.1982, Lot 27; Sammlung Peter Ducret, Kilchberg, in der o.g. Auktion erworben.
Durch einen Vergleich mit den formidentischen Rohfayencen der Manufaktur (im Vonderau Museum Fulda) mit einer Serie von Vasen aus der Sammlung Riesebieter gilt die Zuschreibung an Fulda gesichert. Die Blumenmalerei wird Ignaz Hess zugeschrieben, der zunächst bis 1746 als Buntmaler in Fulda archivalisch überliefert ist und später, zwischen 1747 und 1750, in der Höchster Fayence-Manufaktur arbeitete, bevor er 1751 zusammen mit dem Vater, Georg Friedrich Hess, nach Fulda zurückkehrte.

Lot 1093: Bildplatte mit der Darstellung des Eremiten und Heiligen Wilhelm von Malavalle, ...
Lot 1093: Bildplatte mit der Darstellung des Eremiten und Heiligen Wilhelm von Malavalle, Malerei von Johann Bernhard Schmidt, 1745
Fuldaer Fayence mit Aufglasurmalerei in Sepia, 14,5 x 9,2 cm
beschriftet: "S. Guiliemus", signiert und datiert: "J.B. Schmidt 1745"
Provenienz: Kunsthandel Philippe Couque, Paris, Sammlung Peter Ducret, Kilchberg, 1974 erworben.
Diese Bildplatte ist für die Fuldaer Manufaktur schon deshalb von überragender Bedeutung, auch wenn die Qualität der Malerei hinter den Leistungen von Adam Friedrich von Löwenfinck zurücksteht, weil sie das einzige vollsignierte und datierte Objekt des wichtigen Fuldaer Fayencemalers Johann Bernhard Schmitt (1711 bis 1748).

Lot 1095 und 1096: zwei Frösche.
Lot 1095 und 1096: zwei Frösche
Fulda-Fayence mit Scharffeuerfarben. Modelliert auf einem gewölbten, manganstaffierten Sockel, auf dem die Krallen des Frosches angedeutet, reliefiert und gelb staffiert sind, ohne Marke, um 1750, L 9 cm, H 5,5 cm.
Provenienz: Kunsthandel Enrico Caviglia, Lugano; Sammlung Peter Ducret, Kilchberg, von obigem 2016 erworben.
Der zweite Frosch: Auktion Stuker Bern, Sammlung Fischer-Böhler, 22. November 2013, Lot 152, 156; Kunsthandel Enrico Caviglia, Lugano; Sammlung Peter Ducret, Kilchberg, von obigem 2016 erworben.

Lot 1146: kleine Terrine (Butterdose) in Form einer Schildkröte.
Lot 1146: kleine Terrine (Butterdose) in Form einer Schildkröte
Fuldaer Fayence mit Scharffeuerfarben, um 1745, ohne Marke, L 25 cm, H 7,5 cm, B 11,5 cm.
Provenienz: Baron von der Tann, Schloss Tann (Fuldaer Hofmarschall); Ernst Kramer, Fulda, 1970 erworben (gem. Korrespondenz); Sammlung Peter Ducret, Kilchberg.
Schätzung: CHF 5.000 / 7.000
Kleine Terrinen in Form einer Schildkröte gehörten im 18. Jahrhundert zur Produktionspalette zahlreicher Manufakturen, so dass eine Zuschreibung an eine von ihnen immer schwierig erscheint. Im Fall der Schildkröte aus der Sammlung von Dr. Peter Ducret lässt sich aufgrund der gesicherten Provenienz aus der ehemaligen Sammlung der Freiherren von der Tann als auch aus der Tatsache, dass formähnliche Produkte gelegentlich mit der FD-Marke (Bayerisches Nationalmuseum München) bezeichnet wurden, in diesem Fall die Entstehung in der Fuldaer Fabrik sichern. Aufgrund der relativ hohen Zuschläge, auch für alle Fulda relevanten Objekte, wurde dieses für unsere Region wichtige Kulturerbe nicht erworben. (mis/pm) +++