20.09.26 - Herzliche Worte, zahlreiche Wegbegleiter und so manche humorvolle Überraschung: Im Rahmen der dritten Auflage von "Handwerk lokal erleben" auf dem Fuldaer Universitätsplatz wurde Gabi Leipold offiziell als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda verabschiedet. Ganz aus dem Handwerk zurückziehen wird sich die engagierte Netzwerkerin jedoch nicht.
Vor der stimmungsvollen Kulisse inmitten der Fuldaer Innenstadt blickten Vertreter aus Handwerk, Politik, Bildung und Wirtschaft auf Leipolds langjähriges Wirken zurück. Immer wieder wurde dabei deutlich, wie sehr sie das heimische Handwerk durch ihre offene, pragmatische und mitunter unkonventionelle Art geprägt hatte.

Ganz aus dem Handwerk zurückziehen wird sich die engagierte Netzwerkerin jedoch ...

Gabi Leipold mit Dr. Christian Gebhardt, Präsident der IHK Fulda, und Stadtbaurat ...
"Wie ein Wirbelwind durchgefegt"
Stadtbaurat Daniel Schreiner erinnerte daran, wie Leipold frischen Wind in die bestehenden Strukturen gebracht und zahlreiche Türen geöffnet habe. Sie sei sich für keinen Weg zu schade gewesen, habe offenherzig, fröhlich und gelegentlich auch bewusst unbequem gehandelt.
"Bei Gabi wusste man immer: Sie ist da und man kann sie ansprechen", betonte Schreiner. Auch ihr ehrenamtliches Engagement für die Propstei Johannesberg, eine bedeutende Ausbildungsstätte des Handwerks in Hessen, würdigte er ausdrücklich. Als "Mrs. Handwerk" verlasse sie zwar die große Bühne der Kreishandwerkerschaft, dem Handwerk bleibe sie jedoch weiterhin verbunden.
Zugleich zeigte sich Schreiner optimistisch, was die Zukunft der Branche betrifft. Das Interesse junger Menschen an handwerklichen Ausbildungsberufen nehme wieder leicht zu. Initiativen wie "Handwerk lokal erleben" trügen dazu bei, die Vielfalt und Bedeutung des Handwerks sichtbar zu machen.
Sichtbarkeit für das Handwerk geschaffen
Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer blickte auf die gemeinsame Zeit zurück, die für beide etwa 2017 begonnen hatte. Auch bei unterschiedlichen Auffassungen hätten stets die Interessen der Betriebe, der Nachwuchskräfte und des regionalen Handwerks im Mittelpunkt gestanden.
Besonders hob Krämer Leipolds Anteil an der Entstehung von "Handwerk lokal erleben" hervor. Nachdem durch die Corona-Pandemie wichtige Präsentationsmöglichkeiten weggefallen waren, habe sie darauf gedrängt, das Handwerk zurück in die Fuldaer Innenstadt zu bringen.
Aus dieser Idee entwickelte sich eine Veranstaltung, die inzwischen bereits zum dritten Mal auf dem Universitätsplatz stattfand. "Wir müssen das Handwerk wieder in die Stadt bringen und sichtbar machen" – dieser Gedanke sei maßgeblich von Leipold vorangetrieben worden.
Zahlreiche Wegbegleiter sagten Danke
An der persönlichen Verabschiedung beteiligten sich zahlreiche Vertreter aus Bildungswesen, Verbänden, Wirtschaft und Politik. Unter ihnen waren unter anderem Ulrike Vogler von der Ferdinand-Braun-Schule, Mirjam Kessler von der BBZ Mitte GmbH, Vertreter der Industrie- und Handelskammer, verschiedener Innungen sowie des hessischen Handwerks.
Die Redner würdigten Leipold als verlässliche Partnerin der beruflichen Bildung. Ihr sei es gelungen, Schulen, Innungen, Ausbildungsbetriebe und weitere Einrichtungen enger miteinander zu verbinden. Gemeinsame Projekte zur Berufsorientierung, Ferienangebote und Tage der offenen Tür seien durch diese partnerschaftliche Zusammenarbeit geprägt worden.
Auch ihr Einsatz für die Modernisierung einer Lehrbauhalle wurde hervorgehoben. Dieser Aufgabe wird sich Leipold weiterhin widmen. Mehrfach wurde daher augenzwinkernd festgestellt, dass es sich weniger um einen vollständigen Ruhestand als vielmehr um einen "Unruhestand" handle.
"Wir brauchen Menschen, die anpacken"
Aus der Landespolitik wurde Leipolds Beharrlichkeit besonders gewürdigt. Sie habe dazu beigetragen, die Interessen des Handwerks über die Region hinaus nach Wiesbaden zu tragen. Als Beispiel wurde die Förderung der Meisterausbildung durch die hessische Aufstiegsprämie genannt.
Dabei gehe es nicht allein um finanzielle Unterstützung, sondern ebenso um die gesellschaftliche Anerkennung beruflicher Bildung: Neben akademischen Laufbahnen brauche es Menschen, die anpackten, sich weiterbildeten und mit ihrem Können Stabilität in die Region brächten.
Vertreter verschiedener Innungen erinnerten ebenfalls an Leipolds stets offenes Ohr für die Belange der Betriebe. Sie habe die Organisationen gestärkt und entscheidend dazu beigetragen, das regionale Handwerk selbstbewusst nach außen zu präsentieren.
Geschenke mit reichlich Humor
Ganz ohne steife Förmlichkeit verlief die Verabschiedung nicht – und das war ausdrücklich so gewollt. Zahlreiche Wegbegleiter hatten persönliche Geschenke mitgebracht, darunter regionale Spezialitäten, Eierlikör und weitere Getränke. Angesichts der wachsenden Sammlung scherzte Leipold: "Wenn es so weitergeht, entwickle ich mich zur Alkoholikerin."
Die Präsente wurden standesgemäß in einer Schubkarre gesammelt. Auch musikalisch zeigte sich das Handwerk von einer anderen Seite: Den musikalischen Rahmen begleitete an diesem Abend " Repeat Offender" und bewies passend zum Anlass, dass das Handwerk durchaus rocken kann.
Drei Kinder sorgten für emotionale Überraschung
Der bewegendste Moment des Abends folgte für Leipold jedoch abseits aller Reden und Geschenke. Ihre drei Kinder waren eigens aus Wien, Dresden und Fulda angereist – ohne dass ihre Mutter davon gewusst hatte.
"Wer mich kennt, weiß, dass schon etwas kommen muss, damit ich gerührt bin", sagte Leipold sichtlich bewegt. Das unerwartete Wiedersehen sei für sie das sprichwörtliche i-Tüpfelchen des Abends gewesen.
"Ich würde alles wieder genauso machen"
In ihren abschließenden Worten dankte Leipold den Betrieben, Innungen, Berufsschulen, politischen Vertretern und allen weiteren Partnern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Insgesamt sei sie seit 16 Jahren für das Handwerk in der Region tätig gewesen – zunächst über die Handwerkskammer Kassel und später bei der Kreishandwerkerschaft Fulda.
Sie blickt ohne Bedauern auf diese Zeit zurück: "Ich würde alles wieder genauso machen." Nun freue sie sich auf mehr Zeit mit ihrer Familie und ihren Freunden, auf Abende auf der Terrasse, Fahrradtouren und Schwimmen. Nur für den Winter müsse sie sich möglicherweise noch ein neues Hobby suchen, scherzte sie.
Vollständig verabschieden wollte sich "Mrs. Handwerk" ohnehin nicht. Spätestens bei der nächsten Auflage von "Handwerk lokal erleben" wolle sie wieder auf dem Universitätsplatz stehen – vielleicht nicht mehr auf der Bühne, aber ganz sicher mittendrin. (Monique Aurich) +++