MÜCKE Ein Tag nach dem Großeinsatz

"Man glaubt es erstmal gar nicht": So erlebten Familie und Nachbarn den Brand

22.09.26 - Am Montagnachmittag erschütterte ein schwerer Brand das Dorf Sellnrod, einen Ortsteil der Gemeinde Mücke im Vogelsbergkreis (OSTHESSEN|NEWS berichtete). Gegen 16 Uhr geriet hier zunächst eine Scheune in Vollbrand. Im weiteren Verlauf griffen die Flammen auch auf eine weitere Scheune und ein Wohnhaus über. Insgesamt halfen über 200 Einsatzkräfte, die Flammen unter Kontrolle zu bringen.

Seit dem frühen Dienstagmorgen sind die Löscharbeiten zunächst beendet, aktuell läuft die sogenannte "Brandwache". Hierbei überwachen Kräfte der Feuerwehr die Brandstätte, um ein Wiederaufflammen des Feuers zu verhindern. O|N war am Tag nach dem Großeinsatz vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen und um mit den Anwohnern zu sprechen. Das Wohnhaus ist aktuell unbewohnbar.

In Mücke-Sellnrod brannte am Montagabend eine Scheune vollständig ab. Auch eine ...Fotos: Marvin Myketin

Das Wohnhaus ist unbewohnbar.

Die Feuerwehr Mücke-Sellnrod war auch am Tag danach noch mit Nachlöscharbeiten ...

Betroffene Familie kommt in Ferienwohnung unter - Schwager aus dem Krankenhaus zurück

Die betroffene Familie erfuhr erst eine halbe Stunde nach Ausbrechen des Feuers vom Brand. Danny Brandenburger, Ehemann der Besitzerin, war zu diesem Zeitpunkt nämlich mit seiner Frau und den Kindern einkaufen - alarmiert wurde die Feuerwehr durch einen aufmerksamen Nachbarn. Das Gefühl, angerufen zu werden und über so einen Brand informiert zu werden, sei schwierig zu beschreiben, wie Brandenburger erklärte. "Es war sehr surreal, erst wussten wir überhaupt nicht, um was es geht. Wir waren gerade in einem Geschäft, haben unsere Sachen schnell hingeschmissen und sind zum Auto gelaufen." Schnell habe man die riesige Rauchwolke schon aus dem Auto heraus sehen können. Aktuell kommt die Familie im Elternhaus der Eigentümerin in Sellnrod unter - dort stehen zwei Ferienwohnungen für die Betroffenen bereit.

Vor Ort zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung deutlich.

Jannik Müller, Bruder der Hauseigentümerin

Jannik Müller, der Bruder der Hausbesitzerin, trat die Tür ein und rettete den Hund der Familie. Als er zum Ort des Geschehens kam, stand die Scheune bereits in Vollbrand. Er wusste zunächst nicht, dass seine Schwester mitsamt Ehemann und Familie unterwegs war. Beim ersten Betreten des Gebäudes konnte er zunächst auch niemanden finden. Daraufhin entschied er sich, ein zweites Mal das Wohnhaus zu betreten, welches nun bereits völlig verraucht war und rettete den Hund. Am Tag danach fiel es ihm schwer, seine Gedanken zu ordnen: "Vieles, sehr viel, geht mir durch den Kopf. Das kann man nicht beschreiben", sagte er gegenüber O|N. Aufgrund einer Rauchgasvergiftung kam er als einziger Verletzter ins Krankenhaus - ist aber bereits wieder zurück in Sellnrod.

Eine weitere Anwohnerin berichtete, dass genau der selbe Hof bereits vor Jahrzehnten brannte, und schon damals war sie als Kind vor Ort. Damals seien viele Tiere den Flammen zum Opfer gefallen. Sie saß gerade bei einer Freundin zum Kaffeetrinken, plötzlich sahen sie schwarzen Qualm und die Flammen. "Das war für mich ein riesen Schock. Es kann doch nicht sein, dass es hier noch ein zweites Mal brennt", sagte sie und fügte hinzu: "Ich habe schlecht geschlafen und ich habe ein Gefühl, das sich schlecht beschreiben lässt.

Anwohnerin Gudrun Vetter

Einsatzkräfte, Freunde, Familie und Anwohner arbeiten Hand in Hand

Jutta Schütt-Frank war gerade in Vertretung für Bürgermeister Andreas Sommer unterwegs und erfuhr schnell von dem Brand. "Das Zusammenspiel der Einsatzkräfte hat wunderbar funktioniert", sagte sie im Gespräch mit O|N, lobte aber auch die starke Zusammenarbeit mit den anderen Ortsteilen und Gemeinden. "Es war ein sehr gutes Zusammenspiel der Kommunen", betonte sie. Auch die Versorgung der Einsatzkräfte lief nach Einschätzung der ersten Beigeordneten hervorragend. Sie sprach in diesem Zusammenhang auch ein Lob an die Anwohner aus: "Sie haben sofort geholfen, Essen gebracht, Tee und Kaffee."

Klaus Horst, Mitglied des Ortsbeirates in Sellnrod mit Jutta Schütt-Frank, Vertretung ...

Eine gute Freundin der Familie, Ronja Knöß, hat zudem eine GoFundMe-Kampagne noch am Abend ins Leben gerufen. "Ich habe überlegt, wie kann ich helfen, und da habe ich mir gedacht, ich starte eine Spendenaktion, um ihnen unter die Arme greifen zu können. Schnell kamen unzählige Spenden zusammen und nicht mal 24 Stunden nach dem Brand sind schon über 13.000 Euro gesammelt worden. "Immer wenn ich auf die Zahlen schaue, bekomme ich Gänsehaut und es ist schön zu sehen, was es da für einen Zusammenhalt gibt. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich."

Noch ist die Brandursache Gegenstand der Ermittlungen und auch die Schadenshöhe kann derzeit noch nicht konkret beziffert werden. Laut Polizei geht man aber von einem Schaden im sechsstelligen Bereich aus. Was mit der Brandruine geschieht, ist noch nicht klar. (Philipp Gerhard) +++

Fotos (24): Leonie Wolf


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