Seit Corona haben Lastenräder im Straßenverkehr stark zugenommen. Beim Event "Fulda fährt Rad" konnten sich Interessierte über das Verkehrsmittel informieren - und auch eine Probefahrt machen. - Fotos: Nikolas Krudewig

FULDA Innenstadtverkehr attraktiver machen

Aktionstag "Fulda fährt Rad" - Lastenräder für die Mobilitätswende?

22.09.26 - Für die innerstädtische Mobilität braucht es in der Zukunft strukturellen Wandel. Beim Aktionstag "Fulda fährt Rad", organisiert durch die Stadt und den Landkreis Fulda, standen vor allem Lastenräder im Vordergrund. Bürger konnten ins Gespräch kommen und sich über die Alternative zum Auto informieren.

"Das Lastenrad gewinnt für den innerstädtischen Verkehr immer mehr an Bedeutung. In vielen Großstädten haben wir mittlerweile die passende Infrastruktur dafür und werden da weiter Arbeit leisten, etwa im Bereich Parkplätze für Lastenräder. Gleichzeitig wollen wir die Nutzung von Lastenrädern auch für die gewerbliche Nutzung nach vorne bringen. Ein Logistikkonzept haben wir bereits. Es gibt viele Stellschrauben, die man noch angehen kann", erklärt Stephan Fehrenbach, Mobilitätsmanager für Sharing, Rad- und Fußverkehr im Amt für Stadtplanung und -entwicklung der Stadt Fulda, im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Das Lastenrad ist eine günstige Alternative, um schnell kurze Wege mit viel Transportplatz ...

Wie die Corona-Pandemie den Markt veränderte

Im Zuge der Europäischen Mobilitätswoche fand am Dienstag auf dem Universitätsplatz Fulda das Event "Fulda fährt Rad" statt. Ziel der Veranstaltung war es, Informationen zu geben und einen Bürgerdialog zu starten, der sich um das Thema Lastenräder und zukünftige Mobilität drehen sollte. "Interessierte können sich an das Thema Lastenrad herantasten und einfach ausprobieren und sich informieren lassen", sagt Stephan Fehrenbach im Gespräch. "Wir wollen das Thema nachhaltige Mobilität für den innerstädtischen Verkehr stärker an die Bürger heranbringen", so der Mobilitätsmanager im Gespräch.

Lebensmittel, Kinder oder Haustiere - die Einsatzmöglichkeiten für Lastenräder ...

Alexander Lutz von der Cargobike Roadshow ist zum dritten Mal beim Aktionstag dabei ...

Die Organisatoren des Events: Christian Hillenbrand, Nahmobilitätskoordinator ...

Zu diesem Zweck waren verschiedene Aussteller auf dem Universitätsplatz zusammengekommen. Bereits zum dritten Mal war die Cargobike Roadshow vor Ort, die mit Informationen zu Lastenrädern und Testfahrzeugen durch ganz Deutschland tourt. "Wir beraten unabhängig von Herstellern und Händlern zu verschiedenen Modellen und laden die Menschen ein, diese Mobilitätsform auszuprobieren - ganz ohne Druck und Zwang", sagt Vertreter Alexander Lutz. "Man kann sich ganz neutral informieren und erhält auch Informationen zu den Entwicklungen und den Preisen", so Lutz weiter.

Dabei hat sich der Markt für Lastenräder in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Besonders die Corona-Pandemie sorgte für eine erhöhte Nachfrage, insbesondere nach E-betriebenen Fahr- und Lastenrädern. "Also der Boom während der Corona-Pandemie war enorm, insbesondere bei Lastenrädern. Dort gab es auch nicht einen so tiefen Fall wie bei normalen Fahrrädern", erklärt Alexander Lutz gegenüber O|N. Der Markt hat sich mittlerweile stabilisiert und auch ein Gebrauchtmarkt beginnt sich zu etablieren.

Viele haben Sorge beim Handling eines Lastenrads. Bei einer Probefahrt konnten sich ...

Die letzte Arbeitsmeile - mit dem Fahrrad?

Doch wofür könnte ein Lastenrad im Alltag da sein? Alexander Lutz weist auf die Kombination aus Kosten/Nutzen hin. "Es ist die günstigste Form der E-Mobilität und bietet viele Vorteile. Natürlich haben wir viele Privatpersonen, die es zum Einkaufen oder Transport der Kinder benutzen. Mittlerweile gibt es aber auch Handwerksbetriebe, die auf Lastenräder setzen. Sie bieten großes Einsparungspotenzial und man kann eine große Menge transportieren", so der Lutz weiter im Gespräch.

Mit vor Ort war auch Christoph Garsche, Inhaber von chrisbikes aus Bad Hersfeld. Sein Unternehmen bietet diverse Spezialräder, Trikes und Lastenräder an, die zum Teil in Europa und zum Teil in Deutschland produziert werden. "Wir haben inzwischen 25 Firmen im Portfolio, hauptsächlich für Menschen mit Beeinträchtigung", erzählt Christoph Garsche. Auch er sieht die Vorteile im Stadtverkehr. "Es dauert einfach länger, in der Stadt mit dem Auto zu fahren. Da nehme ich lieber ein Lastenrad, wenn ich beispielsweise das Kind in die Kita fahre", so Garsche weiter.

Christoph Garsche und chrisbikes aus Bad Hersfeld bietet unter anderem Spezialräder ...

Dr. Harald Häußer-Mischlich vom adfc Fulda transportierte seinen gesamten Stand ...

Den praktischen Nutzen machte auch der Stand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Fulda (ADFC) deutlich. Stellvertretender Vorsitzender Dr. Harald Häußer-Mischlich war extra mit dem Lastenfahrrad angereist und konnte seinen gesamten Stand, inklusive Tisch, Zelt, Informationsmaterial und drei Stühlen, ganz einfach transportieren. "Es ist schon erstaunlich, wie viel man mit diesen Fahrrädern bewegen kann. Besonders in der Stadt ist es viel praktischer, kurze Wege mit dem Lastenrad zu fahren", so der 74-Jährige.

Wohin bewegt sich der Verkehr der Zukunft?

Viele Städte fördern mittlerweile die Infrastruktur fürs Rad - eine Entwicklung, die sich viele auch für Deutschland wünschen. Alexander Lutz verweist auf Paris als Vorzeigestadt und wünscht sich etwas Vergleichbares in Deutschland. "Es braucht natürlich eine Angebotspolitik, wenn wir als Gesellschaft den Radverkehr fördern wollen. Auf der anderen Seite muss es Konzepte geben, um dem Auto in der Stadt Einhalt zu gebieten", so Lutz weiter. Weniger Auto bedeutet oft mehr Mobilität, zumindest in der Stadt. Doch ist diese Entwicklung ein langwieriger Prozess. Einer der Gründe, warum die Stadt den Aktionstag ins Leben gerufen hat.

Mit verschiedenen Konzepten möchte die Stadt Fulda den innerstädtischen Radverkehr ...

"Es braucht eine nachhaltige Stadtentwicklung und besonders ein Alltagsradnetz für den Radverkehr. Man könnte bestimmte Routen für den Radverkehr planen, damit dieser schnell und getrennt vom Auto fließen kann. Wir streben da in Fulda bereits verschiedene Konzepte an, die wir in Zukunft umsetzen wollen", konstatiert Stephan Fehrenbach. (kru) +++


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