Maskenball – nicht nur eine Schlüsselszene, sondern auch ein Highlight der Aufführung. - Fotos: Traudi Schlitt

SCHLITZ Plädoyer für die Kraft der Freundschaft

Schauspielgruppe "Schlitzer Theaternächte" glänzt mit Spielfreude

23.09.26 - Wie loyal muss man sein, wenn man sich einer Sache verpflichtet hat? Welchen Wert hat Freundschaft? Kann man das Böse besiegen? Und lohnt es sich, für die Wahrheit zu kämpfen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am vergangenen Wochenende die Theatergruppe "Schlitzer Theaternächte" der Evangelischen Christusgemeinde Schlitzerland. Unter der Leitung ihres Regisseurs André Niemann hatten die achtzehn Akteure sich dem Stück "Der Mann mit der eisernen Maske" nach dem Roman von Alexandre Dumas gewidmet.

Viermal führten sie es Mitte September in der vollbesetzten Schlitzer Stadtkirche auf und begeisterten ihr Publikum mit Leidenschaft, Spielfreude, beeindruckenden Kostümen, viel Musik und einer großartigen Inszenierung. Inhaltlicher Ausgangspunkt ist die Situation in Frankreich zur Zeit des jungen Königs Louis XIV (Thomas Schmidt) – ein selbstsüchtiger Herrscher, der sich nimmt, was er will, und weder seiner Ehefrau Maria Theresia von Spanien (Caroline Jöckel, auch Fechttrainerin) noch seiner Mutter Anna von Österreich (Ute Gutermuth-Jörns) Respekt oder gar Liebe entgegenbringt. Sein Volk darbt in Armut, seine Herrschaft ist geprägt von Willkür und der harten Hand seiner düsteren Ministerin Fouquet (Maike Habermehl).

Charles, der Gute, und Fouquet, die Intrigantin.

"A Night like this" – Ute Gutermuth-Jörns glänzte auch als Sängerin. ...

Tanz auf dem Maskenball.

Von Beginn an bestechen die Schauspieler vor dem illuminierten Altarraum als Kulisse mit einer unglaublichen Präsenz. Ihre Kostüme sind ihnen wie auf die Rolle und den Leib geschneidert, sie beherrschen die altertümliche Sprache und die französischen Namen mit großer Selbstverständlichkeit und nehmen auf diese Weise ihr Publikum mit in die Welt des 17. Jahrhunderts – und damit auch in die Welt der gealterten drei Musketiere Aramis (Reiner Riek), Porthos (Jan Lips) und Athos (Achim Prütz) sowie des noch etwas jüngeren D’Artagnan (Luca Heil), der sich noch in den Diensten des Königs befindet.

Der Verräter ist gefasst: Porthos, Aramis und Athos (v.l.) mit Louis am Boden. Im Hintergrund ...

Aramis, inzwischen ein kirchlicher Würdenträger, trägt ein Geheimnis mit sich, das er nun mit den anderen Musketieren teilt: Im Kerker der Bastille sitzt Louis" Zwillingsbruder Charles, totgesagt und weggesperrt, um die Macht des anderen nicht zu gefährden. Niemand außer Aramis weiß davon – doch nun möchte dieser dem Volk zuliebe den schlechten König wegsperren und den guten, den er kennt, auf den Thron setzen.

Ein schwieriges Unterfangen, nicht nur, weil es im Geheimen stattfinden muss, sondern auch die Freundschaft der alten Musketiere und den Eid des Jüngeren auf eine harte Probe stellt. Und nicht nur das: Athos verliert seinen Sohn durch die Schergen Fouquets, er selbst wird von der Schwester seiner toten Frau Lady de Winter in eine tödliche Falle gelockt, und auch D’Artagnan wird die Bühne nicht lebend verlassen. Der Wandel zum Guten ist also hart erkämpft und mit Opfern verbunden, mit Zweifeln, mit Hoffnung, mit Hingabe und dem Glauben daran, dass die Wahrheit siegen kann – eine Botschaft, die nicht nur dem christlichen Hintergrund der Gruppe gerecht wird, sondern auch in die Zeit passt.

Madame de la Motte (.) und Madame von Orléans (r.) bedrängen die arme Louise. ...

Sie haben den König befreit: Aramis, Athos und Porthos.

Das Böse: Fouquet, de la Motte und Louis XIV.

Das Stück der "Schlitzer Theaternächte" gab allen Mitwirkenden die Möglichkeit, ihrer Spielfreude und der dazugehörigen Ernsthaftigkeit freien Lauf zu lassen: Egal, ob David Köckeritz als Erzähler Jacques mit der Ukulele das Geschehen immer wieder einordnete und zusammenfasste, ob die Musketiere und die Wachen sich in großartigen Degenkämpfen ergaben oder die Damen rund um Fouquet und Madame de la Motte (Nina Schmidt) ihre bösen Intrigen schmiedeten, ob Lasse Dern als Säule die Schlüsselszenen wortlos begleitete oder Raoul (Ruben Prütz) und Louise (Maren Dietz) als unglückliches Liebespaar glänzten: Allesamt spielten sie mitreißend und ließen ihre Charaktere auch in ihren Zweifeln und Brüchen lebendig werden.

Die Damen des Stücks glänzten auch optisch.

Der Mann mit der eisernen Maske.

D’Artagnan und Louise beklagen Raouls Tod.

Ein Highlight des Stücks war sicherlich der Maskenball, den Luca Heil, Ruben Prütz, David Köckeritz, Katrin Bauer (auch Souffleuse) und Ute Gutermuth-Jörns mit aus der Zeit gefallener, überraschender und doch so passender Musik begleiteten. Weitere Akteure in der Aufführung waren Kerstin Metzendorf, Catharina Brähler, Karla Lips, Luise Schäfer, Jan Kalea und Doris Dippel (Maske).

D’Artagnan, Porhos und Aramis (vorne, v.l.), die Säule und der Mann mit der Maske. ...

Auftakt: Erzähler Jacques (r.) und Musketier Athos.

Degenkämpfe gehörten dazu.

Gemeinsam haben sie ihrem Publikum in diesem Herbst einen unvergesslichen Theaterabend geschenkt, eine Aufführung, die nicht alle Fragen beantworten konnte, die jedoch einmal mehr den Wert von Freundschaft, Wahrheit und Freiheit gefeiert hat. (pm/jk) +++


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