Referentin mit den Organisatoren: (von links) Rolf Müller, Anna Lena Guske, Sebastian Koch und Mathias Ziegler (KAB). - Foto: Katholische Akademie | Bistum Fulda

FULDA Akademieabend

Klimawandel und Armut: Zwei Krisen, die zusammenhängen

26.09.26 - Klimawandel und Armut wurden in der öffentlichen Wahrnehmung bislang selten unmittelbar miteinander in Verbindung gebracht. Seit dem vergangenen Hitzesommer hat sich dies jedoch etwas geändert. Denn es zeigte sich, dass sich nicht alle Menschen beispielsweise eine Klimaanlage zur Kühlung ihrer Wohnung leisten können. Ein Akademieabend zum Thema "Wenn die Sommer heißer werden: Warum die Klimakrise soziale Fragen aufwirft" ging dieser Frage näher nach.

Der Abend war Teil der Veranstaltungsreihe "Kirche – Gewerkschaft", die vom DGB-Kreisverband Fulda, der KAB Fulda und von der Katholischen Akademie im Bistum Fulda gemeinsam veranstaltet wird.

Dr. Sebastian Koch, Bildungsreferent der Akademie, wies eingangs darauf hin, dass der Klimawandel bestehende soziale Ungleichheiten verschärfen könne. Wer über mehr finanzielle Ressourcen verfüge, könne sich oftmals besser vor den Auswirkungen der Klimakrise schützen. Dadurch drohten neue gesellschaftliche Spannungen und eine Vertiefung bereits bestehender Gräben, gerade in einer Zeit zunehmender Polarisierung. Rolf Müller, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Fulda, ergänzte, dass besonders vulnerable Gruppen wie Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen unter den hohen Temperaturen litten.

Referentin des Abends war Anna-Lena Guske von der Diakonie Deutschland in Berlin. Dort leitet sie das Projekt "Sozial-ökologische Transformation". Dieses beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Klimaschutz und Klimaanpassung auf verschiedene Bevölkerungsgruppen, insbesondere auf Menschen, die von Armut betroffen sind.

"Der Klimawandel ist längst spürbar", machte Guske deutlich. Sie nannte verschiedene Beispiele: So habe es in Deutschland während der Hitzewellen der vergangenen Sommer zahlreiche hitzebedingte Todesfälle gegeben. Auch die verlängerte Pollenflugzeit belaste viele Menschen mit Allergien. Krankheiten, die bislang vor allem aus tropischen Regionen bekannt waren, könnten sich durch veränderte klimatische Bedingungen künftig auch in Deutschland stärker ausbreiten. Besonders betroffen seien ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen. Hinzu komme, dass Lebensmittel teurer würden, was ebenfalls mit den Folgen des Klimawandels zusammenhänge.

Klimawandel als globale Gerechtigkeitsfrage

Weltweit stelle der Klimawandel eine der größten Bedrohungen für die Menschheit dar, betonte die Referentin. Dabei gehe es nicht nur um gesundheitliche Folgen. In einigen Regionen seien Menschen bereits heute durch den steigenden Meeresspiegel existenziell bedroht. Besonders betroffen seien vielfach ärmere Länder des Globalen Südens, während ein Großteil der historischen Treibhausgasemissionen aus den wohlhabenderen Staaten des Globalen Nordens stamme. Für Guske sei dies eine zentrale Frage internationaler Klimagerechtigkeit.

Auch beim Ausstoß des klimaschädlichen CO₂ gebe es Unterschiede zwischen Arm und Reich. Wohlhabendere Menschen verursachten im Durchschnitt einen höheren CO₂-Fußabdruck als Menschen mit geringem Einkommen. Sie nutzten häufiger das Auto, unternähmen Flugreisen oder Kreuzfahrten und verfügten über größere Wohnflächen. Gleichzeitig verwies Guske darauf, dass klimaschonende Technologien wie Solaranlagen oder Elektroautos bislang vor allem von einkommensstärkeren Haushalten genutzt würden. (js/pm)+++


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