Die Vorsitzenden der Heimatfreunde Bad Salzschlirf Christian Bornträger und Michael Schreiner, Kurdirektorin Wenke Selke, Quellenkönigin Christina Post und der stellv. Bürgermeister Christoph Göbel. - Fotos: privat

BAD SALZSCHLIRF Historische Ausstellung in der Wandelhalle

Ausstellungseröffnung zum 150. Todestag von Dr. Eduard Martiny

27.09.26 - Bad Salzschlirf hat am Donnerstag mit einem Gedenkgottesdienst, einer feierlichen Kranzniederlegung und der Eröffnung einer umfangreichen historischen Ausstellung an den 150. Todestag von Dr. Eduard Friedrich Gotthilf Martiny erinnert. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste folgten der Einladung der Heimatfreunde Bad Salzschlirf e. V., um dem Begründer des Heilbades und Ehrenbürger der Gemeinde zu gedenken – ein würdiger Rahmen für einen Mann, der die Entwicklung des Kurortes entscheidend geprägt hat.

Den Auftakt bildete ein Gedenkgottesdienst, den Pfarrer Hühnermund gestaltete. In seiner Predigt würdigte er das Leben und Wirken Martinys und dessen Bedeutung für Bad Salzschlirf. Im Anschluss versammelten sich die Teilnehmer an Martinys Grab vor der Kirche. Dort erinnerte Christian Bornträger, Erster Vorsitzender der Heimatfreunde, an die letzten Wünsche des Arztes. Vier Tage vor seinem Tod hatte Martiny in seinem Testament geschrieben: "Begraben möchte ich werden in Salzschlirf, dafür werde ich innigst dankbar sein, und ich lasse die Gemeinde, von der ich herzlichst Abschied nehme, bitten, diesen letzten Liebesdienst mir zu erweisen. Reden am Grabe wünsche ich nicht, dagegen Einsenken unter geistlichem Gebet."

Cornelie Katharina Margarethe Martiny im Gespräch mit Christian Bornträger zu ...

Auch das Läuten der Glocken hatte Martiny in seinem Testament ausdrücklich als persönlichen Wunsch festgehalten. Diesem Wunsch wurde bei der Gedenkfeier Rechnung getragen. Pfarrer Hühnermund sprach gemeinsam mit den Anwesenden Gebete und gedachte des Verstorbenen. "Wir verneigen uns vor einem Ehrenbürger, vor einem Mann, der sein Leben lang alles für sein Heilbad Salzschlirf gegeben hat und so viel für den Ort gemacht hat. Und wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren", sagte Bornträger am Grab. Abschließend erinnerte er an die Worte, die nach späterer Überlieferung Pfarrer Schumann bei Martinys Beisetzung zugeschrieben werden: "Dem Bad gab er das Leben, das Bad gab ihm den Tod." Unter feierlichem Glockengeläut legten die beiden Vorsitzenden der Heimatfreunde, Christian Bornträger und Michael Schreiner, einen Kranz am Grab nieder.

"Hier wollen wir sein Leben und Wirken sichtbar machen"

Von der Kirche führte der gemeinsame Weg zur Wandelhalle, wo die Heimatfreunde ihre Ausstellung "Dem Bad gab er das Leben" vorbereitet hatten. Bei der Eröffnung begrüßte Bornträger unter anderem den Ersten Beigeordneten Christoph Göbel, Kurdirektorin Wenke Selke, Quellenkönigin Christina Post sowie Dieter König, der Dr. Martiny seit vielen Jahren bei Veranstaltungen verkörpert.

In seiner Begrüßung schlug Bornträger den Bogen vom Gedenken am Grab zur historischen Ausstellung: "Wir haben eben an den Menschen gedacht, und hier wollen wir nun sein Leben und Wirken sichtbar machen." Nur wenige Meter von der Wandelhalle entfernt befindet sich der Bonifatiusbrunnen, an dem die Geschichte des Heilbades ihren Anfang nahm. Martiny hatte Ende 1837 die Grundlagen für den Aufbau einer Badeanstalt übernommen. Bereits 1838 kamen die ersten Badegäste. In den folgenden Jahrzehnten setzte er sich als Arzt, medizinischer Fachautor und Unternehmer für die Entwicklung des Badeortes ein.

Auf 30 nummerierten Tafeln beleuchtet die Ausstellung die drei großen Themen Lebensweg, Wirken und Vermächtnis. Historische Dokumente, Urkunden, Karten, Abbildungen und Zitate erzählen von Martinys Herkunft und Ausbildung, den Heilquellen, dem Aufbau des Bades, seinen Erfolgen und Rückschlägen sowie seinen letzten Lebensjahren. "Martiny war als Gründer des Bades bekannt, aber die Person hinter diesem Namen ist vielen noch gar nicht so vertraut", erläuterte Bornträger. Das Ziel der Heimatfreunde sei es, den Ehrenbürger nicht nur zu würdigen, sondern seine Geschichte anhand historischer Zeugnisse zu erzählen.

Bei der Vorbereitung der Ausstellung habe es auch für die Heimatfreunde neue Erkenntnisse gegeben. Die Entwicklung des Heilbades sei keineswegs geradlinig verlaufen. Vielmehr seien jahrelange Arbeit und erhebliche finanzielle Mittel nötig gewesen. Auch Schwierigkeiten, Widersprüche und offene historische Fragen gehörten deshalb zu einer sorgfältigen Darstellung von Martinys Lebensgeschichte.

Dank an die Familie Martiny und zahlreiche Unterstützer

Ein besonderer Dank galt der Familie Martiny, die den Heimatfreunden umfangreiche historische Familienunterlagen zur Verfügung gestellt hatte. Zur Ausstellungseröffnung konnte Christian Bornträger mit Cornelie Martiny auch eine Ururenkelin des Heilbadgründers persönlich begrüßen. Ihr Bruder Dr. Frieder Martiny hatte seine Teilnahme bedauerlicherweise absagen müssen.

Bornträger dankte darüber hinaus dem Hessischen Staatsarchiv sowie allen, die mit historischen Bildern, Dokumenten und Informationen zur Ausstellung beigetragen hatten. Ein ausdrücklicher Dank galt auch den Helfern, die die erst am Eröffnungstag gelieferten Ausstellungstafeln noch rechtzeitig in der Wandelhalle aufgebaut hatten.

Ein besonderer Dank galt auch Herbert Post und Elmar Post, die sich seit vielen Jahren liebevoll um Martinys Grab an der Kirche kümmern und damit das Andenken an den Ehrenbürger auch außerhalb besonderer Gedenktage bewahren.

Dieter König verabschiedet sich nach 17 Jahren als Darsteller Dr. Martinys

Ein besonderer Moment der Ausstellungseröffnung war der Auftritt von Dieter König, der seit nunmehr 17 Jahren bei Ortsführungen und Veranstaltungen in die Rolle des Dr. Eduard Martiny schlüpft. In seiner Ansprache würdigte er die Bedeutung des Heilbadgründers und kündigte zugleich an, die Rolle zum Jahresende in andere Hände übergeben zu wollen.

"Es war mir eine Ehre, in die Rolle des Dr. Eduard Martiny zu schlüpfen. Es hat mir auch viel Freude gemacht", sagte König. "17 Jahre habe ich es jetzt gemacht und trotz aller Freude hat alles mal ein Ende." Er hoffe, dass sich jemand finde, der diese Aufgabe fortführe, und dankte allen, die ihn über die Jahre unterstützt hatten.

Anschließend ließ König Martiny anhand historisch überlieferter Worte selbst zu Wort kommen. Er erinnerte an die schweren letzten Lebensjahre des Arztes, an dessen Enttäuschungen und an seine tiefe Verbundenheit mit dem Heilbad. Besonders eindrücklich waren die Worte, die Martiny seiner Tochter vor seinem Tod mitgegeben haben soll: "Ich musste durch das Elend und die Ungunst der Zeiten hindurch der armen leidenden Menschheit ein unschätzbares Gut hinterlassen."

Zum Abschluss griff König eine von Heimatschriftsteller Gustav Iller geschilderte Traumvorstellung auf: Martiny kehrt darin nach seinem Tod in den Badeort zurück, sieht dessen Entwicklung und ruft voller Freude: "Es war also doch nicht umsonst." König verband diese Worte mit einem Appell an die Gegenwart: "Diese Worte – "Es war also doch nicht umsonst" – sollten uns eine eindringliche Mahnung sein, das Erbe Martinys zu bewahren." Die Gäste dankten Dieter König für sein langjähriges Engagement mit langanhaltendem Applaus.

Weitere Bildergalerie in der Wandelhalle eröffnet

In seinem Grußwort dankte der Erste Beigeordnete Christoph Göbel den Heimatfreunden im Namen der Gemeinde für die aufwendige Erarbeitung der Ausstellung und ihren Einsatz für die Bewahrung der Ortsgeschichte. Auch Kurdirektorin Wenke Selke würdigte das Engagement der Beteiligten. Sie nutzte den Abend zugleich, um sich bei Herbert Post für die Stiftung von Bildern zu bedanken, die künftig den Flur der Wandelhalle schmücken. Die ebenfalls eröffnete Bildergalerie zeigt verschiedene Epochen der Wandelhalle sowie eine Ahnengalerie der Salzschlirfer Quellenköniginnen.

Ein weiterer Dank galt Uwe Gies und Jan Henkelmann. Durch ihre Spendenaktion konnte eine Kameraüberwachung finanziert werden, die die Wandelhalle künftig besser vor Vandalismus schützen soll. Nach dem offiziellen Teil stießen die Gäste bei einem Glas Sekt auf die Ausstellungseröffnung an. Bei Canapés und Gesprächen nutzten viele die Gelegenheit, die historischen Tafeln und die neue Bildergalerie zu betrachten. Mit der Ausstellung zum 150. Todestag möchten die Heimatfreunde Bad Salzschlirf das Andenken an einen Mann bewahren, dessen Lebenswerk den Ort bis heute prägt. (mis/pm) +++


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