28.09.26 - Ein Konzert beginnt mit einem Gespräch: Schülerinnen und Schüler des Domgymnasiums haben im Mediana Wohnstift Bewohnerinnen und Bewohner nach ihren musikalischen Erinnerungen gefragt. Aus den Gesprächen über Lieblingslieder, prägende Melodien und besondere Momente entstand ein ungewöhnliches Konzertprojekt. Gemeinsam mit internationalen Klassik-Stars des fulda festivals brachten die Jugendlichen die Geschichten anschließend auf die Bühne.
Was passiert, wenn Musik nicht nur gespielt, sondern gemeinsam entdeckt wird? Wenn ein Konzert nicht mit dem Applaus beginnt, sondern mit einer Begegnung? Dabei wurden Schülerinnen und Schüler, Bewohnerinnen und Bewohner einer Senioreneinrichtung und internationale Klassik-Stars zu musikalischen Entdeckern. Eine gemeinsame Aktion von Mediana, dem Domgymnasium, Rhapsody in School, tonali und dem fulda festival zeigte, wie Musik Menschen unterschiedlicher Generationen miteinander verbinden kann. Angefangen hat alles nicht auf einer Konzertbühne, sondern im Wohnzimmer.

Am Anfang war das Gespräch: Im Austausch mit den Seniorinnen und Senioren im Mediana ...
Im Rahmen des Projekts "Musik & Begegnung" besuchten Schülerinnen und Schüler des Domgymnasiums Bewohnerinnen und Bewohner des Mediana Wohnstift in ihren Wohnräumen. Sie klopften an Türen, kamen miteinander ins Gespräch und stellten eine einfache, aber besondere Frage: Welche Rolle spielt Musik in eurem Leben? Es wurde erzählt, erinnert und zugehört. Die Gespräche drehten sich um Lieblingslieder, musikalische Erinnerungen, besondere Momente und Melodien, die Menschen über viele Jahrzehnte begleitet haben. Dabei wurde schnell deutlich: Musik ist eng mit persönlichen Geschichten verbunden. Ein Lied kann an einen Menschen erinnern, einen Ort lebendig werden lassen oder ein ganzes Lebensgefühl zurückbringen. Aus diesen Begegnungen entstand eine Sammlung persönlicher musikalischer Geschichten – und schließlich die Idee, diese Geschichten auf die Bühne zu bringen.
Wenn Erinnerungen zu Musik werden
So entwickelten sich aus den persönlichen Begegnungen zwei besondere Konzerte. Im Foyer des Mediana Wohnstift präsentierten virtuose Musikerinnen und Musiker das Programm "Kontrabass & Klavier". Im Atrium des Mediana Pflegestift war ein hochkarätiges Streichquartett zu erleben. Doch die Schülerinnen und Schüler waren dabei nicht nur Zuhörende. Gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern gestalteten und moderierten sie die Konzerte. Sie brachten ihre eigenen Erfahrungen und die Geschichten aus den Begegnungen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ein und eröffneten damit neue Perspektiven auf die Musik. Klassische Kammermusik traf auf Jazz, persönliche Lieblingslieder begegneten großen Werken des Konzertrepertoires, musikalische Erinnerungen trafen auf neugierige Ohren. Dadurch entstand ein Konzertformat, das bewusst Grenzen zwischen Bühne und Publikum, zwischen Generationen und musikalischen Genres überschritt.
Das Publikum – Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige und Gäste – erlebte zwei Veranstaltungen voller Vielfalt und Überraschungen. Im Mittelpunkt stand dabei nicht allein die musikalische Virtuosität, sondern vor allem das gemeinsame Erleben. Genau hier setzt das Konzept des fulda festival an. Die junge und aufgeschlossene Konzertreihe möchte Kammermusik neu denken. Musik soll nicht lediglich auf einer Bühne präsentiert werden. Sie soll Räume für Begegnung, Austausch und gemeinsames Erleben eröffnen. Im Mittelpunkt stehen deshalb nicht nur die Werke selbst, sondern auch Freundschaft, Kommunikation und soziale Verbindung. Es geht um die Frage, was Musik mit Menschen macht – und was entstehen kann, wenn Menschen miteinander über Musik ins Gespräch kommen. Denn Musik endet nicht mit dem letzten Ton. Sie kann Erinnerungen wecken, Geschichten erzählen, Menschen verbinden, begeistern, überraschen und berühren.

Das Konzert "Kontrabass & Klavier" fand im Mediana Wohnstift statt.
Was bei "Musik & Begegnung" mit dem einfachen Anklopfen an einer Tür begann, entwickelte sich zu einer Konzertreihe, die Musikvermittlung als lebendigen Prozess versteht. Schülerinnen und Schüler wurden zu Gesprächspartnern und Moderatoren, Bewohnerinnen und Bewohner zu Erzählerinnen und Erzählern ihrer musikalischen Lebensgeschichten und professionelle Musikerinnen und Musiker zu Impulsgebern für einen gemeinsamen Austausch. Das fulda festival zeigte dabei, dass neue Konzertformen nicht unbedingt große Bühnen oder aufwendige Inszenierungen brauchen. Manchmal beginnt ein musikalisches Erlebnis ganz einfach mit einem Klopfen an einer Tür, einer Frage – und der Bereitschaft, einander zuzuhören. (mp/pm) +++