30.09.26 - Aus Lebensmitteltechnologie wird "Life Science Technologie": Schon seit einigen Jahren geht es beim Fachbereich Lebensmitteltechnologie der Hochschule Fulda nicht mehr alleine um Lebensmittel und deren industrielle Verarbeitung. Der 1987 gegründete Fachbereich hat sich durch einen neuen Bachelor-Studiengang, zusätzliche Schwerpunkte und modernste pharmazeutische und biotechnologische Labore strategisch neu ausgerichtet und um den Bereich Biotechnologie erweitert.
"Die Umbenennung des Fachbereichs in ,Life Science Technologie" zum 1. Oktober ist daher jetzt nur konsequent", betont Fachbereichs-Dekan Prof. Dr. Mamadou Diakité und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "In der neuen Bezeichnung sind dann alle unsere technischen Ausrichtungen einbezogen, und wir behalten trotzdem unsere bekannte Abkürzung LT."
Der Begriff "Life Science" bedeutet übersetzt Lebenswissenschaft und steht für interdisziplinäre Forschung in Natur- und Ingenieurwissenschaften – zu Lebewesen, ihren Strukturen, ihren Prozessen. Die Wissenschaft verbindet Biologie, Chemie, Medizin, Pharmazie und Technik. "Der Begriff ist etabliert, gerade auch bei unserer Zielgruppe. Damit fühlen sich Studierende wieder zugehörig und Studieninteressierte können unser Angebot auch wirklich finden und korrekt einschätzen", erklärt Mamadou Diakité.
Das gesellschaftliche Interesse an Biotechnologie, so Diakité, sei mittlerweile genauso groß wie das an Lebensmitteltechnologie. Ein Beispiel: die Pharmazie. "Viele Medikamente werden derzeit noch aus Rohstoffen hergestellt, deren Anbau Länder wie Deutschland gar nicht stemmen können. Deshalb ist die Produktion solcher Arzneimittel in China oder Indien konzentriert – und bei uns kommt es dann unter Umständen zu Lieferengpässen. Aber viele dieser Medikamente kann man auch rein im Labor herstellen – und dadurch unabhängiger von globalen Lieferketten werden." Ein Ziel des Fachbereichs steht damit fest: "Wir möchten den Bereich pharmazeutische Biotechnologie künftig weiter ausbauen." Aktuell liegt der Fokus in Fulda jedoch auf der industriellen Biotechnologie.
Schlüsseltechnologie mit globaler Bedeutung
Im Vergleich zu Deutschland sind in der Biotechnologie-Forschung nach Ansicht des Dekans etliche Länder schon sehr viel weiter. Sein Fazit fällt klar aus: "In Deutschland laufen wir hinterher. Wir müssen etwas dagegen tun – und deswegen forcieren wir auch unsere neue Ausrichtung." Einen zusätzlichen Anreiz für die strategischen Veränderungen sieht Diakité durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gegeben. Das Ministerium stuft Biotechnologie als eine der sechs sogenannten Schlüsseltechnologien ein und fördert gezielt die modernen Lebenswissenschaften. Die
Bundesregierung hatte das im Sommer 2025 im Rahmen ihrer "Hightech-Agenda Deutschland" entschieden. Die Begründung: Die entwickelten Verfahren können globale Herausforderungen lösen und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigern. "Wir sind jetzt einfach alle froh und erleichtert, dass wir nun umbenannt sind und uns und der Hochschule Fulda dadurch viele neue Möglichkeiten offenstehen", fasst Prof. Diakité zusammen.

Der noch Vizepräsident der Hochschule Fulda, Prof. Dr. Jörg Kreiker. Archivfoto: O|N/Rene Kunze
Auch der künftige Präsident und aktuelle Vizepräsident der Hochschule Fulda, Prof. Dr. Jörg Kreiker, betont: "Mit der Erweiterung Richtung Biotechnologie öffnet sich der Fachbereich einem Zukunftsfeld von enormer gesellschaftlicher Bedeutung. Genauso wichtig ist mir: Die Lebensmitteltechnologie bleibt das starke Fundament, auf dem diese Entwicklung aufbaut. Für den Studienstandort Fulda ist das ein echter Gewinn: Studierende profitieren künftig von einem noch breiteren, zukunftsorientierten Angebot."

Die Hochschule Fulda. Archivfoto: Moritz Pappert
Infos zum Fachbereich
Der Fachbereich LT umfasst an der Hochschule die drei Bachelor-Studiengänge "Lebensmitteltechnologie", "Wirtschaftsingenieurwesen Life Sciences" und "Industrielle Biotechnologie" sowie den Master-Studiengang Food Processing, der jedoch auch berufsbegleitend studiert werden kann. Aktuell sind 752 Studierende am Fachbereich eingeschrieben. (pm/jk) +++