Die ehemalige Kreisberufsschule in Homberg (Ohm) wird abgerissen. Das hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. - Fotos: Luisa Heinz

HOMBERG (OHM) Ehemalige Kreisberufsschule muss weichen

Nach jahrelangem Leerstand: Homberg gibt grünes Licht für Abriss

07.10.26 - Knappe Entscheidung bei der Homberger Stadtverordnetenversammlung über den Abriss der ehemaligen Kreisberufsschule in der Friedrichstraße: Mit zwölf zu zehn Stimmen wurde beschlossen, das Gebäude abzureißen. Für Bürgermeisterin Simke Ried ist das die "konsequente Fortführung eines seit mehr als einem Jahrzehnt verfolgten stadtplanerischen Anliegens".

Seit etwa 16 Jahren steht das Gebäude in der Nähe der Homberger Innenstadt (Vogelsbergkreis) schon leer. Zuletzt wurde das Gebäude als Grundschule genutzt. Die Stadt hatte das Grundstück bereits 2012 erworben, um das innenstadtnahe Areal bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Der Plan: die Schaffung kleinerer, seniorengerechter und barrierearmer Wohnungen in fußläufiger Entfernung zur Innenstadt. "Die Stadtverordnetenversammlung hat diese Richtung über Jahre hinweg mitgetragen und bestätigt", erklärte Ried auf Anfrage von OSTHESSEN|NEWS. "Mit dem Abbruch wird das schadstoffbelastete und nachweislich nicht wirtschaftlich sanierbare Gebäude beseitigt. Damit wird der Weg für die geplante Wohnraumentwicklung frei."

Hombergs Bürgermeisterin Simke Ried. Archivfoto: O|N

Finanzielles Risiko?

Zu Diskussionen kam es bei der vergangenen Stadtverordnetenversammlung dennoch. Denn die Kosten des Abrisses sollen auf den künftigen Projektentwickler übertragen werden - der Kaufvertrag mit dem geplanten Investor ist allerdings noch nicht unterschrieben. Die Stadt soll die Kosten zunächst vorfinanzieren und sie später dem Investor in Rechnung stellen. Im Haushalt sind dafür bis zu 200.000 Euro vorgesehen. Einige Stadtverordnete sehen das Vorgehen kritisch, den Abriss ohne Kaufvertrag zu vollziehen. Die Stadt könne auf den Kosten sitzen bleiben. Ried verteidigt die Entscheidung, da die Abrissgenehmigung nur drei Jahre gültig ist - ein Verfall der Genehmigung könne für die Stadt riskant sein.

Nach der Debatte kam es dann zu knappen Entscheidung: Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, dass die Stadt die Planung des Abbruchs zwar zunächst auf eigene Kosten vorbereitet und den Abbruch selbst durchführt - "sie werden aber selbstverständlich in den weiteren Verhandlungen und in der vertraglichen Ausgestaltung mit dem Investor berücksichtigt. Dies entspricht der herbeigeführten Beschlusslage", erklärt Ried. "Der Abbruch ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Areals. Er schafft Baureife und erhöht die Entwicklungsmöglichkeiten des Grundstückes."

Zeitintensive Vorbereitungen

Der Beschluss heißt allerdings nicht, dass in den nächsten Wochen bereits die Abrissbagger anrollen. Planung wegen der Auflage der Abbruchgenehmigung und der Schadstoffthematik müssen erstellt werden. Das Gebäude muss vor Beginn der Abbrucharbeiten außerdem in seinem Charakter und Zustand in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege dokumentiert werden. Ried spricht von zeitintensiven Vorbereitungen.

Auch der Zustand des seit Jahren leerstehenden Gebäudes spielt dabei eine zentrale Rolle. "Wie bei länger leerstehenden Gebäuden kam es auch dort vereinzelt und in sehr überschaubarem Umfang zu Vandalismus und Müllablagerungen. Belastbar dokumentierte größere Vorfälle liegen uns nicht vor." Entscheidend für die weitere Entwicklung seien jedoch vor allem der bauliche Zustand des Gebäudes und die festgestellte Schadstoffbelastung.

Was genau soll nun in Homberg enstehen?

Als Investor für das geplante seniorengerechte Wohnprojekt steht Ralf Paul. Er wurde 2020 mit seiner damaligen Azimo GmbH von der Stadt ausgewählt. Inzwischen soll das Projekt über die PaWo GmbH weitergeführt werden, deren Geschäftsführer und Gesellschafter ebenfalls Paul ist. Vorgesehen ist ein innenstadtnahes Wohnprojekt mit kleineren, barrierearmen beziehungsweise seniorengerechten Wohnungen.

"Die Zielgruppe sind insbesondere ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen, die selbstständig wohnen können. Im näheren Umfeld der Friedrichstraße sind Gesundheitsversorgung, Einkaufsmöglichkeiten, die verkehrliche Anbindung und auch Kulturelles und soziale Angebote - etwa im städtischen Familienzentrum in Sichtweite - gegeben", so Ried. Die genaue Zahl der Wohnungen, die abschließende Ausgestaltung und der Realisierungszeitplan werden im Zuge der weiteren Planung sowie der Vertragsverhandlungen festgelegt. (lu) +++


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