Weltmeister aus Gründau: André Riedel gewinnt Gold in Hannover - Fotos: Verein

GRÜNDAU/HANNOVER Parkinson bremst ihn nicht aus

Nicht für möglich gehalten: André Riedel krönt sich zum Weltmeister

03.10.26 - Gründau hat einen neuen Weltmeister! Fünf Tage lang legte sich André Riedel bei der PingPongParkinson-WM in Hannover ins Zeug, nun ist er tatsächlich mit einer nicht für möglich gehaltenen Goldmedaille im Mixed der Klasse 3 zurückgekommen.

Von einer "riesigen Show" und einer "unglaublichen Stimmung" bei dem Turnier mit 757 Teilnehmern in der niedersächsischen Hauptstadt berichtet Riedel euphorisch: "Wir hatten gleich drei Hallen zur Verfügung."

Auch dank dem Faktor Zufall ging er im Mixed mit Petra Heidemann an den Start – ein unschlagbares Duo. Die Bielefelderin triumphierte in ihrer Klasse 3 auch im Damen-Einzel sowie im Damen-Doppel. Doch dass das Zusammenspiel mit Riedel auf Anhieb so gut harmonierte, war dennoch nicht selbstverständlich. "Sie hat eine super Rückhand und dosiert ihr Risiko im Spiel", beschreibt der Hanauer, der für den TTV Gründau an den Start geht, die Spielweise seiner Mixed-Partnerin. Er selbst ist mit der Vorhand stärker – das passte.

Runde um Runde überstanden Riedel und Heidemann ohne Satzverlust, machten sich dabei keinen Druck - und träumten allmählich doch von einer Medaille. Als ihnen der 3. Platz als Minimum nicht mehr zu nehmen war, wich die Nervosität vollends.

Zum Halbfinale

Im Halbfinale drehte das Duo mit Mühe einen 1:2-Rückstand, im Endspiel gegen Christine Wittig-Silva und Uwe Kalkhoff (beide aus Deutschland) war es dann wieder eine klare Sache: 3:0. Im Einzel gewann Riedel unterdessen seine ersten sieben Matches, scheiterte letztlich im Achtelfinale – und damit eine Runde später als im Herren-Doppel.

Bei der ersten Ausgabe der WM waren 2019 gerade mal 61 Spieler dabei gewesen, dieses Mal mehr als zwölfmal so viele. Aus 35 Ländern von allen Kontinenten außer Afrika kamen sie, "wie eine große Familie" habe sich das angefühlt, sagt Riedel. Dabei wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vorfeld anhand ihres TTR-Werts, der bei allen aktiven Tischtennisspielern die Spielstärke ausdrückt, in drei Klassen eingeteilt. Wer nicht im Verein aktiv ist und deswegen keinen TTR-Wert vorzuweisen hatte, wurde nach persönlicher Begutachtung eingestuft. Wie stark sich Parkinson hingegen bei den einzelnen Sportlerinnen und Sportlern auswirkt, spielte bei der Einteilung keine Rolle.

Tischtennis als idealer Sport

Tischtennis gilt schon länger als ein idealer Sport für Parkinson-Erkrankte. Denn durch die vielen schnellen Reaktionen, die am Tisch notwendig sind, schüttet das Gehirn Dopamin aus. Das hilft dabei, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Riedel selbst spielt erst seit April 2025 Tischtennis, als bei der TG Hanau beim dortigen Ping Pong Parkinson begann. Inzwischen ist der 52-Jährige Stützpunktleiter und läuft seit dem Sommer 2026 zusätzlich für den TTV Gründau im regulären Punktspielbetrieb in der 3. Kreisklasse auf.

Im Trikot der Niedergründauer will er sich stetig weiter verbessern – und hat die nächste WM parallel schon im Blick: 2027 in der Schweiz. (js/pm)+++


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