Der Wasserstand des Ober-Mooser Sees am 5. Oktober. - Foto: Edwin Schneider

LAUTERBACH Forderungen zum Wassserschutz

Schutzgemeinschaft fordert Kurswechsel beim Wasser

06.10.26 - Der Klimawandel schreitet weiter voran. Spürbar wird dies auch in der Region durch heiße Sommertage um die 40 Grad Celsius, an viel zu geringem Niederschlag, wodurch die Natur leidet, Quellen versiegen, Bäche austrocknen, Bäume absterben und die schöne Mittelgebirgslandschaft wie eine Steppe wirkt. Auch die Landwirtschaft klagt über immer weiter zurückgehende Ernteerträge.

Die Grundwasserstände fallen landauf, landab und die Versorgung der Menschen mit dem Lebensmittel Nummer eins ist in vielen Regionen gefährdet. Städte und Gemeinden in Hessen müssen immer mehr auf ihre vorhandenen Gefahrenabwehrverordnungen über die "Einschränkungen des Verbrauchs von Trink- und Brauchwasser bei Notständen der Wasserversorgung" zurückgreifen, die es verbieten, Trinkwasser in bestimmten Bereichen zu verschwenden. Selbst die großen Wasserversorger haben inzwischen erkannt, dass das Trinkwasser nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht, und haben in den heißen Sommermonaten zum Wassersparen aufgerufen.

In manchen Kommunen musste auch in diesem extrem trockenen Jahr Wasser mit Tankwagen herangefahren werden, um die Trinkwasserversorgung der Menschen aufrechtzuerhalten, so wie es bereits im Jahr 2018 in Hessens höchstgelegener Stadt Ulrichstein über ein halbes Jahr der Fall war. Deshalb sind die Forderungen der Schutzgemeinschaft Vogelsberg aktueller denn je. Der gemeinnützige Verein fordert seit Jahren, dass weniger Grundwasser in Richtung Rhein/Main fließen darf. Aktuell erhält das Ballungsgebiet knapp 40 Millionen Liter Wasser aus dem Vogelsberg, was ein Drittel des gesamten Trinkwasserverbrauchs in der Rhein-Main-Metropole ausmacht.

Deshalb fordert der klageberechtigte Verein, dass nunmehr die Festlegungen des hessischen Zukunftsplans Wasser, an dem die Schutzgemeinschaft maßgeblich mitgearbeitet hat, zeitnah umgesetzt werden. Hierzu gehören unter anderem die Einführung eines Wassercents in Hessen als Finanzierungsinstrument – nur in Hessen und Thüringen gibt es aktuell keinen Wassercent – und die Weiterführung der finanziellen Förderung von kommunalen Wasserkonzepten über das Jahr 2026 hinaus. Eine weitere Forderung ist, dass das Rhein-Main-Gebiet wieder vermehrt auf Eigenversorgung mit Trinkwasser setzen muss, um nicht noch mehr Grundwasser aus den Gewinnungsgebieten wie dem Vogelsberg abpumpen zu müssen.

Ein richtiger Schritt in die richtige Richtung ist hier das innovative Projekt des Wasserverbandes Kinzig, der mit einem großen Wasserwerk unterhalb der Staumauer des Kinzigtalstausees aus dem Niederschlagswasser des Sees Trinkwasser gewinnen will. Geplant ist, dass durch die Ultrafiltration jährlich 9 Mio. m³ Trinkwasser entstehen sollen. Die Schutzgemeinschaft hat sich kürzlich das geplante Wasserwerk durch den Geschäftsführer des Wasserverbandes Kinzig, Dr. Holger Scheffler, vorstellen lassen und begrüßt und unterstützt das 70-Millionen-Euro-Projekt des Verbandes bis zur Umsetzung und darüber hinaus.

Die sgv, gegründet 1989, ist eine der größten gemeinnützigen Naturschutzinitiativen in Hessen. Seit 2014 als klageberechtigter Verband anerkannt, stehen wir erfolgreich für den Grundwasserschutz und verhindern den Grundwasserraubbau im Naturraum. Weitere Infos unter www.sgv-ev.de. (pm/jk) +++


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