Ein analoger Spawnpoint für Nerds: Zu Besuch in der Trollbox. - Grafik/Fotos: O|N/Victor Brühl

PETERSBERG Ganz ohne Ladebildschirm

Zu Besuch in der Trollbox: Ein Ort, an dem Erwachsene wieder analog spielen

10.10.26 - Brettspiele, Pen & Paper, Tabletop, Modellbau und jede Menge bemaltes Plastik: In der Trollbox in Petersberg-Marbach (im Landkreis Fulda) schlägt das Herz der analogen Nerd-Kultur. Betreiber Guido Hilgert hat hier aus einem jahrzehntelangen Hobby bei sich einen Treffpunkt für Gleichgesinnte geschaffen. Dabei geht es um weit mehr als Würfel, Miniaturen und den nächsten kritischen Treffer.

Wer die Trollbox in Marbach betritt, merkt ziemlich schnell: Die rund 35 Quadratmeter ...

Wer die Trollbox in der Julius-Braun-Straße in Marbach betritt, merkt ziemlich schnell: Die rund 35 Quadratmeter Verkaufsfläche müssen mit einem besonderen Zauber belegt sein. Anders lässt sich kaum erklären, wie zwischen hunderten Brettspielen, Miniaturen, Farben und Regelwerken überhaupt noch Platz für Menschen bleibt. Kurz gesagt: Die Trollbox ist ein kleiner Loot-Dungeon.

Warhammer 40.000, HeroQuest, Star Wars, Dune - die Liste ließe sich lange fortsetzen. Wie viele unterschiedliche Produkte tatsächlich in der Trollbox stehen, weiß selbst Betreiber Guido Hilgert irgendwann nicht mehr ganz genau. "Ich habe eigentlich mal mitgezählt, aber irgendwann ging das nicht mehr", sagt der 53-Jährige und lacht. "Spiele samt Erweiterungen? Mindestens 500."

Betreiber Guido Hilgert und sein Sohn Robin Hilgert.

Warhammer 40.000, Mittelerde, Star Wars, Dune - die Liste ließe sich lange fortsetzen. ...

Ich habe eigentlich mal mitgezählt, aber irgendwann ging das nicht mehr", sagt der ...

Ein Hobby mit mehr als 40 Jahren Spielzeit

Dass der 53-Jährige irgendwann einen eigenen Laden rund um Brettspiele, Tabletop und Rollenspiele betreiben würde, kommt nicht ganz aus dem Nichts. Schon Mitte der 1980er-Jahre spielte er Rollenspiele wie DSA (Das Schwarze Auge) und MERS. Später kamen Tabletop, Magic und Battletech hinzu. Mal wurde mehr gespielt, mal weniger. Hauskauf, Umbau und Nachwuchs verschoben die Prioritäten. Den entscheidenden Anstoß für die heutige Trollbox gab schließlich sein Sohn Robin. "Als der dann so mit etwa zwölf Jahren gefühlt zu viel am Handy oder Computer gezockt hat, habe ich gesagt: Das kann jetzt nicht sein", erinnert sich Hilgert im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Schließlich lagerten noch zahlreiche Brett- und Rollenspiele im Keller. "Dann habe ich gesagt: Okay, wir fangen jetzt einfach mal an, Pen & Paper zu spielen." Vom Digitalen ging es ins Analoge.

Wer die Trollbox besucht, muss nicht blind irgendeine Box aus dem Regal ziehen. "Eigentlich ...

Vom Digitalen ging es ins Analoge - und aus einer Runde wurden viele. Freunde fanden zurück zum Hobby, die Kinder waren älter und für gemeinsame Spieleabende blieb wieder mehr Zeit. "Dann waren wir schlagartig 20, 30 Leute", erzählt er. Nur: So viele Spieler passen schlecht ins Wohnzimmer. Die Lösung befand sich praktisch vor der eigenen Haustür, in einer Art Nebenbau. Den entscheidenden Anstoß gab Hilgerts Frau: "Irgendwann hat meine Frau gesagt: Okay, dann bau das halt um."

Viele Spiele können deshalb ausprobiert werden.

So entstand vor rund sieben Jahren die Trollbox. "Das ist ein Low-Budget-Projekt, das über die Jahre gewachsen ist." Was an Geld hereinkam, wurde vor allem anfangs direkt wieder in den Laden gesteckt. Dabei geht es Hilgert um mehr als volle Regale. "Wir haben eine digitale Welt und an der kommen wir auch nicht drumherum." Trotzdem könne man bewusst einen Schritt zurückgehen. Multiplayer funktioniert schließlich auch ohne Internetverbindung - und der Voice-Chat hat am echten Tisch erstaunlich wenig Latenz.

Das ist gerade bei einem Hobby sinnvoll, dessen finanzielle Einstiegshürde hoch ...

"Es gibt aber natürlich auch günstigere Einstiegsspiele." Umso wichtiger ist Hilgert ...

Wer mit Freunden etwas ausprobieren möchte, kann dafür auch einen Termin vereinbaren. ...

Erst testen, dann den Geldbeutel würfeln lassen

Wer die Trollbox besucht, muss nicht blind irgendeine Box aus dem Regal ziehen. "Eigentlich fast alles, was ich hier im Laden stehen habe, habe ich selber schon gespielt", sagt der Betreiber. Viele Spiele können deshalb ausprobiert werden. Das ist gerade bei einem Hobby sinnvoll, dessen finanzielle Einstiegshürde hoch sein kann. "Hier sind auch Spiele drin, da kannst du bis zu 200 oder 300 Euro ausgeben. Es gibt aber natürlich auch günstigere Einstiegsspiele." Umso wichtiger ist Hilgert die Beratung. Denn nicht jedes Spiel passt zu dem Kunden oder funktioniert in jeder Gruppengröße gleich gut. Wer mit Freunden etwas ausprobieren möchte, kann dafür auch einen Termin vereinbaren.

Zur Trollbox gehören auch Spieltreffen, Turniere und Workshops.

Aber warum eigentlich "Trollbox"? Der Troll ist Guido Hilgert selbst - zumindest behaupten das seine Freunde. "Vor vielen Jahren haben Kumpels gesagt: Ich sehe aus wie so ein Troll, weil ich so eingefallene Schultern habe und so groß bin und ein bisschen Bauch", erzählt er schmunzelnd. Irgendwann stand eine Trollfigur im Hobbyraum, daneben ein Foto von ihm. Die Namensfindung war anschließend einfach: "Wenn ich der Troll bin, dann ist das hier eine Kiste - die Trollbox."

Dabei kann es durchaus speziell werden: Wie bekommt man beispielsweise eine überzeugende ...

Was die Trollbox besonders macht, bringt Hilgerts Sohn Robin auf den Punkt: "Das familiäre ...

Einen weiteren Vorteil sieht Hilgert in seiner Erfahrung - und im fehlenden Verkaufsdruck. ...

Drei Stunden Schnee malen? Klar.

Zur Trollbox gehören auch Spieltreffen, Turniere und Workshops. Dabei kann es durchaus speziell werden: Wie bekommt man beispielsweise eine überzeugende Schneelandschaft unter eine wenige Zentimeter große Miniatur? Bei entsprechenden Workshops werden Techniken und Spezialfarben ausprobiert. "Dann wird hier entsprechend mal drei Stunden irgendwas experimentiert. Maltechnik. Oder wie gesagt auch Spiele." Was für den einen eine kleine Plastikfigur ist, kann für den anderen schließlich eine Leinwand im Taschenformat sein.

Der zweite: "Ich habe keine Not." Die Trollbox ist Nebenjob und Hobby zugleich. ...

Was die Trollbox besonders macht, bringt Hilgerts Sohn Robin auf den Punkt: "Das familiäre Umfeld." Denn aus dem Laden ist längst ein Treffpunkt geworden. "Der Schwerpunkt liegt halt auf Community-Arbeit. Das macht das aus." Gesprochen wird über Spiele, Figuren, Maltechniken, Regelwerke oder die aktuelle Fantasy-Serie. Und die Trollbox besitzt offenbar einen effektiven Zeitzauber: Mancher komme für eine halbe Stunde und sei zweieinhalb Stunden später noch da. "Du setzt dich hier hin und wenn dann noch ein paar Leute da sind, das ist wie mit den Kumpels im Wohnzimmer", beschreibt Robin die Atmosphäre.

"Klar, ich versuche auch immer, was zu verkaufen. Aber ich muss halt nicht." ...

Wenn an einem Tag wenig verkauft wird, wurde eben mit Kunden und Bekannten über das ...

Wofür letztendlich die Trollbox steht, fasst Hilgert mit drei Begriffen zusammen: ...

Hobby anstatt Arbeitsdruck

Einen weiteren Vorteil sieht Hilgert in seiner Erfahrung - und im fehlenden Verkaufsdruck. "Der erste Vorteil ist ganz klar: Ich habe über 40 Jahre Erfahrung." Der zweite: "Ich habe keine Not." Die Trollbox ist Nebenjob und Hobby zugleich. "Klar, ich versuche auch immer, was zu verkaufen. Aber ich muss halt nicht." Wenn an einem Tag wenig verkauft wird, wurde eben mit Kunden und Bekannten über das Hobby gesprochen. "Das ist dann kein Weltuntergang, denn ich habe keinen Druck."

Taktik steckt in Brettspielen und Tabletop ohnehin zuhauf.

Kunst in aufwendig bemalten Miniaturen.

Und die Alternative? Die besteht darin, Freizeit nicht ausschließlich vor einem ...

Alternative. Taktik. Kunst.

Wofür letztendlich die Trollbox steht, fasst Hilgert mit drei Begriffen zusammen: Alternative, Taktik, Kunst. Taktik steckt in Brettspielen und Tabletop ohnehin zuhauf. Kunst in aufwendig bemalten Miniaturen. "Es gibt Profipainter, die wirklich auch ihr Geld damit verdienen", erzählt Hilgert. Und die Alternative? Die besteht darin, Freizeit nicht ausschließlich vor einem Bildschirm zu verbringen. Natürlich haben viele Welten in der Trollbox digitale Wurzeln oder Ableger. Skyrim ist genauso vertreten wie andere bekannte Gaming-Franchises. Aber Hilgert bevorzugt am Ende doch die Variante mit echten Menschen an einem Tisch.

Vielleicht ist das letztlich der beste Weg, die Trollbox zu beschreiben. Natürlich ...

Vielleicht ist das letztlich der beste Weg, die Trollbox zu beschreiben. Natürlich ist sie ein Fachgeschäft. Man kann Brettspiele, Miniaturen, Farben, Tabletop-Zubehör und Rollenspiele kaufen. Aber eigentlich geht es um etwas anderes. Nämlich darum, Leute an einen Tisch zu bekommen. Zum Würfeln. Zum Malen. Zum Fachsimpeln. Zum Diskutieren über Regeln, Fraktionen und Fantasy-Welten. Ganz ohne Ladebildschirm. (Mathias Schmidt) +++


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