FULDA Der Stadtpfarrer bei O|N

Stefan Buß: "Für wen haltet ihr mich?"

17.10.26 - "Für wen halten die Menschen den Menschensohn?" (Mt 16,3) – diese Frage stellt Jesus einmal seinen Jüngern. Zunächst ist es eine Frage nach der Meinung der anderen. Die Jünger zählen auf: Johannes der Täufer, Elija, Jeremia, einer der Propheten.

Dann aber wird es persönlich. Jesus fragt: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" Diese Frage stellt Jesus auch heute uns. Nicht: Was sagen die anderen über Jesus? Was steht im Religionsbuch? Was haben wir im Katechismus gelernt? Sondern: Wer ist Jesus für mich persönlich?

Petrus antwortet: "Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!"

Ein großes Glaubensbekenntnis! Petrus erkennt in Jesus nicht nur einen außergewöhnlichen Menschen, nicht nur einen großen Propheten oder weisen Lehrer. Er erkennt: In diesem Jesus begegnet uns Gott selbst.

Stadtpfarrer Stefan Buß. Archivfoto: O|N

Und doch wissen wir: Petrus war kein perfekter Mensch. Er konnte mutig sein und wenig später Angst bekommen. Er bekannte sich zu Jesus und verleugnete ihn später dreimal. Gerade deshalb ist es so tröstlich, dass Jesus seine Kirche nicht auf einen vollkommenen Menschen baut.

Jesus sagt zu Petrus: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen." Der Fels, auf dem die Kirche steht, ist letztlich nicht die Stärke eines Menschen. Es ist das Bekenntnis: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.

Auch heute braucht es Menschen, die dieses Bekenntnis nicht nur mit den Lippen sprechen, sondern in ihrem Leben sichtbar machen. Menschen, die sagen: Jesus Christus ist für mich nicht irgendeine Gestalt aus längst vergangener Zeit. Er ist der, auf den ich mein Leben gründe. Er ist der, dem ich vertraue. Er ist der, der mir Hoffnung gibt.

Vielleicht ist das gerade heute eine wichtige Frage. In einer Zeit, in der vieles unsicher geworden ist, in der alte Gewissheiten schwinden und viele Menschen fragen, was im Leben eigentlich trägt, stellt Jesus uns dieselbe Frage: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?"

Unsere Antwort muss nicht immer so groß und klar sein wie die des Petrus. Manchmal lautet sie vielleicht: Herr, ich glaube – aber mein Glaube ist klein. Herr, ich vertraue dir – aber manchmal habe ich Angst. Herr, ich möchte dir folgen – aber ich verliere manchmal den Weg.

Auch Petrus kannte diese Erfahrung. Und dennoch hat Jesus ihn nicht abgeschrieben. Er hat ihm vertraut und ihm eine Aufgabe gegeben.

Das kann auch uns Mut machen. Der Glaube lebt nicht von perfekten Menschen. Er lebt von Menschen, die trotz ihrer Schwächen immer wieder neu auf Christus schauen und sagen:

Du bist der Christus. Du bist der Sohn des lebendigen Gottes. Du bist der, der meinem Leben Halt gibt. Und vielleicht ist das heute die wichtigste Antwort, die wir geben können – nicht nur mit Worten, sondern mit unserem Leben. (Stefan Buß)+++


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