10.10.26 - Modellbauherzen schlagen höher, große und kleine Eisenbahnfans bekommen funkelnde Augen: Die Alsfelder Modellbahnfreunde haben zu ihrem Vereinsjubiläum wieder einmal zusammen mit zwei Partnervereinen die Mehrzweckhalle in Antrifttal-Ruhlkirchen zum lokalen Miniatur-Wunderland umfunktioniert. Das traditionelle Motto gibt gleich einen Vorgeschmack auf das, was die Besucher hier am Samstag und Sonntag erwartet: "Bahnsinn in H0".

Das traditionelle Motto gibt gleich einen Vorgeschmack auf das, was die Besucher hier ...
2012 sei im Alsfelder Verein die Idee entstanden, einmal Modulanlagen mit zwei weiteren Vereinen zusammenzuführen, sagt das langjährige Vorstandsmitglied David Hölscher: da ließen sich die Eisenbahnfreunde aus Borken und Sinntal nicht lange bitten. Seither wird reihum einmal jährlich aus den drei Vereinsbeständen eine Riesenanlage zusammengeführt, die mit ihren Dimensionen verblüfft: knapp 300 Meter Modellbaugleise, etwa 30 Züge, davon zeitgleich zehn auf den Gleisen in Bewegung befindliche, unzählige Motto-Landschaften und eine großartige Detailverliebtheit, die nach dem zweitägigen Aufbau immer wieder Heerscharen von kleinen und großen Fans begeistert. Die Alsfelder, die ihre Vereinsräumlichkeiten im ehemaligen BGS-Gelände haben, feiern in diesem Jahr außerdem ihr 25-jähriges Bestehen.
Auch Nachwuchs-Modellbauer vor Ort
"Wir haben im Verein und auch unter den beteiligten anderen Vereinen eine großartige Zusammengehörigkeit, das macht immer viel Spaß – nicht nur die besucherreiche Veranstaltung, sondern auch die abendlichen Stunden bei Fachgesprächen", so Hölscher, der mit dem Vorsitzenden Holger Hedrich auf einen Kreis von 15 Aktiven und Helfern für die Veranstaltung zugreifen kann. Dadurch ist auch für die Versorgung der Lokomotivführer und der Besucher bestens gesorgt. Letztere können bei den ausgesuchten Standbetreibern mit einem breiten Angebot rund um den Modellbahnbau und die Fahrzeuge auch für den heimischen Bedarf nahezu alles erwerben, was das Herz begehrt. Als Nachwuchs-Modellbauer hat sich der 15-jährige Lenno mit dem Nachbau einer Hafenanlage hohes Ansehen verdient. "Diese Leidenschaft habe ich vom Opa übernommen, und als ich vom Verein die Möglichkeit bekam, selbst ein Modul zu bauen, habe ich mich für den Hafen entschieden", erzählt der Alsfelder Nachwuchs-Modellbaukünstler, dem die "alten Hasen" auf die Schulter klopfen.
Der Berliner Bahnhof Friedrichstraße ist der Eyecatcher, den die Borkener Eisenbahnfreunde mitgebracht haben. Der 1. Vorsitzende Peter Hoppe blickt höchst zufrieden auf die Kooperation mit Alsfeld und Sinntal. "Holger Hedrich aus Alsfeld ist irgendwann mal Mitglied bei uns geworden und hat dann angeregt, diese tolle Dreier-Kombination ins Leben zu rufen." Sein Vorstandskollege von den vor 26 Jahren gegründeten Eisenbahnfreunden Sinntalbahn, Thomas Schulze, stimmt ihm zu: "Alle Vereine profitieren davon und wir haben eine schöne Zeit, in der wir viel Werbung in eigener Sache betreiben. Ein Verein könnte so eine Präsentation gar nicht allein leisten."
Wer mal beim "großen Bruder", dem Hamburger Miniatur-Wunderland, war, hat eine ungefähre Vorstellung davon, was den Eisenbahnfan in Ruhlkirchen, wenn auch auf weitaus kleinerer Fläche, erwartet. Die Liebe zum kleinsten Detail stand wie in Hamburg Pate, und bei aller Faszination der ferngesteuerten Lokomotiven, Waggons und Gleise: Das Salz in der Suppe sind die Gebäude, Figuren, die "lebendige Landschaft". Es lohnt sich, ganz langsam alles abzuschreiten, um nichts zu verpassen. Man wird sehen: Im Alsfelder Rathaus brennt Licht – muss der Bürgermeister Überstunden machen? Bei der Bankfiliale ist auf den ersten Blick alles in Ordnung – doch ein Querschnitt gewährt den Einblick dafür, dass Ganoven sich im Tresorraum zu schaffen machen und über einen Tunnel "Abhebungen vornehmen".
Mit DDR-Grenztruppen
Beim Rettungshubschrauber Christoph 28, der auf einer Vision des neuen Alsfelder Kreiskrankenhauses (das Schild hängt schon) seine Landeplattform hat, dreht sich auf Wunsch sogar das Rotorblatt, und natürlich sind auch die Hilfsdienste Feuerwehr, THW, der Rettungsdienst und die Polizei an vielen Stellen im Einsatz, unter anderem an der Vogelsbergring-Nordschleife direkt neben der Halloween-Gruselvilla. Apropos Gruseln: Auch an die DDR-Grenztruppen inklusive Wachturm wurde gedacht. Hinter dem Wachturm kommt direkt der Abgrund. Man findet den Eingang zum Wacken-Festival, Hippies erinnern an den Herzberg und eine Eintracht-Lokomotive zieht einen Torwand-Waggon hinter sich her. Auch Skurriles darf nicht fehlen: Vor dem ALDI-Markt ist ein Ufo gelandet, und ein ausgebüxter Elefant wird vom ADAC-Notdienst zurückgeleitet.
Wer den "Bahnsinn in H0" noch erleben möchte, sollte sich dafür den abschließenden Sonntag vornehmen, denn 2027 gastiert das Dreier-Treffen in Sinntal, 2028 in Borken und erst 2029 wieder im Vogelsbergkreis. (goa) +++