Leid und Freud, Trauer und Hoffnung – alles das findet sich in den Bildern der Ausstellung in der Museumsscheune. - Fotos: Traudi Schlitt

ALSFELD "Lassen Sie sich berühren"

"Wegbegleiter im Sterben" und "Farbspiel"– Ausstellung in der Museumsscheune

11.10.26 - Ein herausforderndes und zugleich gelungenes Zusammenspiel an Fotografien und Gemälden kann man derzeit in der Alsfelder Museumsscheune erleben: Im Rahmen des Welthospiztages wurde dort die Ausstellung "Wegbegleiter im Sterben" eröffnet. Berührende Schwarzweiß-Fotografien von Werner Feldmann zeigen Menschen im Hospiz. In vielen Situationen, privaten Momenten, Alltagsversuchen und Begegnungen. Doch das Schwarzweiße ist nur eine Seite der Medaille, wie Hedwig Kluth, Vorsitzende des Alsfelder Hospizvereins, in ihrer Begrüßungsrede sagte.

Aus diesem Grund hat der Deutsche Hospiz- und Palliativverband den diesjährigen Welthospiztag unter das Motto "So bunt wie das Leben. Hospiz." gestellt. Und genau darum wiederum haben die Organisatorinnen von Hospizverein und Lichtermeerstiftung diesen Fotografien farbenfrohe Gemälde an die Seite gegeben. "Farbspiel" lautet folgerichtig die Ausstellung der gleichnamigen Malgruppe der Alsfelder Landfrauen. Gemeinsam schaffen beide Ausstellungen in ihrer Unterschiedlichkeit ein großes Ganzes, das verdeutlicht: Es gibt nie nur Dunkelheit oder nur Licht – es gibt immer alle Schattierungen in allen möglichen Ausprägungen.

Kunstwerke der Landfrauen können gegen eine Spende erworben werden, sagte Heidemarie ...

Und ebenso folgerichtig eröffnete Sabine Dietrich die Ausstellung am Samstagnachmittag in der vollbesetzten Scheune mit dem Lied "Colours of my Life – Farben meines Lebens". Noch viele weitere Lieder, die sich mit den Themen Leben und Sterben, Tragen und Loslassen beschäftigen, hatte die Lauterbacher Künstlerin ausgewählt. Sie alle unterstrichen den Eindruck dieses Tages, der die Vielfalt und die Bedeutung von Palliativ- und Hospizversorgung in den Mittelpunkt stellte und – so der ursprüngliche Gedanke des Welthospiztages – diesen in die Öffentlichkeit bringen wollte. Dies gelinge immer besser, fand Hedwig Kluth, die sich freute, dass sich auch der Vogelsbergkreis als Träger des Hospiz- und Palliativnetzwerks dieser Idee angeschlossen habe.

Die Grußworte des Ersten Kreisbeigeordneten Patrick Krug untermauerten dies. Er zeigte sich erfreut, dass gerade das Zusammenspiel der Fotografien und Bilder das Thema greifbar und erlebbar machte. Der Fokus in der Palliativ- und Hospizversorgung liege auf der Wahrung der Würde und der richtigen Unterstützung, so der Vize-Landrat. Zwar leiste der Kreis einen Beitrag zu der Palliativ- und Hospizarbeit im Kreis, doch ohne Menschen, die sich voller Leidenschaft engagierten – sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt – könne es nicht gelingen.

Tanja Bohn, Stiftungsratsvorsitzende der Lichtermeer-Stiftung, stellte das in ...

Susanne Botthof-Schlitt, Palliativkoordinatorin des Vogelsbergkreises, verwies in ihrer kurzen Ansprache auf die Versorgungsangebote im Kreis. "Wir sind Wegbegleiter im Sterben"; griff sie den Titel der Fotoausstellung auf und betonte, dass Palliativbegleitung sich nicht erst auf die letzten Wochen vor dem Tod beschränke, sondern schon ab einer entsprechenden Diagnose sinnvoll sei. Dies solle man immer mitdenken und Betroffenen diese Information geben. "Die Bilder dieser Ausstellung machen deutlich, wie besonders diese Lebensphase ist", sagte sie.

Die Stiftungsratsvorsitzende der Lichtermeer-Stiftung, Tanja Bohn, weihte die Gäste in den aktuellen Stand des derzeit entstehenden stationären Hospizes in Alsfeld ein. Schon Anfang November findet am Lieden das Richtfest statt, gab sie bekannt und zeigte sich zuversichtlich, dass im Herbst kommenden Jahres der Betrieb starten könne. Sie schilderte unter anderem, dass ein Hospiz stets fünf Prozent seiner Betriebskosten als Spenden einwerben müsse, betonte aber auch, dass für die Gäste der Aufenthalt komplett kostenlos sei und keine Selbstbeteiligung anfalle. Über die Bilder der Farbspiel-Ausstellung sprach Heidemarie Löb von den Alsfelder Landfrauen. Sie zeigte sich erfreut, daran mitzuwirken, den Hospizgedanken präsenter zu machen. Als ganz konkrete Unterstützung werden markierte Bilder der Ausstellung gegen eine Spende verkauft, die wiederum dem Hospiz zugutekommt.

Susanne Botthof-Schlitt freute sich, dass die Bilder die "besondere Lebensphase ...

Zum Abschluss der offiziellen Eröffnung ging Hedwig Kluth auf die Entstehung der Bilder als Kooperation zwischen dem stationären Hospiz St. Christophorus in Mainz-Drais, der Palliativstation der Mainzer Universitätsmedizin und dem Bilhildis-Altenheim, Mainz, ein. Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem Studio für Fotokommunikation von Werner Feldmann, Bodenheim, und mit Schülerinnen und Schülern der Altenpflegeschule Bilhildis, Mainz, sowie der Ökumenischen Hans-Voshage-Hospizstiftung. Erstmals gezeigt wurde sie 2011 im Mainzer Dom. Kluth lud die Gäste ein: "Lassen Sie sich berühren." Diesem Gedanken folgte auch Sabine Dietrich mit ihren Liedern. "Wunder geschehen", sang sie am Ende der Feierstunde und schuf damit einmal mehr eine ganz besondere, anrührende und einfühlsame Atmosphäre.

Die Fotografien sprechen – insbesondere durch kleine Textinfos zum Inhalt – für sich. Sie zeigen Menschen in ihren letzten Minuten und solche, die sich strahlend ein letztes Kleid aussuchen. Sie zeigen Versuche von Alltag angesichts des Todes und damit einhergehenden Verlustes, gleichzeitig schenken sie Hoffnung, dass ein Abschied in Liebe und Würde möglich ist. Sie zeigen Einsamkeit und Verlust und die Bedeutung von Trost und Nähe. Die bunten Bilder – Blumenmeere, Menschen, Landschaften – rücken genau dies ins Licht und unterstreichen das Motto des Tages sowie den Ansatz aller Menschen, die sich im Hospiz- und Palliativwesen dafür einsetzen, dass es den Menschen und ihren Angehörigen gutgeht.

Vize-Landrat Patrick Krug unterstrich die Bedeutung der Palliativ- und Hospizversorgung ...

"Lassen Sie sich berühren" – Hedwig Kluth lud die Gäste dazu ein.

Sabine Dietrich hatte für jeden Aspekt der Ausstellung die passende Musik mitgebracht. ...

Mehr als sonst in Ausstellungen darf man sich hier sein eigenes Bild machen und für sich selbst einen Zugang finden, wie die Schwarzweiß-Fotografien mit den farbenfrohen Gemälden der Malgruppe korrespondieren. Dafür bleibt genau diese eine Woche: Die Ausstellung ist vom 11. bis 17. Oktober 2026 täglich von 16 bis 18 Uhr geöffnet; am Tag der Finissage von 11 bis 15 Uhr. (pm/jk) +++


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