11.10.26 - Die Schönheit der Alten Aula der Universität verschlug Hilla Ofek und André Tsirlin ein wenig die Sprache. Die beiden waren von dem prächtigen Saal und dem großen Publikumszuspruch – die Aula war fast bis auf den letzten Platz besetzt – so begeistert, dass sie spontan ihr Programm änderten. Nun wissen wir zwar nicht, was sie uns sonst geboten hätten, aber eines wissen wir: Dieses Konzert war eine Klasse für sich. Veranstaltet wurde es von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit GCJZ gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Fulda und dem Zentralrat der Juden in Deutschland.
Ein Wohnzimmerkonzert
André Tsirlin und Hilla Ofek sind nicht nur musikalisch ein Paar – er spielt Saxofon, sie Harfe –, sondern auch privat. Und das spürt man. Sie verstehen sich ohne Worte, oft genügt ein Blick. Tsirlin übernahm die Moderation, mit viel Mutterwitz und Humor. Warum er moderierte? Weil er, das könnten wir uns ja denken, zu Hause weniger zu sagen hat als seine Frau.

Die Aula der Alten Universität war bis fast auf den letzten Platz besetzt. ...

Tsirlis moderierte mit Humor und Mutterwitz – und in zwei Sprachen.

Tsirlis und Ofek treten weltweit in Konzerthallen auf und gehören zu den interessantesten ...
2012 waren die beiden nach Deutschland gekommen. "Ohne ein Wort Deutsch, wir kannten niemanden, aber wir wollten hier studieren." Eines Tages hörten sie, dass im Hof ihrer Schöneberger Wohnung ein Fest gefeiert wurde. Sollten sie hingehen? Aber sie kannten doch niemanden! Durfte man in Deutschland einfach so auf einem Fest auftauchen? "Aber wissen Sie, es gibt da so ein jiddisches Wort: Chuzpe. Die hatten wir." Also gingen sie hin. Gar kein Problem.
Als sie erzählten, dass sie Musik machten, wurden sie spontan eingeladen, doch im Hof zu spielen. Was nicht ganz so einfach ist, wenn dafür eine Harfe aus dem zweiten Stock hinunter- und anschließend wieder hinaufgetragen werden muss. Die Lösung war denkbar einfach: "Dann kommen wir zu euch." Flugs füllten sich Wohnzimmer, Flur, Küche und sogar das Bad. "Es war unser erstes Wohnzimmerkonzert." Während der Corona-Zeit folgten zahlreiche Wohnzimmer- und Treppenhauskonzerte.
Regenbogenmusik

Ofek und Tsirlis sind nicht nur musikalisch, sondern auch im Leben ein Paar. ...
Was für Musik spielt Duo Duor eigentlich? Sopransaxofon und Harfe sind eine ungewöhnliche Kombination, für die es nur wenig eigenes Repertoire gibt. Also arrangieren die beiden alles, was sie spielen, selbst. Oft wurden und werden sie gefragt, was das denn nun für Musik sei. "Schöne Musik", sei in der Regel ihre erste Antwort gewesen. Aber das sagt ja nicht sonderlich viel aus. Und mit dem Begriff "Crossover" konnten sie wenig anfangen, das sei einfach kein Wort, das sie hätten spüren können.
In Fulda durfte das Publikum selbst herausfinden, was diese Musik ausmacht. Tsirlin und Ofek spannten den Bogen von Bach bis zu den Beatles, "plus ein bisschen jüdisches Gewürz, denn damit sind wir aufgewachsen". Die schönste Antwort auf die Frage nach ihrer Musik stammt übrigens von einem dreijährigen Kind: "Das ist Regenbogenmusik. Alle Farben sind zusammen, und man weiß nicht, wo die eine anfängt und die andere aufhört."
Und dann war da noch die Harfe. Unnachahmlich, wie Tsirlin in einem gemeinsamen Ratespiel mit dem Publikum erklärte, wie dieses Instrument funktioniert. Am Ende wussten alle, wie man auf 47 Saiten mit acht Fingern und mit den Füßen auf sieben Pedalen spielt, weshalb jede Saite drei verschiedene Töne hervorbringen kann und warum die kleinen Finger dabei nicht benötigt werden.

Bella Gusman und Roman Melamed von der Fuldaer Jüdischen Gemeinde bedanken sich bei ...

Lauter frohe Gesichter und viel Energie bei diesem Konzert.
Ein Raum voller Energie
Konzerte sollen Energie geben, den Musikern genauso wie dem Publikum. Duo Duor erfüllte diesen Anspruch auf das Allerschönste. Ob Klassik oder Klezmer, das lyrische "Somewhere over the Rainbow", Ilse Webers ergreifendes Kinderlied "Wiegala", das den Kindern im Ghetto Theresienstadt an einem trostlosen Ort wenigstens ein wenig Trost spenden sollte, Astor Piazzollas spritziger "Libertango", das eigens für Duo Duor komponierte "Ancient Echoes from Psalms" von Dr. Amit Weiner oder Leonard Cohens Welthit "Hallelujah": Das Saxofon lachte und weinte, jubelte und klagte, tanzte und versank in stiller Melancholie. Die Harfe setzte dem ihre ganz eigene Klangwelt entgegen: leise, eindringlich und von großer Intensität. Hilla Ofek, eine Enkelin Giora Feidmans, war ganz auf ihr Instrument konzentriert und blieb doch in ständigem musikalischem Kontakt mit ihrem Mann.
Was diese beiden Musiker auszeichnet, ist weit mehr als ihre stupende Virtuosität. Bei ihnen stehen Bach und Beatles, Klezmer und Piazzolla ganz selbstverständlich nebeneinander, ohne dass die Musik ihre Eigenart verliert. Ihre Freude am gemeinsamen Musizieren überträgt sich unmittelbar auf das Publikum, das die beiden Künstler mit Standing Ovations feierte. Und einen Wunsch hatten wohl alle im Saal: Kommt wieder nach Fulda! (Jutta Hamberger) +++ 