14.10.26 - Zwei Spiele, ein Punkt: Seit zwei Partien steht Miroslav "Miro" Jagatic an der Seitenlinie der SG Barockstadt. Nach den ersten beiden Partien, dem 1:1 in Homburg und der 0:2-Pleite gegen Aalen, sprach der neue Trainer mit OSTHESSEN|NEWS über seinen schnellen Wechsel nach Fulda, die Defizite der Mannschaft und seinen Glauben an den Klassenerhalt.

Jagatic während seinem Debüt. Archivfoto: O|N/ Charlie Rolff
Der Kontakt zur SGB bestand bereits seit rund sechs Jahren und sei nie abgerissen, erzählt Jagatic. Noch unter Vertrag bei Chemie Leipzig hat er sich auch in der vergangenen Saison das ein oder andere Spiel in Fulda angeschaut. Als sein Vorgänger freigestellt wurde, ging es schnell: "Wir haben telefoniert, man wusste, was man voneinander hat. Ein Abtasten war nicht nötig." Dass die SGB auf dem vorletzten Platz der Regionalliga Südwest steht, schreckte ihn nicht ab. "Unabhängig vom Tabellenplatz habe ich gesagt: Dann ziehen wir den Karren eben gemeinsam aus dem Dreck", erzählt der Coach gegenüber O|N.

Im Sportgespräch mit O|N-Sportjournalist Nicolas Kraus.
Gegen Aalen fehlte Mut
Seine Analyse fiel eindeutig aus: viel Qualität, aber ein Team, das sich durch Kleinigkeiten selbst schlägt. "Vieles ist Kopfsache." Gegen Aalen fehlte der Mut. Jagatic erklärte: "Wir hatten uns viel vorgenommen, die Jungs haben super trainiert, aber wir waren nicht mutig genug." Die eigenen Fehler hätten den Gegner stark gemacht und prompt zu Gegentoren geführt. Ebenfalls ein Problem sei die Chancenverwertung. "Wir müssen den Ball aufs Tor bringen. Im Sechzehner brauchst du Ruhe und Befreiung im Kopf." Im Training simuliert Jagatic deshalb Drucksituationen, damit die Mannschaft lernt, sich schnell zu lösen und im Abschluss kühl zu bleiben.
Das Selbstbewusstsein, mit dem er bei der Vorstellung den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben hatte, erklärt er so: "Sonst hätte ich diese Aufgabe nicht angenommen." Es gehe nicht um ihn, sondern um Verein, Mannschaft und Umfeld, die es verdient hätten, in der Regionalliga zu bleiben. Eine Sommervorbereitung hatte Jagatic nicht, vor Homburg standen ihm drei Einheiten zur Verfügung.
Er wünscht sich Charaktere, die sich zu hundert Prozent mit dem Klub identifizieren, und keine, die beim ersten Rückschlag den Berater anrufen. "Man baut das Haus vom Fundament nach oben und fängt nicht mit dem Dach an." Erfahrung bringt er aus dem Aufstieg mit Chemie Leipzig und seiner Zeit als Co-Trainer der Nationalmannschaft Myanmars mit. "In den letzten zehn, elf Jahren habe ich fast immer in vergleichbaren Situationen gearbeitet, deshalb bin ich zuversichtlich", sagt der Coach auf die Frage was er bei seinen vergangenen Stationen mitnahm.

Im Gepsräch machte der neue Trainer deutlich, dass er zuversichtlich ist. ...
Am Wochenende wartet der Tabellenführer
Am Wochenende wartet mit Freiberg der Tabellenführer. Anders vorbereiten wolle er seine Mannschaft darauf nicht. "Was haben wir zu verlieren? Nichts." Er setzte auf positiven Druck, bei dem man wisse, worum es gehe, aber nicht überdrehe.
Umstellungen kündigt der Coach an, und von den Erfahrenen verlangt er dabei mehr als von den Jungen: "Ich lege den Finger in die Wunde bei den Älteren." Was ihn trotz der Tabellenlage optimistisch stimmt, beantwortet Jagatic mit einem Wort: "Mentalität." Dazu komme der Zusammenhalt, und das Ziel sei klar: "Wir müssen wieder dahin kommen, dass jeder sagt: Es ist eklig, gegen uns zu spielen." (Nicolas Kraus)+++