19.10.26 - In diesem Jahr feierten die Gundhelmer ihre Kirmes wieder ganz intensiv. Vier Tage lang. Mit einem Fußballspiel, weil der Fußballsportverein das Dorffest zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr ausrichtete, ging es los. Musik gab es im Dorfgemeinschaftshaus und Kirmestreiben im FSV-Sportlerheim. Der Höhepunkt war natürlich das Aufsagen des Kirmesspruches am Sonntag.
Den Kirmesauftakt hatten sich die Fußballbegeisterten anders gewünscht, denn die Begegnung der Spielvereinigung FSV Gundhelm/SG "Degenfeld" Vollmerz gegen den FV "Viktoria" Altengronau ging in Gundhelm (Stadtteil von Schlüchtern, Main-Kinzig-Kreis) mit 1:3 verloren. Die Stimmung ließ man sich aber nicht vermiesen, grub traditionell die Kirmes aus und feierte im Sportlerheim. Am Samstag stellte die Bloogesellschaft einen stattlichen Kirmesbaum vor dem Dorfgemeinschaftshaus auf. Eine Kirmesparty mit DJ Joh schloss sich an.
Den Kirmesgottesdienst in der evangelischen Kirche feierten der Bloo und viele Gläubige mit Prädikant Thomas Wagner. Ein Wahnsinnsgottesdienst, leicht und locker, anlassentsprechend hatte Wagner einen Bembel mit Apfelwein mit auf die Kanzel genommen. Nach dem Gottesdienst war die große Steintreppe am nahegelegenen Pfarrhaus Ziel der großen Bloogesellschaft. Die Treppe nutzt man schon seit Jahrzehnten für das obligatorische "Familienfoto". Hier wartete auch die Kapelle "Original Rhönadler", um den Bloo bei seinem Marsch durch den Schlüchterner Stadtteil musikalisch zu begleiten. Am Berg holte man den bunt geschmückten Kirmesstrauß ab und brachte ihn zum Dorfgemeinschaftshaus, wo zahlreiche Bürger schon warteten, um die Kirmesrede zu hören. Daniel Möller und Julio Horvath trugen auf einem Gerüst den Kirmesspruch mit den Geschehnissen des vergangenen Jahres vor. Wie immer erfolgte jedoch erst die höfliche Begrüßung: "Hochverehrtes Publikum, liebe Gäste, Dorfschönheiten, Bombelecher, Wirtshausläffer, Zugezogene, Ehemalige, Zukünftige, Querchese und Sonstige. Oll hässe mir euch zur Gondhalmer Kirmes willkomme."
Von der örtlichen Prominenz galt dem ehemaligen Ortsvorsteher Karl-Ernst Kohlhepp (OB-Ade KEK) ein Gruß, der sehr engagiert "in seiner Amtszeit einiges bewecht un es Durflebe ordentlich geflecht" habe.
Die Betty wird’s schon richten
"En Urchinale hot sich für das Amt net gefonne, desweche musst erscht en Auswärtiche komme," leitete man auf den neuen Ortsvorsteher Patrick Jäckel über. "Vor zäh Joar host du de Entschluss gefasst un host dich auf noch Gondhalm gemocht. Die Fraa hot dich sicherlich so verboche, dass du bist dehie her gezoche. Ihr hot euch ah dann gleich getraut un hot en murds Staatspalast gebaut. Mir hoffe, du konnst in Gondhalm was beweche, un loss dich net so leicht von de Stadt Schlüchtern erreche." Prädikant Wagner wurde – obwohl er nicht da war – gegrüßt. "Es senn etz schoh e boahr Johr, bu si noch Gondhalm dunn komme, desweche scheint Kirmessonntach immer die Sonne." (In diesem Jahr leider nicht). Die Schirmherrin der Kirmes "Betty" (Bettina Siemon) wurde als eine "ob Küchendienst, Bedienung oder Stimmung machen, du lässt es überall krachen" überaus im Dorf Aktive beschrieben.
In der Gondhelmer Akte stand viel
In der "Gondhelmer Akte" ging der Bloo zunächst auf die Silberne Konfirmation ein. In der Kirche "wird jeder fürgelese, der vor 25 Joar dabei is gewese. Es wurd auf emoh e Frah genannt, die woar im ganze Durf net bekannt". Der Bloo fragte, ob sich vielleicht ein Mann, der so ähnlich heißt, zum Gender transformiert habe, da er bei WhatsApp mit künstlicher Intelligenz ein Bild von sich mit langen Haaren eingespielt habe. Es habe sich herausgestellt, dass "es nur en Lesefehler woar gewese un de Nome wurd nommo richtich fürgelese." "Manchmo is es gut, ban en urdentliche Kautz nebe am baue tut", sagte der Bloovadder, denn ein Gundhelmer hatte einige Bäume auf seinem Gundstück gefällt und es galt, die Stämme fortzuziehen. Angebunden an sein Auto, doch in der nassen Wiese ging es abwärts Richtung Bach. In der misslichen Lage erinnerte sich der Urgundhelmer, dass sein neuer Nachbar einen Radlader besitzt. "E hot sich net lang geziert un hot es Auto aus dare missliche Lage manövriert. Desweche tut e schö Nachbarschaft pfleche un tut euch net gleich mit danne ohleche." Glimpflich verlief eine Kollision eines Bulldogs mit zwei aufgespießten großen Rundballen und einem Rentner-Autofahrer.
Guter Vorsatz nicht zu viel zu trinken
"Manchmal setzt man sich murchens zum Ziel, heut sauf ich emoh net so viel." Dass dieser Vorsatz nicht immer klappt, zeigte eine Alkohol-Geburtstags-Geschichte. Vorgeglüht "auf einer Baustelle" war da ein erster Geburtstag und weil "der Kanal noch nicht voll" besuchte ein Mann noch eine Geburtstagsfeier von drei 30-jährigen im Dorfgemeinschaftshaus. Beim Gratulieren auf der Treppe ist eine "30erin nohgefalle, Rücken un e dickes Knie, do woar de schö Geburtstag gehalle." Der Kautz habe weitergetrunken und sei ohne Schlüssel heimmarschiert und habe die restliche Nacht auf einer Mauer campiert. Nach Sonnenaufgang sei er auf eine Silberhochzeit gegangen. "Der Jong hot halt en Elan, man mähnt, er hät Rinderwahn." Zum Weihnachtsbaumkaufen fuhr ein Mann mit seiner Frau zum "Speckets" hinauf. Als sie ihren Baum nach Hause bringen wollten, sprang das Auto nicht an. Der Bruder schleppte es ab, schaute zuhause nach, baute Teile auseinander. Die Ursache "habe sich aber von selbst erklärt, da ohne Sprit kein Auto fährt." Der Gundhelmer Bloo ist auch im Kirmesspruch vertreten. Der ist nämlich zum Bierfest nach Lohr gefahren – mit dabei trinkfeste Reservisten. Die Maßkrüge wurden eifrig geleert und um ein Uhr ging es angeheitert mit dem Bus Richtung Heimat. Ein klingelndes Handy schockte die Reisegesellschaft, denn ein Reservist irrte noch verwirrt durch Lohr und suchte den Bus. Also zurück und "den Dolle" einfangen. Warum er vor der Abfahrt nicht im Zelt war, erzählte er: Er machte Späßchen mit der Security und brachte sie zur Weißglut, dass sie ihn aus dem Zelt geworfen hatten.
Golden Girls überraschten mit oben, unten, vorne, hinten, rechts und links guter Laune
Am Ende des Kirmesspruchs überraschten die "Golden Girls Gundhelm" mit einer "Gute-Laune-Showtanzeinlage" und heizten so die Stimmung nochmal mehr ein. Die Landfrauen warteten im Dorfgemeinschaftshaus mit einer großen Kuchenvielfalt auf und die "Original Rhönadler" unterhielten mit stimmungsvoller Musik. Am Montag geht der Festbetrieb um 17 Uhr im FSV-Sportlerheim weiter.
Übrigens: 277 Jahre gibt es Kirchweih in Gundhelm. 1749 ist die Kirche nach Erweiterungsarbeiten geweiht worden. Traditionell feiern am dritten Wochenende im Oktober die Blooburschen und Mädchen nach altem Brauch. Die "250 Jahre Jubiläumskirmes" in 1999 war etwas ganz Besonderes. (Walter Dörr) +++