Frau Prof. Dr. Monika Reuß-Borst, Ärztliche Direktorin der HESCURO KLINIK Bad Bocklet und Bad Kissingen und wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung - Foto: Claudia Volland

BAD BOCKLET Von Biologika bis OP-Roboter

Herbst-Symposium der HESCURO KLINIK: "Medizin im Wandel"

19.10.26 - Wie verändern neue Therapien, wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Technologien die Medizin? Darum ging es beim 10. Herbst-Symposium der HESCURO KLINIK Bad Bocklet am 14. Oktober 2026 im Kursaal Bad Bocklet. Knapp 80 Ärztinnen und Ärzte folgten der Einladung von Prof. Dr. Monika Reuß-Borst, Ärztliche Direktorin der HESCURO KLINIK Bad Bocklet und Bad Kissingen und wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung. Namhafte Referentinnen und Referenten beleuchten dabei zentrale Umbrüche der modernen Medizin: von der Revolution der Rheuma-Therapie durch Biologika und CAR-T-Zellen über die molekulare Wirkung von Bewegungstherapie bis hin zu robotisch assistierter Knie- und Hüftendoprothetik.

Alexander Zugsbradl, Vorstandsvorsitzender der HESCURO AG, begrüßte die Gäste zum Auftakt. Für die Gastgeberin war der Tag zugleich ein Jubiläum. Prof. Dr. Monika Reuß-Borst betonte: "Es freut mich sehr, dass sich das Herbst-Symposium in diesem Jahr zum zehnten Mal jährt. Die Medizin entwickelt sich in einem Tempo, das sich im Praxisalltag kaum allein verfolgen lässt. Deshalb ist es wertvoll, dass wir Kolleginnen und Kollegen hier die Gelegenheit geben, neue Erkenntnisse einzuordnen und direkt miteinander ins Gespräch zu kommen. Am Ende profitieren davon unsere Patientinnen und Patienten."

Rheumatherapie im Wandel: Von Kortison zu Biologika

Prof. Dr. Monika Reuß-Borst, zeigte in ihrem Vortrag, wie sich die Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Zu den ersten großen Fortschritten zählte die Einführung von Kortison, später folgte Methotrexat (MTX), das bis heute zu den wichtigsten Rheumamedikamenten gehört. Einen weiteren Meilenstein markierte die Entwicklung von Biologika: Diese Medikamente greifen gezielt in Entzündungsprozesse ein, indem sie beispielsweise entzündungsfördernde Botenstoffe wie TNF-alpha blockieren. Dadurch konnte die Krankheitsaktivität bei vielen Betroffenen deutlich gesenkt werden. Die Behandlung orientiert sich heute zunehmend am Prinzip "Treat-to-Target": Das Therapieziel wird festgelegt, die Krankheitsaktivität regelmäßig überprüft und die Behandlung bei Bedarf angepasst. Auch wenn moderne Medikamente neue Möglichkeiten eröffnen, bleiben die individuelle Auswahl der Therapie und die Kontrolle möglicher Nebenwirkungen entscheidend.

CAR-T-Zellen: Neue Perspektiven in der Rheumatologie

Dr. Jan-Gerd Rademacher, Oberarzt an der Abteilung für Nephrologie und Rheumatologie der Universitätsmedizin Göttingen, widmete sich in seinem Vortrag "CAR-T-Zellen in der Rheumatologie – Ende der Dauertherapie?" einem innovativen Therapieansatz bei Autoimmunerkrankungen. Die CAR-T-Zelltherapie ist bislang vor allem aus der Behandlung bestimmter Krebserkrankungen bekannt. Dabei werden körpereigene T-Zellen außerhalb des Körpers gentechnisch verändert und mit einem speziellen Rezeptor ausgestattet. Nach der Rückgabe über eine Infusion können sie gezielt bestimmte Zellen des Immunsystems erkennen und bekämpfen. Dieser Ansatz wird zunehmend auch für Autoimmunerkrankungen untersucht. Ziel ist es, fehlgeleitete Immunreaktionen langfristig zu kontrollieren und möglicherweise eine dauerhafte medikamentöse Behandlung überflüssig zu machen. Ob und für welche Patientinnen und Patienten dies künftig möglich sein wird, ist Gegenstand aktueller Forschung.

Bewegung wirkt bis in die Zellen

Dr. Maximilian Koeppel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg beleuchtete in seinem Vortrag "Exerkine statt Rezeptblock: Die molekulare Evidenz der Bewegungstherapie", wie körperliche Aktivität auf molekularer Ebene wirkt. Im Mittelpunkt standen sogenannte Myokine: Botenstoffe, die bei Muskelkontraktionen freigesetzt werden und mit anderen Organen und Geweben kommunizieren. Sie können unter anderem Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse beeinflussen. Die Forschung zeigt damit, dass die Muskulatur weit mehr ist als ein Bewegungsorgan und körperliche Aktivität komplexe Prozesse im gesamten Körper anstoßen kann.

Diabetes, Drugs & Rock’n’Roll: Suchtmittel und ihre Folgen

Witold Rak, Facharzt für Allgemeinmedizin und Hausarzt in Gießen, beleuchtete in seinem Vortrag die vielfältigen Formen des Drogen- und Substanzmissbrauchs und deren Auswirkungen auf Menschen mit Diabetes. Dabei machte er deutlich, dass nicht nur illegale Drogen, sondern auch Alkohol, Nikotin, Medikamente und chemische Produkte bei missbräuchlicher Verwendung erhebliche gesundheitliche Risiken bergen. Gerade bei Diabetes kann der Konsum bestimmter Substanzen die Blutzuckerregulation beeinträchtigen: Während Alkohol Unterzuckerungen begünstigen kann, können Stimulanzien wie Kokain oder Amphetamine den Blutzucker erhöhen. Auch andere Drogen sowie ein unregelmäßiger Umgang mit Mahlzeiten und Medikamenten können die Diabetestherapie erschweren. Rak betonte daher, wie wichtig es ist, problematischen Substanzkonsum im ärztlichen Gespräch offen anzusprechen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Betroffene gezielt aufzuklären.

Robotergestützte Endoprothetik: Präzision für individuelle Gelenkoperationen

Prof. Dr. Christian Hendrich, Ärztlicher Direktor des Orthopädischen Krankenhauses Schloss Werneck, berichtete in seinem Vortrag über die Möglichkeiten der robotisch assistierten Knieendoprothetik. Mithilfe einer Infrarotkamera erfasst das System die Stellung von Ober- und Unterschenkel in Echtzeit. Dadurch lässt sich die Ausrichtung der Prothese individuell an die Anatomie des jeweiligen Patienten anpassen. Das Schloss Werneck setzte 2013 erstmals einen Roboter für Schlittenprothesen ein und gehörte 2017 zu den ersten Einrichtungen außerhalb der USA, die das System auch beim vollständigen Kniegelenkersatz verwendeten.

Neben der präzisen OP-Planung tragen moderne Narkoseverfahren und eine optimierte Schmerztherapie dazu bei, dass die Patientinnen und Patienten frühzeitig mobilisiert werden können. Auch für Menschen über 80 Jahre könne eine operative Versorgung infrage kommen – entscheidend sei die individuelle Beurteilung der Patientinnen und Patienten, nicht allein ihr Lebensalter. (js/pm)+++


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