20.10.26 - Seit 150 Jahren engagieren sich Menschen im Rhönklub-Zweigverein Fladungen für ihre Heimat, erschließen die Rhön für Wanderinnen und Wanderer, pflegen das kulturelle Erbe der Region und setzen sich für den Schutz ihrer einzigartigen Natur ein. Am 6. August 1876 gegründet, gehört der Fladunger Zweigverein zu den ältesten Mitgliedern der Rhönklubfamilie. Anlässlich seines Jubiläums präsentiert der Rhönklub-Zweigverein Fladungen im Rhönmuseum aktuell die Ausstellung "150 Jahre Rhönklub-Zweigverein Fladungen".
Mit historischen Dokumenten, persönlichen Erinnerungsstücken und anschaulichen Inszenierungen eröffnet die Präsentation zugleich einen facettenreichen Blick auf die Geschichte Fladungens und das Leben seiner Bewohnerinnen und Bewohner.
Von der Erschließung der Rhön zur Verantwortung für die Heimat
Als sich am 6. August 1876 in Fladungen der Rhönklub-Zweigverein gründete, stand ein klares Ziel im Mittelpunkt: Das damals noch wenig bekannte Mittelgebirge sollte für den Fremdenverkehr erschlossen und als attraktive Wander- und Urlaubsregion bekannt gemacht werden. Der erste Vorsitzende, der Fladunger Apotheker Eusebius Hofmann, führte den Verein bis 1883. Gemeinsam mit den anderen frühen Mitgliedern setzte er auf den Ausbau und die Markierung von Wanderwegen, die Anlage von Aussichtspunkten und Ruheplätzen sowie den Bau von Schutzhütten. Werbung für die landschaftlichen Schönheiten der Rhön gehörte von Beginn an zum Vereinsziel.
Aus diesen frühen Bemühungen entwickelte sich ein Engagement, das weit über das Wandern hinausreicht. Naturschutz, Heimatpflege und regionale Kulturarbeit gewannen im Laufe der Jahrzehnte zunehmend an Bedeutung. Die 1988 verliehene Eichendorff-Plakette würdigte die Verdienste des Fladunger Zweigvereins ausdrücklich in den Bereichen Wandern, Heimatgedanke und Umwelt.
Auch die Entwicklung der Mitgliedschaft erzählt von gesellschaftlichem Wandel. Während die Mitgliederlisten aus der Zeit um 1900 noch vorwiegend Männer aus den gehobenen gesellschaftlichen Schichten erkennen lassen, öffnete sich der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend für alle Bevölkerungsgruppen. Frauen, Männer und Familien fanden über neue Angebote Zugang zum Vereinsleben. Besonders die in den 1980er-Jahren gegründete Volkstanz- und Kindertanzgruppe setzte kulturelle Akzente und machte den Verein zu einem wichtigen Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Generationen.
Auf die kriegsbedingte Auflösung im Frühjahr 1945 folgte am 2. August 1949 die Wiedergründung. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Zweigverein zu einer festen Größe im regionalen Vereinsleben. 1995 zählte er mit 859 Mitgliedern zu den mitgliederstärksten Zweigvereinen des Rhönklubs. Heute engagieren sich rund 350 Mitglieder in Fladungen. Sie betreuen jährlich ein Wanderwegenetz von etwa 160 Kilometern und tragen damit wesentlich dazu bei, die Landschaft für Einheimische und Gäste zugänglich zu machen.
Fünf Themenbereiche erzählen 150 Jahre Vereins- und Ortsgeschichte
Die Ausstellung im Rhönforum des Rhönmuseums führt die Besucherinnen und Besucher anhand zahlreicher Originalobjekte, historischer Dokumente und persönlicher Erinnerungsstücke durch die wechselvolle Geschichte des Vereins. Die Exponate stammen aus dem Vereinsbestand sowie von Mitgliedern, die ihre privaten Erinnerungsstücke für die Präsentation zur Verfügung gestellt haben. In fünf Themenbereichen werden die Entwicklung des Vereins, der Wandel des Freizeitverhaltens und die vielfältigen Formen des bürgerschaftlichen Engagements sichtbar.
Im Mittelpunkt stehen zunächst die Menschen, die den Rhönklub geprägt haben: von Gründungsvorsitzendem Eusebius Hofmann über weitere prägende Persönlichkeiten bis zur heutigen Vereinsvorsitzenden. Historische Mitgliederlisten, Vereinszeichen und Erinnerungsstücke vermitteln einen Eindruck davon, wie sich der Verein im Laufe der Zeit organisiert und nach außen präsentiert hat.
Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich dem Wandern und der touristischen Entwicklung der Region. Was einst mit dem Wunsch begann, die Rhön als Reiseziel bekannt zu machen, ist heute ein wichtiger Bestandteil des regionalen Tourismus. Historische Werbematerialien und die Inszenierung unterschiedlicher Wanderkleidung zeigen, wie sich die Vorstellungen vom Wandern und die Wanderausrüstung verändert haben.
Auch der Naturschutz erhält einen eigenen Platz. Insbesondere seit den 1980er Jahren engagierte sich der Fladunger Rhönklub verstärkt für den Naturschutz und erwarb sich damit Anerkennung über die Region hinaus. Heute gehören Aktionen wie "Saubere Natur" ebenso zum Vereinsprogramm wie Gesundheitswanderungen, Themenführungen und Angebote für unterschiedliche Altersgruppen.
Den Abschluss bildet die Rhöner Kultur, die mit Volkstanz, Fasenacht, Kegeln oder Singen vielseitig ist. Zwei Jahrzehnte war die Volkstanzgruppe Aushängeschild des Fladunger Zweigvereins. Eine interaktive Station lädt die Besucherinnen und Besucher schließlich dazu ein, eigene Gedanken zur Zukunft des Vereins und der Rhön einzubringen.
Rhönklub und Rhönmuseum
Rhönklub und Rhönmuseum verbindet eine lange Tradition in Fladungen und das gemeinsame Anliegen, die Natur und Kultur der Rhön zu bewahren. Beide Einrichtungen stehen für bürgerschaftliches Engagement und verbinden die Pflege ihrer Traditionen mit neuen Impulsen.
Das Rhönforum im neuen Rhönmuseum versteht sich als Plattform für die Region und bietet Vereinen, Schulen, Kindertagesstätten sowie allen Rhönerinnen und Rhönern Raum für Begegnung, Austausch und eigene Beiträge. Die Ausstellung "150 Jahre Rhönklub-Zweigverein Fladungen" ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie das Rhönforum regionale Geschichte sichtbar macht und das Engagement der Menschen vor Ort würdigt. (pg/pm) +++