Am Donnerstagabend fand die wieder Fuldaer "Menschenbibliothek" statt. - Fotos: Philipp Gerhard

FULDA Das beste Buch ist der Mensch

Persönliche Geschichten hautnah: Menschenbibliothek wieder in der Domstadt

23.10.26 - Bücher werden von Menschen geschrieben, die eine Geschichte zu erzählen haben - also warum nicht einfach gleich den Menschen mit all seinen Erlebnissen ausleihen und ihm direkt zuhören, Fragen stellen und ins Gespräch kommen? Das überzeugende Konzept "Menschenbibliothek" ist bereits zum dritten Mal in Fulda zu erleben. Federführend waren diesmal Maria Stephan und Dr. Tatevik Mamajanyan vom Fuldaer Aleviten-Kultur-Verein.

Bei den Veranstaltungen der Menschenbibliothek erzählen jeweils sechs Menschen aus ihrem Leben. Dabei können Interessierte die sogenannten "Menschenbücher" mit ihrer persönlichen Geschichte ausleihen, nachdem sie sich vorgestellt haben, und an ihren Tisch holen. Dort stellen die Teilnehmer Fragen, kommen ins Gespräch und erfahren etwas Neues aus einem Blickwinkel, der einem selbst oft vorenthalten bleibt.

Georg Alt und Ulas Topal (v.l.n.r.)

Menschen mit Geschichten, die bewegen

Dabei waren die Themen vielseitig: Während der eine darüber berichtet, wie er vom Dorf als Journalist hinaus in die große weite Welt kommt, erzählt wieder ein anderes Menschenbuch davon, wie es war, in Ost-Berlin aufzuwachsen. Oder wie war es als Einwanderer in den 90er-Jahren nach Deutschland gekommen zu sein und sich zu integrieren? Mit dabei war auch ein Barbier, der aus seinem Berufsalltag erzählte, bei dem er mit so vielen Menschen spricht und auch ihre Geschichten hört - in der Menschenbibliothek kam er selbst zu Wort.

Dass das Konzept aufgeht, zeigte sich daran, wie gut besucht die Veranstaltung war. Mit etwa 40 Personen waren die Tische stets gut besetzt und trotz anfänglicher Unsicherheiten kamen die Gespräche quasi von allein zustande. Auch wenn Beispielfragen ausgelegt waren, entstanden an jeder Ecke neue Themen und Fragen. In kurzen Runden von 25 Minuten mit je 15 Minuten Pause dazwischen gab es viele tolle Gespräche.

Maria Stephan organisierte die diesjährige Ausgabe

"Das wichtigste Buch zum Lesen ist der Mensch selbst"

Die Idee "Living Library" geht auf eine Initiative von Jutta Hamberger zurück, die schon 2022 einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Die erste Umsetzung fand vor einem Jahr in der HLSB statt. Maria Stephan zitiert Hacı Bektaş Veli - einem Missionar der Aleviten: "Das wichtigste Buch zum Lesen ist der Mensch selbst" - so kam der Entschluss, das gute Konzept einer Menschenbibliothek wieder nach Fulda zu bringen. Die Auftaktveranstaltung fand im Kanzlerpalais Unterm Heilig Kreuz statt. Dort lagen zudem auch Formulare aus, in denen man sich selbst als Menschenbuch bewerben konnte, um bei einer künftigen Veranstaltung mit dabei zu sein.

Im Mittelpunkt stand der Gedanke des Austauschs: "Konflikte entstehen eben deswegen, weil Dinge nicht ausgesprochen werden,- und genau deshalb wollen wir unsere Bürgerinnen und Bürger aus Fulda zu unterschiedlichen Veranstaltungen einladen, um zu sehen: Wo liegen ihre Gemeinsamkeiten?", sagte Dr. Tatevik Mamajanyan eingangs. Maria Stephan war für die Projektorganisation zuständig und hat schließlich auch die Umsetzung übernommen.

Die nächsten Veranstaltungen der Menschenbibliothek finden am 7. und 21. November im Antonius-Ladencafé jeweils von 15-17 Uhr statt. Die Abschlussveranstaltung für das Jahr 2026 trägt den Titel "Aus Geschichten wird Begegnung" und startet um 18:30 Uhr im L14Zwo in der Fuldaer Löherstraße. (Philipp Gerhard) +++

Dr. Tatevik Mamajanyan


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