Adem Akyol von der SG Schmalnau/Hettenhausen/Gersfeld. - Fotos: Yowegraphy

GERSFELD (RHÖN) Erst Gegner, dann Verbündete

Fußballer retten Zuschauer das Leben: Herzinfarkt überschattet Kreisligaspiel

22.10.26 - Was als gewöhnliches Fußballspiel begann, endete beinahe in einer Tragödie: Für Adem Akyol von der SG Schmalnau/Hettenhausen/Gersfeld und Benjamin Szombierski von der FSG Vogelsberg wurde der Sonntag zu einem Erlebnis, das sie wohl nie vergessen werden. Kurz nach dem Schlusspfiff erlitt ein 82-jähriger Zuschauer einen Herzinfarkt. Dank des schnellen und entschlossenen Eingreifens der beiden Spieler konnte sein Leben gerettet werden.

Als die Gastgeber in letzter Sekunde durch einen verwandelten Foulelfmeter von Blagoja Naumoski noch zum 2:2 ausglichen, lagen die Emotionen auf dem Sportplatz bereits blank. Doch nur Augenblicke nach dem Abpfiff spielte das Ergebnis keine Rolle mehr. Akyol und Szombierski bemerkten am Spielfeldrand einen älteren Mann, der regungslos auf dem Rücken lag. Zunächst ging Akyol davon aus, dass jemand gestürzt sei. Als er näher kam, erkannte er jedoch sofort den Ernst der Situation.

Lebensretter handeln ohne zu zögern

Neben dem Mann befanden sich bereits zwei weitere Personen sowie eine Frau. Sie überprüfte den Puls des 82-Jährigen und stellte fest, dass kein Herzschlag mehr vorhanden war. Für die beiden Fußballer blieb keine Zeit zum Nachdenken. "Da funktioniert man wie ein Roboter", schildert Akyol rückblickend. Für Szombierski, der den langjährigen FSG-Anhänger persönlich kennt, war die Situation besonders belastend. "Im ersten Moment denkst du dir: Ach du Scheiße, was passiert hier jetzt?""

Sofort machte Akyol den Brustkorb des Mannes frei und begann mit der Herzdruckmassage. Wenige Augenblicke später unterstützte Szombierski bei der Wiederbelebung. Beide profitierten dabei von ihrer beruflichen Erfahrung: Akyol arbeitet bei der Bundespolizei in Frankfurt, Szombierski ist Landespolizist in Osthessen. "Die Emotionen waren sehr hoch. Im Beruf lernst du aber, dass du in solchen Situationen einfach funktionierst", sagt Szombierski. Rund 15 Minuten kämpften die Helfer um das Leben des Zuschauers. Mehrfach kehrte der Mann während der Wiederbelebungsmaßnahmen zurück ins Bewusstsein, verlor dieses jedoch erneut. "Es war ein ständiges Hin und Her", erinnert sich Akyol.

Viele Helfer ziehen an einem Strang

Während sich Akyol und Szombierski um die Wiederbelebung kümmerten, unterstützten immer mehr Menschen die Rettungsmaßnahmen. Spieler beider Mannschaften sowie Vereinsverantwortliche errichteten einen Sichtschutz, damit Kinder und andere Zuschauer das Geschehen nicht unmittelbar mit ansehen mussten. "Jeder hat sofort seine Aufgabe übernommen", berichtet Akyol. Ohne lange Absprachen habe jeder gewusst, was zu tun sei. "Es war ein blindes Vertrauen. Unser Fokus lag darauf, dass wir alles versuchen, um ihn wieder zurückzuholen", ergänzt Szombierski.

Als Rettungswagen und Rettungshubschrauber eintrafen, übernahm Mitspieler Maurizio Bohl die Herzdruckmassage. Erst dann konnten die ersten Helfer etwas durchatmen. Die belastenden Minuten gingen auch an den beiden Fußballern nicht spurlos vorbei. Vor allem die Ungewissheit über den Gesundheitszustand des Mannes beschäftigte sie. "Auch ich habe darüber nachgedacht", gesteht Akyol. Szombierski erinnert sich an eine schlaflose Nacht nach dem Vorfall. "Es hat mich emotional mitgenommen. In der Nacht konnte ich nicht besonders gut schlafen." Seine Mitspieler hätten ihn in dieser Zeit unterstützt. "Das hat mir sehr geholfen."

Große Erleichterung nach positiven Nachrichten

Nach dem Einsatz saßen beide Mannschaften zunächst zusammen, um das Geschehene zu verarbeiten. Besonders belastend sei die Frage gewesen, ob der 82-Jährige überlebt habe. Dann erhielt Akyol schließlich die erlösende Nachricht: Der Mann sei nach seinem Aufenthalt auf der Intensivstation stabil gewesen. Wenig später konnte er sogar persönlich mit ihm telefonieren. "Es war schön, mit ihm zu sprechen. Ich bin wirklich froh, dass es ihm besser geht." Zugleich hoffe er, dass sich der Zuschauer nun die nötige Zeit zur Erholung nehme.

Szombierski verzichtet bewusst auf direkten Kontakt. Über einen engen Freund, der regelmäßig im Krankenhaus vorbeischaut, erhält er jedoch Informationen über den Gesundheitszustand des Mannes. "Nach dem ganzen Schock und Stress soll er sich erst einmal ausruhen. Er bekommt bestimmt viele Nachrichten." Die positiven Entwicklungen hätten ihm selbst viel Halt gegeben. Besonders dankbar zeigt er sich gegenüber seinen Mitspielern und dem Verein. "Wir haben im Training kurz darüber gesprochen. Das hilft enorm."

Erste Hilfe kann Leben retten

Nach Einschätzung von Akyol half ihm vor allem ein kürzlich absolvierter Auffrischungskurs in Erster Hilfe. Dort würden lebensrettende Maßnahmen regelmäßig trainiert. Die Ereignisse von Hettenhausen hätten noch einmal verdeutlicht, wie wichtig solche Schulungen seien. "Wir haben in der Mannschaft auch schon darüber nachgedacht, einen solchen Auffrischungskurs anzubieten", sagt Akyol. Die große öffentliche Aufmerksamkeit bewertet er mit gemischten Gefühlen. Über die vielen positiven Rückmeldungen freue er sich zwar, wichtiger sei ihm jedoch die Botschaft hinter dem Vorfall. "Ich hoffe, dass es jeder machen würde."

Dank an alle Beteiligten

Zum Abschluss möchten beide Lebensretter den Fokus auf die vielen Helfer vor Ort richten. Vom Sichtschutz über die Organisation bis hin zur Betreuung der Zuschauer hätten zahlreiche Menschen dazu beigetragen, dass die Rettungsmaßnahmen unter den schwierigen Umständen erfolgreich durchgeführt werden konnten. Akyol richtet abschließend persönliche Worte an den geretteten Zuschauer: "Danke an alle Beteiligten. Und ihm wünsche ich für die Zukunft alles Gute. Ich hoffe, dass man ihn irgendwann wieder am Sportplatz sieht." Auch Szombierski schließt sich den guten Wünschen an: "Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute." (Justin Klenner) +++


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