22.10.26 - Der Vogelsbergkreis hat sie bereits bekommen, Herbstein ebenfalls und in Neuhof war die Delegation erst im September. Am Donnerstag bekam nun auch die Burgenstadt ihre Gelbe Schleife. Am Vormittag überreichten Oberst der Reserve Christoph Seifert, Hauptmann a. D. Martin Würz und Hauptmann der Reserve Dr. Marcello Camerin das Solidaritätszeichen für Soldatinnen und Soldaten im Rathaus. Sie kamen für die Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf und ihren Förderverein. Die Schilder sollen künftig an den Ortseingängen und am Rathaus angebracht werden. Fast der komplette Magistrat war zur Übergabe gekommen.
Die angebliche Geschichte hinter dem Symbol erzählt Christoph Seifert im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS so: Ein Soldat schrieb seiner Frau einen Brief, als er wusste, dass er nach Jahren aus dem Krieg zurückkehren würde. Darin stelle er die Frage, ob sie ihn denn überhaupt noch zurück wolle. Wenn ja, sollte sie eine gelbe Schleife an einen Baum hängen. Sähe er dort keine, wäre er weitergegangen.

v.l.n.R.: Oberst d.R. Christoph Seifert, Hauptmann a.D. Martin Würz, Hauptmann ...
Als er jedoch ankam, hing der ganze Baum voller gelber Schleifen. Eine anrührende Erzählung, die durch den den Welthit "Tie a Yellow Ribbon Round the Ole Oak Tree" bekannt wurde. Im Song kehrt ein Mann aus dem Gefängnis nach Hause zurück. Während der Geiselnahme in Teheran ab 1979 standen gelbe Schleifen in den USA für die Hoffnung auf die Rückkehr der amerikanischen Geiseln. Im Golfkrieg 1991 wurden sie zum weithin sichtbaren Zeichen der Solidarität mit den eingesetzten Soldaten. In Deutschland erhielt das Symbol zusätzliche Aufmerksamkeit nach dem Karfreitagsgefecht am 2. April 2010 bei Kundus, bei dem drei deutsche Soldaten fielen.
Eine Anerkennung derer, die anerkannt werden
Hinter den Übergaben in der Region steht der Förderverein Stab Division Schnelle Kräfte e. V. aus Stadtallendorf. Der Verein wurde 2012 gegründet. Zu seinen Gründungsmitgliedern gehört der Wirtschaftswissenschaftler und Hauptmann der Reserve Marcello Camerin. Gemeinsam mit Vertretern der Division übergibt er die Gelbe Schleife an Kommunen, Landkreise, Unternehmen und Vereine, die sich öffentlich zu den Menschen in Uniform bekennen. Schlitz erhielt demnach am Donnerstag die 144. Gelbe Schleife des Fördervereins.

Bürgermeister Siemon ist stolz auf die Auszeichnung

links: Hauptmann a.D. Martin Würz, rechts: Hauptmann d.R. Marcello Camerin ...
Dass die Initiative nicht überall auf Zustimmung stößt, verschweigt der Vorsitzende Würz nicht. Eine mittelhessische Stadt habe sich dagegen entschieden. Das müsse man akzeptieren, sagt er. Die Aktion reicht inzwischen über Deutschland hinaus: Bei einer Verleihung in Italien wurde der harte Soldat Würz emotional: "Mir kamen die Tränen – so viel Wertschätzung der Menschen dort, das geht unter die Haut."
Die sichtbaren Zeichen sind nur ein Teil der Vereinsarbeit. Würz beschreibt drei Schwerpunkte: Nothilfe, Solidarität und das Gedenken an verstorbene Kameraden. Wenn Soldaten oder ihre Familien unverschuldet in Not geraten, soll der Verein eine erste Unterstützung ermöglichen, bis weitere Hilfen greifen. In einzelnen Fällen kann das innerhalb von 24 Stunden gelingen. Diese Hilfe geschehe bewusst diskret, betont Würz.
Beim Totengedenken wird er persönlich. Er erinnert an seinen Kameraden Hauptmann Markus Matthes. Er kam am 25. Mai 2011 bei einem Sprengstoffanschlag nahe Kundus in Afghanistan
ums Leben, ebenso wie die beiden Piloten des Kampfhubschrauberregiments 36 aus Fritzlar, die am 26. Juli 2017 beim Absturz eines Tiger-Hubschraubers in Mali starben. Hinter der Schleife stehen für Würz auch diese Namen und Erinnerungen.

Hauptmann a.D. Martin Würz erklärte in emotionalen Worten die Symbolik der gelben ...

Heiko Siemon freut sich darauf, wenn bald die Gelbe Schleife am Rathaus und den Schlitzer ...
Schlitzer Kümmel als Marschverpflegung
Siemon, selbst Reserveoffizier, kam beim Blick auf die Uniformen über seine eigene Dienstzeit in Schwarzenborn ins Erzählen. Als dann den Offizieren am Ende noch ein typisches Schlitzer Getränk überreicht wurde, erinnerte sich Würz daran, was man als junger Soldat im Vogelsberg so getrunken habe – Schlitzer Kümmel natürlich. (Christoph Blum) +++