28.10.26 - Mit einem nervenaufreibenden 26:26 (12:14)-Unentschieden beim HC Vardar 1961 hat sich die MT Melsungen in ihrer Premierensaison einen Platz in der Hauptrunde der EHF Champions League gesichert.
Das war am Mittwochabend einmal mehr nichts für schwache Nerven: Schon in der Vorwoche hatte die MT Melsungen mit dem Sieg im Schicksalsspiel gegen den HBC Nantes das Tor zur CL-Hauptrunde weit aufgestoßen. Im Fernduell mit den punktgleichen Konkurrenten aus Frankreich und Polen reichte den Nordhessen am Ende ein Punkt in Skopje, da Plock sein Heimspiel gegen Nantes mit 33:27 gewann. In der Tabelle zog die MT damit noch an den Franzosen vorbei und sicherte sich das Ticket für die nächste Runde.
Beim Tabellenvierten der Gruppe B musste MT-Trainer Roberto Garcia Parrondo neben den Langzeitverletzten erneut auf David Mandic und Nikolaj Enderleit verzichten. Auch Kreisläufer Ruben Marchan fehlte verletzungsbedingt. Dafür kehrte Abwehrchef Adrian Sipos nach seiner Pause gegen Balingen ins Team zurück. Mit Leander Altena und Jason Wilfer standen zudem zwei Spieler aus dem Förderkader im Aufgebot.
Dass die Aufgabe alles andere als einfach werden würde, hatte Vardar in der Vorwoche mit seinem Sieg in Nantes bereits angedeutet. Im lautstarken Sport Center Jane Sandanski setzte Parrondo daher zu Beginn auf seine nominell stärkste Sieben: Nebojsa Simic im Tor, Erik Balenciaga, Aaron Mensing und Reynir Thor Stefansson im Rückraum, Leon Stehl und Dariel Garcia auf den Außenpositionen sowie Golla am Kreis.
Und der European-League-Sieger legte bärenstark los. Simic glänzte mit zwei Paraden, Mensing erzielte zwei Tore – und schon stand es 2:0. Wenig später bauten Stefansson und Golla die
Führung beim 8:5 (12.) auf drei Tore aus. Das war feiner Handball, den die Nordhessen in ihren blauen Trikots zu Beginn auf dem Balkan boten.
Doch so sehenswert die erste Viertelstunde war, so haarsträubend verliefen die zweiten 15 Minuten der ersten Halbzeit. Melsungen war im Angriff plötzlich völlig von der Rolle, während Vardar immer besser ins Spiel fand. Trotz weiterhin leidenschaftlicher Abwehrarbeit gelang den Nordhessen vorne knapp acht Minuten lang kein Treffer. Erst Mensings Tor zum 11:10 beendete die Durststrecke.
Auch HC-Keeper Milosz Walach stand Simic nun in nichts nach und parierte mehrfach, unter anderem gegen den völlig freien Sipos. Ein verwandelter Siebenmeter von Vardars Matteo Fadhuile sowie zwei Pfostentreffer von Mensing später stand es plötzlich zur Pause 14:12 für die Gastgeber.
Beim Blick auf das Parallelspiel in Plock, wo die Polen mit drei Toren Differenz führten, wurde klar: Nach dem aktuellen Stand brauchte die MT unbedingt einen Punkt. Ebenso klar war, dass die Gastgeber, die bereits sicher in die European League abgestiegen waren, alles daransetzen würden, der MT kräftig in die Suppe zu spucken.
Nach Wiederbeginn erwischte Melsungen erneut den besseren Start und eroberte in der Deckung wichtige Bälle. Mit Treffern von Sipos und Golla erarbeiteten sich die Nordhessen den Ausgleich zum 15:15. Kurz darauf sorgte Stehl mit dem 16:15 für die erneute Führung. Am Ende des Abends sollte der Youngster, der einst in Skopje sein MT-Profidebüt gegeben hatte, mit insgesamt acht Toren großen Anteil am Punktgewinn haben. Geschichten, die nur der Sport schreibt.
Doch zurück zum Spiel: Vardar hatte nun Blut geleckt und setzte mit seiner aggressiven 5:1-Deckung gegen das Melsunger Sieben-gegen-sechs immer wieder gefährliche Nadelstiche. Dazu kam Walach, der mit einer Siebenmeterparade gegen Florian Drosten seine Quote weiter verbesserte. Nach dem 19:19-Ausgleich der Gastgeber in der 44. Minute war wieder alles offen.
In der Schlussphase zeichnete sich schnell der nächste Melsunger Handball-Krimi ab. Vardar legte vor, doch Balenciaga provozierte mit all seiner Erfahrung die dritte Zeitstrafe von HC-Abwehrkante Wiktor Jankowski. In Überzahl spielte die MT gleich zweimal Stehl frei, der die 24:23-Führung erzielte. Obwohl Vardar nun merklich Nerven zeigte und mehrere Chancen ungenutzt ließ, gelang es Melsungen nicht, die Entscheidung herbeizuführen. Per Siebenmeter gingen die Nordmazedonier in der 60. Minute mit 26:25 in Führung.
Parrondo nahm die Auszeit. Nach mehr als 59 Minuten in Skopje und den fünf Gruppenspielen zuvor spitzte sich alles auf diese letzten 20 Sekunden im Sport Center Jane Sandanski zu. Die MT bekam noch einen letzten Angriff in Überzahl. Der lange Pass von Stefansson fand Drosten auf Linksaußen. Das MT-Eigengewächs ließ sich nicht lange bitten und hämmerte den Ball zum 26:26-Ausgleich in die Maschen.
Die anschließende schnelle Mitte des HC verteidigte Melsungen mit Bravour. Der letzte direkt ausgeführte Freiwurf der Gastgeber landete in der Mauer. Schluss. Aus. Die MT Melsungen steht in der Hauptrunde der EHF Champions League 2026/27.
Statistik
HC Vardar 1961: Walach (14 Paraden / 26 Gegentore), Gogov (n.e.); Stojanovski, Vorkapic 4, Georgievski, Keita, Mitrovic 3, Ljevar 2, Lazarevski 2, Matiaba-Tuzolana, Anastasovski, Francisco da Silva 3, Malus 2, Gjorcheski, Jankowski 3, Fadhuile 7/4 – Trainer: Ivan Cupic.
MT Melsungen: Simic (11 Paraden / 26 Gegentore), Palasics (0 Paraden / 0 Gegentore); Altena, Balenciaga, Sipos 1, Ignatow, Stehl 8, Golla 5, Drosten 3, Stefansson 3, Dujshebaev, Forsell, Schefvert 1, Sigrist, Garcia 1, Mensing 4, Wilfer – Trainer Roberto Garcia Parrondo.
Schiedsrichter: Daniel Martins / Roberto Martins (Portugal). EHF-Delegierter: Mihail Bashev (Bulgarien).
Zeitstrafen: 10 – 4 Minuten (Jankowski 19:38/47:49/50:02, Ljevar 37:58, Stojanovski 59:01 – Simic 43:33, Golla 60:00); Disqualifikation: Jankowski 52:02.
Strafwürfe: 4/4 – 2/1 (Drosten scheitert an Walach 43:27)
Zuschauer: 3.500 im Sport Center Jane Sandanski, Skopje
Spielstände: 0:1 (4.), 3:3 (6.), 5:8 (12.), 7:10 (14.), 10:10 (21.), 12:11 (25.), 14:12 (30.),15:15 (35.), 15:16 (39.), 17:19 (42.), 22:22 (50.), 23:24 (54.), 25:25 (56.), 26:26 Endstand. (pm/jk) +++