30.10.26 - "Es war schon ein sehr bewegender Moment, ich habe nie damit gerechnet und auch erst einmal ein Tränchen verdrückt", erinnert sich Irmtraud Fleischhut, als Bürgermeister Marcus Weber sie fragt, wie es für sie war, vom Erhalt der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu erfahren.

Irmtraud Fleischhut und Kulturstaatssekretär Christoph Degen bei der Verleihung ...Foto: Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur
Im Januar dieses Jahres bekam die Rotenburgerin einen Brief des Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein, in dem er ihr mitteilte, dass sie vom Bundespräsidenten den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen habe. Im April ging es dann für Irmtraud Fleischhut zur Staatskanzlei Hessen, genauer gesagt zum Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur. Dort wurde sie vom Kulturstaatssekretär Christoph Degen für ihr vielfältiges und langjähriges Engagement für gelebte Heimatliebe ausgezeichnet. Viele Rotenburgerinnen und Rotenburger, aber auch Gäste und Freunde der Stadt kennen sie in historischer Tracht, die sie als Stadtführerin und Reiseleiterin trägt. Seit 1985 hat sie tausenden Gästen und Einheimischen das ehemalige Landgrafenstädtchen nähergebracht. Daneben ist sie auch ein bekanntes Gesicht in den Bereichen Musik, Brauchtum und Kirche.
Wie sie auf die Idee gekommen sei, Stadtführerin zu werden wollte Marcus Weber von ihr wissen. Manfred Gesemann, der damalige Leiter des Verkehrs- und Kulturamtes, wie die Tourist-Info früher einmal hieß, habe sie gefragt, ob sie sich das nicht vorstellen könne. "Damals hatte ich ja noch eine volle Stelle als Lehrerin an der Albert-Schweitzer-Schule. Deshalb habe ich mir erst einmal ganz unverbindlich die Unterlagen von der Tourist-Info geben lassen. In den Sommerferien habe ich mir die ganzen Informationen dann durchgelesen und von da an hat mich der Ehrgeiz gepackt", erinnert sie sich. Am Anfang habe sie sich noch krampfhaft an ihrer aufwendig erstellten Informationsmappe festgehalten, diese brauchte sie aber schon schnell nicht mehr. "Es ist sowieso jede Stadtführung individuell. Führungen für Kinder sind ganz anders als für Erwachsene, öffentliche Führungen unterscheiden sich von festen Gruppenführungen." Ihre bisher wohl aufregendste Stadtführung war die bei einem großen Wandertreffen mit 500 Gästen in der Stadt. "Die sind eh nur zum Wandern hier, vielleicht kommt der ein oder andere zur Führung", hieß es damals. Pünktlich zum Start der Tour fand sich Irmtraud Fleischhut mit rund 250 interessierten Wanderern auf dem Marktplatz wieder, die allesamt etwas über die Perle an der Fulda erfahren wollten.
"Ich habe schon immer Herausforderungen gesucht", sagt Irmtraud Fleischhut mit einem Lachen und erzählt Rotenburgs Bürgermeister von einigen weiteren ihrer bisherigen Höhepunkte als ehrenamtliche Vertreterin der Stadt Rotenburg in den verschiedenen Bereichen. So hat sie auch großes Interesse an den Städtepartnerschaften der Stadt und ist bereits in allen Rot(h)enburgs gewesen. Dort war sie unter anderem mit den Ellenbacher Musikanten unterwegs, in Rotenburg Wümme ist sie Kartoffelkönigin beim Kartoffelschälen geworden. 1978 war sie zur originalen Verschwisterungsfeier in Rothenburg in der Schweiz und auch in der Partnerstadt Argentan in Frankreich ist sie bereits musikalisch unterwegs gewesen, allerdings gebe es die damalige Akkordeonschule heute leider nicht mehr. Auch ein paar Höhepunkte im Fernsehbereich hat die Rotenburgerin bereits erlebt. "In den Achtzigern war ich mit einem Schulkinderchor bei den "Lustigen Musikanten" im Hessenfernsehen", erinnert sie sich und auch zu Manfred Gesemanns Zeiten war sie schon immer mal mit "hallo hessen" in der Stadt unterwegs. Zuletzt war sie Ende Mai dieses Jahres bei "Hallo Hessen" – zum ersten Mal im Studio vor Ort. "Das war schon aufregend", erinnert sie sich. "Man steht in der Mitte und rundherum filmen einen drei Kamerateams, überall sind Lichter und ein Mitarbeiter nimmt einen an die Hand und sagt genau, was man wann tun muss – man muss also gar nicht mehr selbst denken". Da fühle sie sich hier im schönen Rotenburg schon wohler, wo sie für ihre Gäste denkt und sogar bis heute immer mal eine neue Geschichte erzählen kann. Ihr neustes Projekt sind digitale Stadtführungen über Beamer und Laptop in den Rotenburger Seniorenheimen. Hier kann sie auch den Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, das schöne Rotenburger Städtchen zeigen.
Nach so viel Geschichte und Geschichten ist sich Bürgermeister Marcus Weber sicher: "Ich muss noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an Sie aussprechen. Sie haben sich um Rotenburg wirklich verdient gemacht. Toll, dass Sie sich all die Jahre mit so viel Herzblut für unsere schöne Stadt eingesetzt haben und das bis heute noch tun." (nia/pm) +++