Stadtpfarrer Stefan Buß. - Archivfoto: O|N

FULDA Der Stadtpfarrer bei O|N

Stefan Buß: Glauben bezeugen – Hoffnung teilen. Eröffnung Diaporaaktion

07.11.26 - Am morgigen Sonntag wird die Diasporaaktion in Fulda eröffnet. Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e. V. ist ein katholisches Hilfswerk, das Christinnen und Christen in Regionen unterstützt, in denen sie als religiöse Minderheit (in der sogenannten Diaspora) leben.

Auf dem Mottoplakat sehen wir ein kleines Licht. Eine Kerze. Ein Kind, das fasziniert auf die Flamme schaut. Die Mutter hält ihren Sohn auf dem Arm und entzündet dieses Licht. Ein stiller, unspektakulärer Moment – und doch steckt darin eine große Botschaft.

"Glauben bezeugen – Hoffnung teilen": Unter diesem Leitwort steht die Diaspora-Aktion 2026 des Bonifatiuswerkes. Und vielleicht erzählt gerade dieses kleine Bild mehr über dieses Leitwort, als es viele große Worte könnten.

Denn Glauben wird weitergegeben. Nicht zuerst durch Lehrsätze und nicht durch große Programme. Sondern durch Menschen. Durch das, was wir tun. Durch das, was wir ausstrahlen. Durch die Art, wie wir miteinander umgehen. Durch ein Gebet, das jemand mit uns spricht. Durch eine Kerze, die jemand für einen anderen anzündet. Durch einen Menschen, der sagt: "Ich glaube, dass du nicht allein bist."

Glauben bezeugen – das klingt zunächst nach einer großen Aufgabe. Aber vielleicht beginnt es ganz klein.

Ein Mensch fragt mich: "Warum gehst du eigentlich noch in die Kirche?" Ein Kind erlebt: Meine Eltern beten. Ein Nachbar merkt: Da ist jemand, der mir zuhört. Ein Trauernder erfährt: Ich muss meinen Weg nicht allein gehen. Ein Jugendlicher entdeckt: Kirche kann ein Ort sein, an dem ich mit meinen Fragen willkommen bin.

Glauben zu bezeugen bedeutet nicht, auf alles eine fertige Antwort zu haben. Es bedeutet auch nicht, anderen den Glauben aufzudrängen. Es bedeutet vielmehr, etwas von dem sichtbar werden zu lassen, was mich selbst trägt.

Vielleicht ist genau das heute die besondere Aufgabe von Christinnen und Christen.

Wir leben in einer Zeit, in der vieles unsicher geworden ist. Kriege, Krisen, gesellschaftliche Spannungen, Zukunftsängste und die Veränderungen in unserer Kirche beschäftigen Menschen. Vieles, was früher selbstverständlich erschien, ist brüchig geworden.

Gerade deshalb braucht es Menschen, die nicht einfach nur über Hoffnung reden, sondern Hoffnung ausstrahlen. Das ist der zweite Teil des Leitwortes: Hoffnung teilen.

Hoffnung ist nichts, was weniger wird, wenn man sie weitergibt. Im Gegenteil: Hoffnung wächst, wenn wir sie miteinander teilen.

Das Bonifatiuswerk weiß um die besondere Situation der Diaspora. Dort, wo Christinnen und Christen in einer Minderheit leben, braucht es Mut, den eigenen Glauben sichtbar zu leben. Aber Diaspora ist längst nicht mehr nur eine Frage geografischer Regionen. Auch mitten in unseren Städten und Dörfern erleben wir Menschen, die mit Kirche und Glauben kaum noch Berührung haben.

Darum ist die Diaspora-Aktion auch eine Einladung an uns hier in Fulda: Seid Zeuginnen und Zeugen eures Glaubens. Teilt eure Hoffnung. (Stefan Buß)+++


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