31.10.26 - Es war ein wunderbarer, ein emotionaler Abend mit großer Tragweite: Am Freitagabend verabschiedeten der Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg sowie die Blechbläser ihren Chorleiter und Dirigenten Ulrich Meiß (64) in den Ruhestand. Nach 30 erfolgreichen Jahren gab Meiß die Stimmgabel an Anne Rill und den Taktstock an Jan Braun weiter.
Zuvor würdigten die Festredner in kurzweiligen und amüsanten Beiträgen die Verdienste eines Mannes, der wie kein Zweiter die musikalische Ausbildung der jungen Menschen über Jahre geprägt hat. Gleichzeitig feierten der Chor und die Blechbläser ihr 30-jähriges Bestehen.
In Erinnerung bleiben etwa die sensationellen Konzerte zum Abschluss der Festspielsaison in Bad Hersfeld oder die stimmungsvollen Advenskonzerte in der Stadtkirche, allesamt komplett ausverkauft. Mehrere tausend Sänger, Musiker und viele tausend Besucher erlebten 30 Jahre voller Begeisterung. Ulli Meiß hat dies alles aufgebaut und weit über das berufliche Maß hinaus gelebt. Das - wie Kasten Backhaus es würdevoll nannte - "System Meiß" hat sich mit seinem Team einfach um alles gekümmert. Selbst spät am Abend oder sogar nachts hat er Mails an die Eltern oder an mögliche Sponsoren verschickt. Seine Konstanz, seine Hartnäckigkeit, sein Einsatz haben es den jungen Menschen ermöglicht, all die Konzerte und Reisen erleben zu dürfen.
Rund 350 Gäste hatten sich im festlich geschmückten Audimax auf dem Obersberg am Stadtrand von Bad Hersfeld eingefunden. Durch das Programm führte der langjährige Verlagsleiter und gute Freunde von Meiß, Markus Pfromm. Er übergab später sogar eine 3.000-Euro-Spende der Ippen-Stiftung. In einer bewegenden Festrede würdigte der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt und Bundestagsvorsitzende Michael Roth die Verdienste von Ulli Meiß. Er stellte die rhetorische Frage, ob Gesang den Weltfrieden retten könne? Und beantwortete selbst: Nein. Aber die Musik, der Gesang, führen Menschen zusammen, sorge für persönlichen Frieden. Ulli Meiß stammt aus Obersuhl (Wildeck, Landkreis Hersfeld-Rotenburg), studierte Trompete und Sologesang. Er unterrichtet an der Modell- und Gesamtschule Obersberg und ist zudem Studiendirektor am Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Fulda.
33 Konzertreisen auf alle Kontinente
Dank Ulli Meiß und seiner Ehefrau Sabine konnten die jungen Schüler regelmäßig auf Reisen gehen, lernten andere Länder, Sprachen und die jungen Leute der jeweiligen Gastgeberländer kennen. Das prägt sie für ihre persönliche Entwicklung. Chor und Blechbläser gingen 63 Mal auf Tour und bereisten 33 Länder auf allen fünf Kontinenten, unter anderem die USA, Australien, Indien oder vor wenigen Wochen Malta. Das alles organisierte, vor allem Meiß und seine Ehefrau Sabine. MSO-Schulleiter Karsten Backhaus nahm die begeisterten Zuhörer sogar mit auf die eine oder andere Reise, schilderte die Erlebnisse und wie das "System Meiß" funktioniert. Etwa wie das Elefanten-Foto in Indien entstand oder das Gruppenfoto in Las Vegas. "Einfach Wahnsinn, was Du alles geleistet hast", wiederholte sich Backhaus zurecht mehrfach.
Natürlich zeigten der Chor und die Blechbläser auch an diesem Abend, welch musikalische Spitzenklasse in ihnen steckt. Es war einmal mehr ein Genuss, die Lieder zu hören. Und trotz aller Emotionalität, trotz der Wucht des Abends machte Meiß den einen oder anderen Spaß. Mit "Tagen wie diesen" von den Toten Hosen ging der offizielle Part nach gut zwei absolut kurzweiligen Stunden langsam ins Finale. Zuvor würdigten beispielsweise Landrat Torsten Warnecke, Bürgermeisterin Anke Hofmann oder für den Sängerkreis Heinrich Großenbach, Elternvertreterin, und sogar der weitgereiste Gast vom Partnerlandkreis aus Finnland das eindrucksvolle Engagement von Meiß. Und aus Indien wurden sogar Grußbotschaften übermittelt. Und natürlich ließen es sich auch der Chor und die Blechbläser nicht nehmen, ihrem Leiter nochmals vom ganzen Herzen und mit passenden Geschenken "Danke" zu sagen. Abermals emotionale Minuten mit einigen Tränen der Rührung.
Und der Geehrte selbst: Er dankte vor allem allen, die ihn unterstützt haben, allen voran seiner Ehefrau Sabine. Die "große" Abschiedsrede will er bei der Weihnachtsfeier mit Chor und Blechbläsern halten. So ist er, kein Mann der großen Worte, sondern ein Macher, ein großartiger Mensch, der junge Leute über Generationen musikalisch ausgebildet und geprägt hat. Ein Mann, der uns Zuhörer wunderbare Konzertabende geschenkt hat. Es bleibt einfach nur noch zu sagen: Danke, danke, danke, Ulli Meiß.
Sehen Sie nachfolgend einige Eindrücke von der wundervollen Feier von unserem OSTHESSEN|NEWS-Fotografen André Söllner. (Hans-Hubertus Braune) +++