01.11.26 - Schlitz hat am Samstagabend sein 12. Runkelrübenfest gefeiert, zum ersten Mal im Kulturviertel Hahnekiez statt auf dem Marktplatz. Mehr als 1.200 Besucher drängten sich zwischen Buden und Ständen, hörten Blasmusik, tanzten zu Jenny and the Gang und zogen später zur Disco in den alten Eiskeller der Brauerei. Rund um das Gelände leuchteten 500 geschnitzte Runkelkuhdzen. Und am Ende bekam eine Grinsekatze das "Goldene Runkelstilzchen".
Kaum noch ein Durchkommen war auf dem Festgelände des Schlitzer Hahnekiez. Jung und Alt standen dicht an dicht und lauschten zunächst den Worten von Bürgermeister Heiko Siemon:"Unsere Antwort auf Halloween ist das Runkelrübenfest", stellte er gleich zu Beginn klar. "Und das ist auch gut so."
Testlauf auf dem alten Brauereigelände
Dass die Stadt das Fest vom Marktplatz auf das Gelände der ehemaligen Auerhahn-Brauerei verlegt hat, war ein Experiment mit offenem Ausgang. "Wir wollen ihn dieses Jahr mal testen", sagte Siemon über den neuen Platz. "Es ist zwar etwas anders als am Marktplatz, aber hier haben wir letztlich auch viel Platz." Den brauchte es auch. Stadtwächter Hagen hatte zuvor den Lampionumzug vom Hof der Vorderburg herübergeführt, danach füllte sich das Gelände bis in die letzte Ecke.
Von der Blaskapelle bis zur Kellerdisco
Die Original Schwarzbachtaler aus Hofbieber eröffneten mit Volksmusik, nach Siemons Worten "sozusagen die Vorband". Ab 20 Uhr übernahm Jenny and the Gang. Die fünfköpfige Partyband aus Fulda heizte ordenltich ein mit Charthits und Klassikern aus Pop, Rock und Hip-Hop, die sie als eigene Medleys interpretierten. Wer danach noch nicht genug hatte, stieg hinunter in die Eiskeller der alten Brauerei zur Aftershow-Disco. "Sie merken, wir haben uns ein wenig was einfallen lassen", sagte Siemon. Und: "Wir feiern nun einmal gern hier in Schlitz."
500 Kuhdzen statt einst 2.000
Die Anzahl der Runkelrüben war diesmal nicht so hoch wie in den Vorjahren. Zu besten Zeiten standen bis zu 2.000 Kuhdzen in den Gassen, in diesem Jahr waren es rund 500. Normalerweise ist die gesamte Altstadt mit den ausgeschnitzten Fratzen bestückt, doch nach dem heißen Sommer fiel die Ernte entsprechend mager aus. "Vielleicht an der einen oder anderen Stelle waren sie etwas kleiner", räumte Siemon ein. Geschnitzt wurde im Vorfeld trotzdem fleißig: im Bauhof, im Kulturladen und in den Stadtteilen. Der Bürgermeister dankte allen, die sich "von der Ernte bis zum Ausschnitzen" um die Rüben gekümmert hatten, und stellvertretend für das Organisationsteam insbesondere Oliver Rohde und Nadja Hartung vom Stadtmarketing.
Grinsekatze holt das Goldene Runkelstilzchen
Wie in den vergangenen Jahren wurde der Wettbewerb für das "Goldene Runkelstilchen" ausgetragen. Dabei wurden die schönsten und kreativsten Runkel-Schnitz-Kreationen auf der Bühne prämiert. So viele "Kunstwerke" wie dieses Mal waren noch nie eingereicht worden – von Groß und Klein. Auf der Bühne standen Stadtwappen, ein Skelett, eine Rübe mit Kopfverband. Und ein Kürbis – einer der Teilnehmer hatte es offenbar mit der amerikanischen Konkurrenz versucht. Platz drei ging an Milena Hevlik für das Schlitzer Wappen samt Jahreszahl 2026, Platz zwei an Sabine Korn für ein Skelett, das in der Runkel hockt, "ähnlich wie bei uns im Hinterturm". Und Gold holte Patrick Lomp mit der Grinsekatze aus "Alice im Wunderland". Die Preise: ein Schlitzer Überraschungspaket, ein Jahr freier Eintritt ins Freibad und Burgentaler im Wert von 150 Euro. Weil Kinder und Erwachsene gegeneinander antraten, soll es beim nächsten Mal getrennte Kategorien geben.
Seit 2002 im Wechsel mit dem Trachtenfest
Die Idee zum Fest hatten 2001 ein paar Schlitzer Gastronomen, ein Jahr später ging es los. Inzwischen wird alle zwei Jahre gefeiert, immer dann, wenn das Trachtenfest Pause hat, also in den geraden Jahren. Dieses steht 2027 wieder an, dieses Mal zum 100. Jubiläum. Siemon nutzte die Bühne für eine erste Einladung, flankiert von Stadtwächter Hagen und Laura Kreutzer, die als erste Miss Slitisa für das Jubiläum wirbt. "Wir feiern heute, wir feiern aber auch nächstes Jahr" – wie gesagt, in Schlitzt tut man das grundsätzlich gerne.
Der Kürbis ging bei der Prämierung übrigens leer aus. Wenn’s um die Runkel geht, macht man in Schlitz nun mal keine Kompromisse. (Christoph Blum) +++