02.11.26 - Kirchenmusiker Thomas Nüdling ist am Reformationstag in der Stadtkirche Tann mit der Heinrich-Schütz-Medaille der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) ausgezeichnet worden. Die Verleihung erfolgte anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums als Chorleiter des Kirchenchores Tann.
Im Auftrag der Bischöfin überreichte Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum die Medaille im Festgottesdienst und würdigte in einer ebenso kenntnisreichen wie humorigen Laudatio Nüdlings jahrzehntelanges Engagement für die Kirchenmusik. Die Gottesdienstbesucher dankten mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations.
Höchste kirchenmusikalische Auszeichnung
Die Heinrich-Schütz-Medaille ist die höchste kirchenmusikalische Auszeichnung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Sie erinnert an den bedeutenden Komponisten Heinrich Schütz (1585–1672) und würdigt Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um die Pflege, Förderung und Weiterentwicklung der Kirchenmusik verdient gemacht haben. Vor Thomas Nüdling wurde diese besondere Ehrung erst viermal verliehen. Er ist damit der fünfte Träger der Medaille in der Geschichte der Landeskirche.
Das kirchenmusikalische Leben in Tann und weit darüber hinaus hat Thomas Nüdling seit mehr als einem Vierteljahrhundert entscheidend geprägt. Als Chorleiter, Organist und Komponist, als Initiator und künstlerischer Leiter zahlreicher musikalischer Projekte begeistert er Menschen für die Musik und schafft immer wieder neue Zugänge zum gemeinsamen Singen und Musizieren. Besonders bemerkenswert ist sein ökumenisches Wirken: Als Katholik gestaltet er seit vielen Jahren maßgeblich die evangelische Kirchenmusik in Tann. Dass Konfessionsgrenzen dabei keine trennenden Hindernisse, sondern verbindende Möglichkeiten sind, ist für ihn gelebte Überzeugung. Die außergewöhnliche Reaktion der Gottesdienstbesucher machte eindrucksvoll deutlich, wie sehr dieses Engagement geschätzt wird.
Gemeinsam musiziert
Auch musikalisch wurde der Festgottesdienst zu einem besonderen Ereignis. Die Kirchenchöre Tann und Hilders musizierten gemeinsam mit dem Kammerorchester Hünfeld die "Missa in B" aus der Feder Nüdlings. Mit festlichen Chorsätzen, strahlenden Orchesterklängen und eindrucksvollen musikalischen Kontrasten wurde die Messe zu einem besonderen Erlebnis. Die große musikalische Gemeinschaft der beiden Kirchenchöre mit dem Kammerorchester unterstrich zugleich, was Nüdlings Arbeit auszeichnet: Menschen zusammenzubringen und gemeinsam Außergewöhnliches entstehen zu lassen. Den Orgelpart des Gottesdienstes übernahm Bezirkskantor Tobias Wirth.
Die Predigt hielt Pröpstin Sabine Kropf-Brandau über Matthäus 10,26–31. Im Mittelpunkt stand die ermutigende Botschaft Jesu: "Fürchtet euch nicht." Ausgehend von diesem Zuspruch schlug sie eine Brücke zum Reformationstag und zu Martin Luther. Wie Luther seinerzeit den Mut aufgebracht habe, sich einzumischen und für eine hoffnungsvolle Sache einzustehen, brauche es auch heute Menschen, die Haltung zeigen und Verantwortung übernehmen. Das gelte gleichermaßen im persönlichen Leben, im Glauben, in Politik und Gesellschaft. Die Botschaft des Evangeliums sei eine Einladung, sich nicht von Ängsten lähmen zu lassen, sondern mutig für das einzutreten, was Hoffnung und Zukunft ermögliche.
Ein weiterer besonderer Moment war die Einführung von Wilhelmine Fehr in ihr Amt als Lektorin. Pröpstin Kropf-Brandau führte sie gemeinsam mit Pfarrer Klaus-Dieter Inerle und Lektor Heiner Kirchner in ihren neuen Dienst ein. Mit der Überreichung der Urkunde der Bischöfin wurde die Einführung offiziell besiegelt.
Auch langjährige Mitglieder des Kirchenchores Tann standen an diesem Abend im Mittelpunkt. Für zehn Jahre Chormitgliedschaft wurden Jürgen Becker, Anneliese Hoffmann, Heike Herrmann und Monika Zaumbrecher ausgezeichnet. Margit Nüdling blickt auf 25 Jahre im Chor zurück. Eine ganz besondere Wegmarke hat Lieselotte Hollenbach erreicht: Sie gehört der Chorgemeinschaft seit beeindruckenden 55 Jahren an. Alle Geehrten erhielten eine Urkunde und ein persönliches Geschenk als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für ihre langjährige Treue und ihren Einsatz.
Der Gottesdienst am Reformationstag vereinte damit gleich mehrere besondere Ereignisse: die Auszeichnung eines verdienten Kirchenmusikers, festliche Musik aus eigener Feder, die Einführung einer neuen Lektorin und die Würdigung jahrzehntelanger Chorgemeinschaft. Er zeigte eindrucksvoll, wie lebendig Kirchenmusik sein kann, wenn musikalischer Anspruch, persönliches Engagement und gelebte Ökumene zusammenfinden. (pm/hhb) +++