02.11.26 - Mehrfach sind die Malteser Main-Kinzig in den vergangenen Jahren umgezogen, jetzt hat die Hilfsorganisation eine neue Heimat mitten in Gelnhausen gefunden. Bei einem Besuch in der neuen Geschäftsstelle haben sich Bürgermeister Christian Litzinger und Sozialdezernent Marcel Pipa mit haupt- und ehrenamtlichen Kräften über die vielfältigen Aufgaben, aktuelle Herausforderungen und die Möglichkeiten für eine noch engere Zusammenarbeit ausgetauscht.
"Unsere Aufgabe ist es, beste Bedingungen für das Ehrenamt zu schaffen", sagt Sabine Kroh, Kreisgeschäftsführerin der Malteser Main-Kinzig, beim Besuch von Bürgermeister Christian Litzinger in der neuen Geschäftsstelle. "Und das tun wir nun wieder mitten im Zentrum von Gelnhausen." Gleich mehrfach hatte der Hilfsdienst seinen Sitz in den vergangenen Jahren verlegt – von der Berliner Straße ins Technologie- und Dienstleistungszentrum Herzbachtal, an die Sportanlage in Gründau und zuletzt übergangsweise in die Alte Hofstraße nach Lieblos. Seit wenigen Wochen befindet sich der Sitz wieder in der Barbarossastadt. "Wir haben uns gut eingelebt", berichtet Kroh, während sie Bürgermeister Christian Litzinger und Marcel Pipa, Dezernent für Finanzen, Kultur und Soziales, durch die neuen Räume am Lohmühlenweg 30 führt.
Hilfe über den Notfall hinaus
Mit dabei ist Christin Roos, Diözesangeschäftsführerin des Malteser Hilfsdienstes im Bistum Fulda. Sie macht deutlich, wie breit die Organisation mittlerweile aufgestellt ist: "Der Rettungsdienst, der Katastrophenschutz und die sanitätsdienstliche Betreuung von Veranstaltungen gehören zu unseren klassischen Aufgabenfeldern. Dazu kommen beispielsweise Erste-Hilfe-Kurse für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen oder Vereine. Doch wir können und machen noch viel mehr."
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung älterer und hilfsbedürftiger Menschen. "Mit dem Hausnotruf, Fahrdiensten und dem Menüservice wollen wir dazu beitragen, dass die Menschen möglichst lange selbstständig und mobil bleiben können", erläutert Roos. Doch nicht jede Notlage ist medizinischer Natur. Einsamkeit und fehlende soziale Kontakte können die Lebensqualität ebenso erheblich beeinträchtigen. Hier setzen beispielsweise der Besuchs- und Begleitungsdienst mit Hund und der "KulTour"-Begleitungsdienst an. Letzterer ermöglicht Seniorinnen und Senioren gemeinsame Ausflüge sowie die Teilnahme an Konzerten oder Museumsbesuchen.
"Einsamkeit ist aber nicht nur ein Problem älterer Menschen. Sie betrifft auch Kinder und Jugendliche", spricht Roos ein weiteres Aufgabenfeld an. Mit dem Modellprojekt "Mitmachen verbindet" setzen die Malteser im Main-Kinzig-Kreis gezielt bei der Einsamkeit junger Menschen an. Gemeinsame Freizeitaktivitäten und offene Begegnungsangebote sollen neue Kontakte ermöglichen und die gesellschaftliche Teilhabe stärken.
Besonders sensibel ist die Arbeit im ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst. Die Malteser begleiten schwerkranke und sterbende Menschen und deren Familien. Und sie stehen Angehörigen auch über den Tod eines geliebten Menschen zur Seite. Eine besondere Rolle spielt dabei die Kinder- und Jugendhospizarbeit. Mit Gesprächskreisen, Trauercafés und persönlichen Begegnungen bietet der Hilfsdienst den Hinterbliebenen Unterstützung und Halt.
Neuer Standort: Kurze Wege, Platz für Begegnungen
"Die tragende Säule vieler unserer Angebote ist das Ehrenamt", betont Roos. In der neuen Geschäftsstelle bestehen dafür beste Voraussetzungen für die vier hauptamtlichen und die derzeit rund 40 ehrenamtlichen Kräfte. "Dank der zentralen Lage sind wir nun sowohl für unsere Ehrenamtlichen als auch für die Menschen, die unsere Angebote nutzen, besser erreichbar", freut sich Kreisgeschäftsführerin Sabine Kroh.
Ein Vorteil ist die Nähe zu den Schulen. So liegt beispielsweise der Malteser-Spieletreff am Grimmelshausen-Gymnasium nur wenige Gehminuten entfernt. Auch die Anbindung der Gelnhäuser Kernstadt an Bus und Bahn erleichtert die Erreichbarkeit. Die neuen Räume sind dank eines Aufzugs barrierefrei zugänglich. Die WCs sind behindertengerecht. Neben dem Büro der Geschäftsführung und einem weiteren Büro für den Kinderhospiz- und Begleitdienst gibt es eine Teeküche und einen großzügigen Gruppenraum, der Platz für Lesungen, Besprechungen, Supervisionen und gemeinsame Treffen der Ehrenamtlichen bietet.
"Danke, dass Sie für die Menschen da sind", betont Bürgermeister Christian Litzinger beim Rundgang. Er verweist auf die zahlreichen Berührungspunkte zwischen der Stadt und dem Hilfsdienst. "Viele wichtige Aufgaben vor Ort wären ohne die ehrenamtliche Arbeit von Organisationen wie den Maltesern in dieser Qualität überhaupt nicht zu leisten. Dabei denke ich beispielsweise an die Betreuung von Geflüchteten." Litzinger würdigt zudem das inklusive Angebot des "LebMalClubs", den die Malteser gemeinsam mit der Lebenshilfe organisieren.
Ehrenamt braucht Unterstützung
Statt Blumen hat der Rathauschef bei seinem Besuch vor allem eine Frage mitgebracht: "Was kann die Stadt tun, um die Bedingungen für die Malteser vor Ort weiter zu verbessern?" Neben der Suche nach zusätzlichen Ehrenamtlichen ist die Finanzierung eine der zentralen Herausforderungen. "Ein großer Teil unserer Arbeit wird über Fördermitgliedschaften getragen", erläutert Christin Roos. Hinzu kommen öffentliche Zuschüsse und Spenden. Die ambulante Hospizarbeit wird zwar durch die gesetzlichen Krankenkassen gefördert, die Zuschüsse decken allerdings nicht sämtliche Kosten. Die verbleibenden Ausgaben müssen die Malteser durch Spenden und Eigenmittel finanzieren. "Das ist zwar eine große Herausforderung, gibt uns aber bei der Gestaltung unserer Angebote auch eine gewisse Freiheit", erklärt die Diözesangeschäftsführerin. "Besonders die Kinderhospizarbeit ist auf Unterstützung angewiesen. Hier hilft uns jeder Cent."
Generell wachsen die Herausforderungen für die Malteser. Immer mehr Menschen sind im Alter, bei Krankheit oder in schwierigen Lebenssituationen auf Unterstützung angewiesen. Gleichzeitig steigen die Kosten und die Anforderungen an haupt- und ehrenamtliche Kräfte. Bundesweit setzt sich die Hilfsorganisation deshalb für verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie ein. Auch im Main-Kinzig-Kreis blicken die Malteser mit Spannung auf die anstehenden Reformen im Gesundheits- und Pflegewesen, die die Versorgung langfristig sichern sollen.
Für die Zusammenarbeit vor Ort nimmt Bürgermeister Litzinger konkrete Anregungen mit ins Rathaus. "Wir werden prüfen, welche Fördermöglichkeiten für die Malteser infrage kommen. Und wo wir Sie unterstützen können, werden wir das tun", versichert der Bürgermeister. "Auch städtische Flächen auf der Müllerwiese oder im Stadtgarten stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung." Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit sieht er unter anderem im Katastrophenschutz.
"Die Malteser leisten einen unschätzbaren Beitrag für das soziale Miteinander, die Teilhabe und Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Das gilt für unsere Stadt und für die gesamte Region. Umso mehr freut es mich, dass sie nun wieder mitten in Gelnhausen zu Hause sind." (js/pm)+++