03.11.26 - Wie lassen sich die vielschichtigen Krisenszenarien der Gegenwart konstruktiv bewältigen? Welche strategischen Ansätze sind dafür erforderlich? Mit diesen zentralen Fragestellungen befasste sich die Herbst-Vollversammlung des Katholikenrates im Bistum Fulda.
Das pastorale Laiengremium der Diözese nutzte die Zusammenkunft für tiefgehende Analysen und bündelte sowohl gesellschaftliche wie kirchliche Perspektiven, um zukunftsfähige Handlungsoptionen in unsicheren Zeiten zu erörtern.
Im Zentrum der Zusammenkunft standen zwei Fachreferate, die das Thema "Handeln in der Krise" aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten. Als Experten geladen waren Oberst i.G. Armin Schaus als Vertreter der Bundeswehr sowie Domkapitular Prof. Dr. Tonke Dennebaum vom Kommissariat der deutschen Bischöfe.
Regelmäßiger Austausch
Ausgehend von einer breiten Welle hybrider Angriffe skizzierte Oberst Schaus sowohl die aktuelle und sich verschärfende Bedrohungslage als auch den "Operationsplan Deutschland". Im Vordergrund stehen Bemühungen um eine weit gefächerte Information und der regelmäßige Austausch vieler Akteure – auch der Kirchen.
Die Rolle der Kirchen
Prof. Dennebaum appellierte im Zusammenhang mit den Ausführungen von Oberst Schaus dafür, einen Denkprozess in Gang zu setzen, um das Thema stets im Blick zu behalten und es tiefer in die Gesellschaft zu tragen. Unter anderem durch die Vernetzung zur hessischen Landesregierung brachte er verschiedene Aspekte ein. Für die Kirchen sei die Frage entscheidend, was sie für Menschen in Krisenzeiten tun könne. Sicherheit zu bieten, stehe hier ganz obenan, aber auch Ansprache und Mut. Die Krisenkommunikation müsse glaubhaft und transparent sein.

Die Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum Fulda, Stefanie Klee, gemeinsam mit ...Foto: Bistum Fulda / Bertram Lenz
Handeln in Krisen
Ergänzt wurden die Impulse durch einen Bericht von Fuldas Generalvikar Dr. Martin Stanke. Dieser erläuterte den Delegierten den aktuellen Stand und die strategische Ausrichtung der Arbeitsgruppe "Handeln in Krisen", die im Bischöflichen Generalvikariat Fulda etabliert wurde. In diesem Kontext komme es darauf an, für Menschen in Krisen da zu sein – unter anderem durch umfassende pastorale und seelsorgerische Betreuung.
Appell: Multiplikatoren sein
Die darauffolgenden Diskussionen zeigten, wie eng sicherheitspolitische, gesellschaftliche und ethisch-kirchliche Herausforderungen in Krisensituationen miteinander verwoben sind. Neben der Anerkennung dafür, dass sich der Katholikenrat mit diesem Thema auseinandersetzte, gab es seitens der Referenten die Bitte an die Anwesenden, Multiplikatoren zu sein.
Bischof: Menschen für den Glauben gewinnen
In einem Grußwort dankte Bischof Dr. Michael Gerber per Video den Mitgliedern des Katholikenrates für deren Engagement, mit dem sie den Prozess der Synodalität im Bistum begleiteten. Synodalität, so der Bischof, sei zunächst einmal eine Frage der Haltung, die Struktur komme später hinzu. Er rief die Anwesenden dazu auf, in ihrem Umfeld um engagierte Frauen und Männer zu werben.
Zudem ging Gerber auf die jüngste Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda ein, die sich unter anderem mit der Enzyklika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV. befasst hatte. In deren Fokus steht der ethische Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) und der Schutz der Menschenwürde im digitalen Zeitalter. Was den Einsatz von KI angeht, so gilt es laut dem Bischof, gleichermaßen wachsam und vorsichtig zu sein und diese Technologie so Gewinn bringend wie möglich anzuwenden.
Zugleich appellierte Gerber an den Katholikenrat, aufmerksam und aktiv zu sein, wenn es darum geht, Menschen für den Glauben zu gewinnen. Diese gelingenden Erfahrungen machten das Wesen von Kirche aus. (js/pm)+++