04.11.26 - Zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind am Mittwoch zum Jahresempfang des Deutschen Roten Kreuzes Fulda in der Aula der Alten Universität zusammengekommen. Als besonderer Gast hält die Journalistin und ZDF-Moderatorin Gundula Gause einen Vortrag, der zu den turbulenten politischen Zeiten passt.

Gundula Gause mit Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg
DRK-Präsidentin Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg freut sich, wie in den vergangenen Jahren viele Freunde und Unterstützer des Roten Kreuzes, aus der Stadtgesellschaft und natürlich der Blaulicht-Familie in der Aula zu begrüßen. Musikalisch umrahmt Violinistin Almut Frenzel-Riehl den Abend.
Vielfältige ehrenamtliche Arbeit des DRK
Zunächst zeigt ein Film die Arbeit des DRK in und um Fulda. Ob Intensivtransportwagen, Fahrdienst, medizinische Transporte, mehrere Seniorenzentren, Aus- und Weiterbildungsangebote oder Sozialkaufhaus: Das DRK ist auf vielfältige Weise für die Menschen in der Region im Einsatz.
In ihrer Begrüßung geht Donata Freifrau Schneck zu Schweinsberg auch auf ernste Themen ein, etwa auf die Ausschreitungen des vergangenen Wochenendes mit zahlreichen verletzten Polizisten in Frankfurt. "Protest darf sein, aber nicht in Form von Gewalt", sagt sie. Beim Blick auf das aktuelle Weltgeschehen mit Krisen und Kriegen, unterstreicht sie, "müssten wir auch sehen, wie gut es uns geht".
Trotz all dieser Themen, so die Präsidentin, gehe es an diesem Abend darum, Danke zu sagen. "Wir danken allen, die uns unterstützen!"
Das Thema Dankbarkeit nimmt Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) in seiner Rede auf. "Wir in Fulda haben allen Grund, dem DRK und den Menschen dahinter unseren Dank auszusprechen. Das DRK hat beim Hessentag erneut Geschichte geschrieben. Auf das DRK ist immer Verlass!" Auch bei humanitären Herausforderungen wie 2015, als Hunderte Geflüchtete in die Stadt gekommen waren, habe das DRK sofort geholfen, etwa mit dem Aufbau von Zelten als Unterkünfte.
Der Ehrengast des Abends, ZDF-Nachrichtenmoderatorin, Journalistin und Autorin Gundula Gause, spricht vor den rund 200 Gästen zum Thema "Gesellschaftliches Miteinander in Zeiten des Umbruchs: zur Bedeutung von Ehrenamt und Journalismus".
Ausdrücklich dankt die Journalistin den mehr als 1000 hauptamtlichen Beschäftigten sowie den rund 700 ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz im Rettungsdienst und in den Seniorenzentren. Aus eigener Erfahrung als pflegende Angehörige verweist Gause auf die seelische Not sowie den "hohen bürokratischen Aufwand für betroffene Familien". Zudem berichtet sie von ihrem Engagement für ein Kinder- und Bildungsprojekt auf einer Müllhalde in Ghanas Hauptstadt Accra, das ihr Kraft für den nachrichtlichen Alltag gibt. Sie betont: "Ehrenamt macht glücklich."
Angesichts weltweiter Krisen und gesellschaftlicher Spannungen betont die Fernsehjournalistin schließlich den Wert einer sachlichen Berichterstattung. Bei der Erklärung klassischer Nachrichtenkriterien und der oft negativen Themenlage bringt sie das Dilemma ihres Berufs auf den Punkt: "Das gut gelandete Flugzeug ist nun mal keine Nachricht, der Absturz eben leider schon."
Mit Blick auf wachsende Polarisierung, steigende Rüstungsausgaben und den Reformdruck im Land mahnt Gause den offenen Dialog über politische Lager hinweg an: "Die Demokratie ist in Gefahr, das kann man durchaus sagen. So müssen wir alle sehen, was wir tun können, um aufeinander zuzugehen, um auch mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die anderer Meinung sind als wir." Zugleich erinnert sie an den 2011 ausgesetzten Zivildienst, dessen Wegfall die soziale Arbeit spürbar getroffen habe, und ermutigt die Anwesenden zum Abschluss mit einem afrikanischen Sprichwort: "Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern."
Neben dem Vortrag hat beim Jahresempfang der Austausch einen zentralen Stellenwert: Bei Speisen und Getränken unterhalten sich die Gäste angeregt. Und genau das ist es, was sich die Organisatoren vom DRK wünschen: einen Abend mit interessanten Informationen, vielen Begegnungen und regem Austausch.
(Karl Kovacs) +++ 