Erich Vollmann (rechts) gemeinsam mit Mohamed Meky A. Mohamed, Sektionsleiter der Neurochirurgie am Klinikum Bad Hersfeld. Durch eine erstmals am Klinikum durchgeführte ALIF-Operation konnte dem 63-Jährigen nach jahrelangen Rückenschmerzen geholfen werden. - Fotos: privat

BAD HERSFELD Wenn der Schmerz endlich nachlässt

Erstmals gemeinsame ALIF-Operation am Klinikum Bad Hersfeld

03.11.26 - Aus der Operation aufwachen und einen Schmerz nicht mehr fühlen, der über Jahre hinweg ein ständiger Begleiter war – das ist für die meisten Patienten das Ziel eines operativen Eingriffs. Im Fall von Erich Vollmann hat sich dieser Wunsch im vergangenen Sommer erfüllt.

Nach über drei Jahren mit anhaltenden Rückenschmerzen, bis hin zum vorzeitigen Renteneintritt, konnte ihm das Team der Neurochirurgie am Klinikum Bad Hersfeld rund um Sektionsleiter Mohamed Meky A. Mohamed mit einem operativen Eingriff helfen. Das Besondere daran: Bei Erich Vollmann kam erstmals am Klinikum Bad Hersfeld die sogenannte ALIF zum Einsatz – ein Operationsverfahren, bei dem die Lendenwirbelsäule über den Bauchraum versorgt wird.

Nachdem er bereits seit vielen Jahren mit Rückenschmerzen zu kämpfen hat, bemerkt Erich Vollmann aus Waldkappel im Jahr 2023 eine deutliche Zunahme seiner Beschwerden: "Das Laufen ging einfach nicht mehr richtig. Meine Beine und meine Hüfte haben geschmerzt und ich konnte sie nicht mehr richtig bewegen." In Rücksprache mit seinem Hausarzt sucht er einen regionalen Facharzt auf, der die Ursache seiner Beschwerden in der rechten Hüfte vermutet. Gemeinsam entscheiden sich Arzt und Patient für den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks im Jahr 2024. "Leider waren auch nach der Abheilung die Schmerzen im Bein und in der Lende noch da – das war schon frustrierend", erinnert sich der gelernte Schreiner. Nach einer erneuten Untersuchung entscheiden sich die beiden für einen weiteren Eingriff, um einen möglicherweise eingeklemmten Nerv zu behandeln. Dazu Vollmann: "Leider hat sich das Ganze dann wiederholt und der bekannte Schmerz kam nach der Abheilphase wieder zurück."

Auf der Suche nach Hilfe stellt Erich Vollmann sich bei einem weiteren Facharzt vor, der ihm zu einer näheren Abklärung der Wirbelsäule rät. "Diesem Arzt war bei der Untersuchung meiner Wirbelsäule etwas aufgefallen, weshalb er mich an die Experten des Klinikums Bad Hersfeld verwies", so Vollmann. Gesagt, getan – wenige Wochen später stellt er sich im Team von Mohamed Meky A. Mohamed vor.

"Stoßdämpfer" praktisch nicht mehr vorhanden

Vor Ort bestätigen die Ärzte die Vermutung des niedergelassenen Facharztes. Dazu Mohamed: "Unsere Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbeln, zwischen denen sich die Bandscheiben befinden. Die kann man sich wie Stoßdämpfer vorstellen. Bei Herrn Vollmann war dieser Stoßdämpfer zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem ersten Kreuzbeinwirbel, also am Übergang zum Kreuzbein, praktisch nicht mehr vorhanden. Dadurch können die Wirbelknochen schmerzhaft aufeinander reiben und zusätzlich Nerven eingeengt werden." Deshalb rät Mohamed seinem Patienten zu einem erneuten Eingriff – und, wie bei jedem Patienten, zum Einholen einer Zweitmeinung.

Wenige Wochen später wird der 63-Jährige im Klinikum Bad Hersfeld operiert. Das Verfahren ist die sogenannte ALIF, kurz für Anterior Lumbar Interbody Fusion, eine Wirbelsäulenversteifung der Lendenwirbelsäule von vorne. "Die ALIF ist eine etablierte Methode für genau diese Symptomatik, erfordert aber spezialisierte Zentren und erfahrene Operateure. Im Klinikum Bad Hersfeld ist Herr Vollmanns Eingriff tatsächlich die erste durchgeführte ALIF", betont Mohamed. Bei einem alternativen Verfahren erfolgt der Zugang zur Bandscheibe über den Rücken. Gerade im Bereich zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem Kreuzbein kann dies jedoch mit besonderen Herausforderungen verbunden sein: "In dieser Etage liegt die Bandscheibe so tief im Becken, dass beim Zugang vom Rücken Muskeln und Nerven zur Seite geschoben werden müssen. Das kann nach der Operation zusätzliche Beschwerden verursachen. Im Fall von Herrn Vollmann war die ALIF, also der Zugang über den Bauch, deshalb die bessere Option."

Eingriff nur gemeinsam möglich

Für diesen Eingriff ist ein erfahrener Gefäßchirurg notwendig, da dieser den Zugang zur Wirbelsäule über den Bauchraum vorbereiten muss – erst dann kann der Neurochirurg die geschädigte Bandscheibe entfernen und durch einen sogenannten Cage ersetzen. "Das ist einer der großen Vorteile des Klinikums Hersfeld-Rotenburg. Mit Dr. Amer Jomha und seinem Team haben wir eine zertifizierte und erfahrene Gefäßchirurgie im Haus. Nur gemeinsam war dieser Eingriff überhaupt möglich", betont Mohamed. Bei dem Cage handelt es sich um eine kleine, mit Knochenmaterial gefüllte Prothese, die zwischen den Wirbeln eingesetzt wird. In den Wochen und Monaten nach der Operation wächst körpereigener Knochen in diese Struktur ein, sodass die beiden Wirbel langfristig miteinander verwachsen.

Auch für den Gefäßchirurgen setzt die ALIF hohes fachliches Können und Erfahrung voraus. Dazu Jomha: "Um den Neurochirurgen den Zugang zur Lendenwirbelsäule über den Bauch zu ermöglichen, muss ich sowohl die Bauchmuskeln als auch die Bauchorgane vorsichtig zur Seite schieben. Außerdem verlaufen direkt vor der Lendenwirbelsäule große Blutgefäße, darunter die Hauptschlagader und eine große Hohlvene. Diese muss ich vorsichtig freilegen und ebenfalls zur Seite schieben – das erfordert Erfahrung."

Bei einem routinierten Ablauf kann der eigentliche Eingriff in kurzer Zeit durchgeführt werden. Nur wenige Stunden später ist Erich Vollmann wieder auf seinem Zimmer auf Station. Seine ersten Gedanken: Was ist mit dem Schmerz? Unmittelbar fällt dem Waldkappeler auf, dass seine Beschwerden besser zu sein scheinen: "Auch nach dem Abklingen der Schmerzmedikamente und im weiteren Verlauf nach dem Eingriff kam dieser altbekannte Schmerz nicht zurück. Das ist ein so tolles Gefühl, das kann man kaum beschreiben." Insgesamt fünf Tage verbringt er im Krankenhaus, bevor er entlassen werden kann. "Der Aufenthalt im Klinikum war rundum gut. Die Ärzte und Pflegefachkräfte haben sich sehr gut um mich gekümmert, waren allesamt freundlich und haben auch mal den ein oder anderen Spaß mitgemacht", bewertet Vollmann seinen Aufenthalt.

Zu Hause nimmt er nun regelmäßig Physiotherapietermine wahr und kehrt Schritt für Schritt zu seinen alten Hobbys zurück: dem Radfahren, Spaziergängen mit seiner Frau und der Gartenarbeit. "Ich freue mich wirklich auf die Gartenarbeit – auch wenn das komisch klingt. Über den Winter zieht es uns außerdem ein paar Wochen in die Türkei. Das ist nun ohne diese lästigen Schmerzen ein ganz neues Gefühl." Dafür dankt er dem Ärzteteam von Herzen. (pm/hhb) +++


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