07.11.26 - Zwischen leisen Melodien, kraftvollen Stimmen und bewegenden Momenten verwandelten das Akkordeonorchester der Musikschule Schlitz und der Pfordter Chor "Alles im Takt" die evangelische Stadtkirche in einen Ort voller musikalischer Wärme, Hoffnung und Gemeinschaft. Unter der Gesamtleitung von Susanne Behounek entstand ein Lichterkonzert, das weit über die Musik hinausging und die besondere Kraft gemeinsamer Erlebnisse spürbar werden ließ.
Manchmal braucht es nur einen einzigen Ton, um die Stille zu durchbrechen. Einen Klang, der sich langsam im Raum ausbreitet, Erinnerungen wachruft und Menschen für einen Augenblick alles um sich herum vergessen lässt. Wenn draußen die Novemberdunkelheit über die Stadt zieht, entfaltet Musik im Inneren einer Kirche eine ganz eigene Magie. Sie wird zu einem Licht, das keine Flamme braucht, um Wärme zu schenken.
Genau dieses Gefühl stand im Mittelpunkt des Lichterkonzerts, zu dem das Akkordeonorchester der Musikschule Schlitz und der Pfordter Chor "Alles im Takt" am Sonntag, 1. November, in die evangelische Stadtkirche eingeladen hatten. Unter der Gesamtleitung von Susanne Behounek, der ehemaligen Leiterin der Musikschule Schlitz, vereinten sich Stimmen und Instrumente zu einer musikalischen Reise zwischen Besinnlichkeit, Hoffnung und Lebensfreude. Durch den Abend führten Fabian Schüler und Birgit Horst, die das Publikum mit ihrer herzlichen und angenehmen Moderation begleiteten. Sie stellten die Musikstücke vor und brachten den Zuhörerinnen und Zuhörern deren Inhalte und Hintergründe näher. So wurden die einzelnen Beiträge nicht nur zu einem musikalischen Erlebnis, sondern erhielten auch Raum für die Geschichten und Gedanken, die sich hinter den Klängen verbargen.
Wenn die Stille zu sprechen beginnt
Musik ist eine Sprache, die keiner Übersetzung bedarf. Sie kann trösten, Erinnerungen wecken, Mut schenken und Gefühle ausdrücken, für die uns manchmal die Worte fehlen. Mit dem "Präludium" von Kurt Mahr und einer Fuge in D-Dur nach Georg Friedrich Händel eröffnete das Akkordeonorchester einen musikalischen Spannungsbogen, der von klassischen Klangwelten bis zu zeitgenössischen Melodien reichte. Das "Neapolitanische Ständchen" von Gerhard Winkler verlieh dem Programm eine romantische Note, bevor mit Paul Simons "Sound of Silence" eines jener Musikstücke erklang, dessen melancholischer Charakter gerade in der dunkleren Jahreszeit eine besondere Tiefe entfaltet.Denn Stille bedeutet nicht immer Leere. Manchmal ist sie jener kostbare Augenblick, in dem wir beginnen, bewusster zuzuhören – auf die Musik, auf unsere Mitmenschen und vielleicht auch ein wenig auf uns selbst.
Von der Melancholie zur Lebensfreude
Mit dem Auftritt des Pfordter Chores "Alles im Takt" eröffnete sich eine weitere musikalische Facette des Abends. Mozarts musikalische Welt fand in "Uns're kleine Nachtmusik" in einem Arrangement von Lorenz Maierhofer ihren Platz. Mit dem Chanson "Blumenleben" aus "Aquarelle" von Heinz Lemmermann erhielt das Programm einen poetischen Akzent. Doch das Leben besteht nicht nur aus leisen und nachdenklichen Momenten. Es braucht ebenso Heiterkeit, Zuversicht und manchmal auch die Fähigkeit, über die kleinen und großen Widrigkeiten des Alltags zu lächeln. Mit "Always Look on the Bright Side of Life", bekannt aus dem Monty-Python-Film "Das Leben des Brian", griff der Chor genau diesen Gedanken auf: Selbst dort, wo Schatten fallen, lässt sich noch ein heller Streifen am Horizont entdecken. Auch die Gospelmelodie "Make My Day" und das irisch geprägte "Lord of the Dance" brachten eine andere musikalische Energie in die Stadtkirche. Hier begegneten sich Lebensfreude und Rhythmus, Leichtigkeit und musikalische Ausdruckskraft. Einen besinnlichen Gegenpol bildete schließlich das "Abendlied" aus dem Musical "Moses" von Dieter Falk. Es war diese Vielfalt, die den Charakter des Konzerts bestimmte: der Wechsel zwischen Nachdenklichkeit und Freude, zwischen sanften Melodien und kraftvollen musikalischen Botschaften.
Wenn aus Tönen Hoffnung wird
Eine besonders lebendige Seite der Musik zeigte das Akkordeonorchester mit seinen Gospel-Medleys "Glory, Glory Hallelujah" und "Oh Happy Day" in Bearbeitungen von Alexander Jekic. Gospelmusik lebt von einer tief verwurzelten Botschaft: Hoffnung kann stärker sein als Verzweiflung, Freude größer als Sorgen und Gemeinschaft kraftvoller als Einsamkeit.Dabei besitzt gerade das Akkordeon eine erstaunliche musikalische Ausdrucksbreite. Es kann zart und zurückhaltend klingen, im nächsten Moment jedoch einen ganzen Raum mit kraftvollen Harmonien erfüllen. Mit "Music" von John Miles, arrangiert von Hans-Günther Kölz, fand ein Werk Eingang in das Programm, das wie kaum ein anderes die lebenslange Verbundenheit zwischen Mensch und Musik verkörpert. Und vielleicht ließ sich gerade darin der eigentliche Gedanke dieses Lichterkonzerts erkennen: Musik ist nicht einfach nur Unterhaltung. Sie ist Erinnerung, Leidenschaft, Zuflucht und manchmal sogar ein Stück Heimat.
Ein gemeinsamer Klang, der Menschen verbindet
Einen besonderen Gedanken hatte sich Susanne Behounek für den Abschluss des Konzerts bewahrt. Mit den "Irischen Segenswünschen" in einem Arrangement von Frank Dörschel war auch das Publikum eingeladen, Teil des musikalischen Geschehens zu werden. Damit wurde die Grenze zwischen den Mitwirkenden und ihren Zuhörern auf eine besonders schöne Weise aufgehoben. Denn wo Menschen gemeinsam musizieren, entsteht etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt: ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Es ist jener Moment, in dem nicht mehr entscheidend ist, wer auf der Bühne steht und wer im Kirchenraum sitzt. Entscheidend ist vielmehr, was alle miteinander verbindet. Gerade in einer Zeit, in der Hektik, Unsicherheit und gesellschaftliche Gegensätze häufig den Alltag bestimmen, besitzen solche Begegnungen einen besonderen Wert. Sie erinnern daran, dass Gemeinschaft nicht immer große Gesten braucht. Manchmal genügen Menschen, die zusammenkommen, einander zuhören und die Freude an der Musik miteinander teilen.
Mit Leidenschaft und Herz für die Musik
Hinter diesem besonderen Konzertabend stand das Engagement zahlreicher Musikerinnen und Musiker, die ihre Begeisterung und ihre Freizeit in ein gemeinsames kulturelles Erlebnis investierten. Unter der Gesamtleitung von Susanne Behounek wurde deutlich, wie viel Herzblut, Zusammenhalt und musikalische Leidenschaft in der regionalen Kulturlandschaft stecken. Gerade die Musikschule Schlitz und der Chor "Alles im Takt" aus Pfordt zeigen, dass kulturelle Vielfalt nicht allein auf großen Konzertbühnen zu finden ist. Sie lebt ebenso in den Städten und Dörfern unserer Heimat, getragen von Menschen, die andere mit ihrer Begeisterung anstecken. Das Lichterkonzert war damit auch eine Würdigung jener Menschen, die Musik nicht nur als Kunst verstehen, sondern als etwas zutiefst Menschliches – als Möglichkeit, Freude zu teilen und Brücken zwischen Generationen zu schlagen.
Ein Licht, das in den Herzen weiterleuchtet
Als die musikalische Reise ihren Abschluss fand, blieb mehr zurück als die Erinnerung an einzelne Melodien. Es war vor allem das Gefühl, gemeinsam einen besonderen Abend erlebt zu haben. Auch Susanne Behounek zeigte sich erfreut über die große Resonanz und die herzliche Begegnung mit dem Publikum.
Persönliches Schlusswort von Susanne Behounek - "Für mich war es ein ganz besonderer Abend, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Es hat mich von Herzen gefreut, dass so viele Menschen gekommen sind, um gemeinsam mit uns die Musik zu erleben. Dieser herzliche Empfang und die wunderbare Atmosphäre haben uns als Mitwirkende sehr berührt. Musik kann so viel mehr, als nur schön zu klingen. Sie bringt Menschen zusammen, schenkt Freude, Hoffnung und manchmal auch ein wenig Trost. Wenn es uns gelungen ist, dieses Gefühl an unsere Zuhörer weiterzugeben, dann war es ein rundum erfüllender Abend. Mein herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden und natürlich unserem wunderbaren Publikum."
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis eines solchen Konzerts: Dass die schönsten Augenblicke nicht mit dem letzten Ton enden. Sie leben weiter in den Erinnerungen, in den Begegnungen und in jenem warmen Gefühl, das bleibt, wenn Menschen etwas Besonderes miteinander geteilt haben. Denn während draußen längst die Dunkelheit über Schlitz hereingebrochen war, hatte die Musik an diesem Abend etwas zum Leuchten gebracht, das keine Kerze allein vermag: die Herzen der Menschen. Ein Licht, das bleibt, auch wenn der letzte Klang längst verklungen ist. (Philipp Stock)+++