Auch in Bad Salzschlirf: Vor einer Woche noch Tegut, jetzt Edeka - Fotos: Christoph Blum

SCHLITZ/BAD SALZSCHLIRF/HÜNFELD Aus Tegut wird Edeka

Neue Farbe, bekannte Gesichter: Die ersten Märkte starten als Edeka

05.11.26 - Die Türen gehen wieder auf, nur das Logo darüber ist ein anderes: In Schlitz, Bad Salzschlirf und Hünfeld haben die früheren Tegut-Märkte am Donnerstag erstmals als Edeka geöffnet. Sie gehören zu 33 Standorten in Hessen, Thüringen und Südniedersachsen, die die Edeka Hessenring aus Melsungen übernommen hat und alle am selben Tag neu startet. Rund 1.000 zusätzliche Artikel, Edeka-Eigenmarken und weiterhin viel Bio verspricht der neue Betreiber. OSTHESSEN|NEWS hat sich in den drei östlich von Fulda gelegenen Märkten umgesehen und die Kunden gefragt, was sie erwarten.

Kurz nach sieben am Bruchwiesenweg in Schlitz: Bernd Staub hält auf dem Weg zur Arbeit, so wie früher bei Tegut. Dass der Markt schließen musste, war für ihn kein Schock. "Das war leider abzusehen." Nach den ersten Metern im neuen Edeka stellt er fest: "Das ist ja ähnlich aufgebaut." Sein Wunsch an den neuen Betreiber: "Dass wir hoffentlich mehr Bio reinkriegen." Reger Betrieb herrschte am ersten Tag in allen drei Märkten. In Bad Salzschlirf waren gegen 9 Uhr alle Parkplätze belegt. Manche trieb die Neugier, andere wollten "einfach nur einkaufen". Und ein Großteil der Kunden begrüßte, dass die Märkte nur wenige Tage geschlossen waren.

Ideale Lage in "der Serpentine" am Ortsrand Bad Salzschlirf.

7 Uhr morgens: Premiere für viele neue Edeka-Märkte, wie hier am Bruchwiesenweg ...

Am 30. Oktober hatten die drei Filialen zum letzten Mal als Tegut verkauft. Hinter dem Wechsel steht der Rückzug der Schweizer Migros aus dem deutschen Raum. Migros gibt das Fuldaer Traditionsunternehmen nun Stück für Stück ab. Ende September hatte das Bundeskartellamt der Edeka-Gruppe die Übernahme von 178 Tegut-Märkten erlaubt. Kaum zu glauben, aber für die eigentliche Umstellung seien die Märkte lediglich noch nicht einmal eine Woche geschlossen gewesen. Dies teilt die Edeka Hessenring auf Anfrage von OSTHESSEN|NEWS mit. "Innerhalb kürzester Zeit haben unsere Teams Außergewöhnliches geleistet", sagt Geschäftsführer Florian Kramm.

Bis zu 15 Lkw für einen Markt

Wie viel Arbeit in diesen Tagen steckte, verdeutlichen die Menge an Lastwagen, die zu den Märkten unterwegs waren: Für die Erstbelieferung rollten nach Angaben der Hessenring drei bis fünf Lkw zu den kleineren Märkten. Die Großen empfingen bis zu 15 Fahrzeuge. Parallel dazu wurden die alten IT-Systeme heruntergefahren und die Edeka-Kassen eingerichtet. Handwerker tauschten Schilder und gestalteten die Innenräume um. Tegut-Beschäftigte und Edeka-Teams aus anderen Standorten packten gemeinsam an. "Besonders beeindruckend war für uns, wie selbstverständlich die bisherigen tegut-Kolleginnen und -Kollegen und unsere Edeka-Teams zusammengearbeitet haben", lobt Florian Kramm.

Bettina Schäfer (Schlitz) gehörte lange zu tegut: "Gerade hier in Schlitz wird immer ...

"Es wird rundum ein Edeka-Markt"

Mehr als neue Fahnen, also? "Ja, deutlich", heißt es aus Melsungen. "Es wird rundum ein Edeka-Markt." Rund 1.000 Artikel kommen neu hinzu, darunter natürlich die Edeka-Eigenmarken. Das Bio-Angebot, mit dem Tegut über Jahrzehnte seine Stammkundschaft gebunden hat, soll in vergleichbarer Größe erhalten bleiben und zudem um eigene Bio-Marken ergänzt werden. Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst und Molkereiprodukte werden regelmäßig beziehungsweise täglich frisch geliefert. Dazu verspricht die Hessenring ein attraktives Preisniveau, welches sich am Edeka-Standard orientiert. Und wer einen gewohnten Artikel vermisst, solle sich ans Team im Markt wenden: Die Märkte hätten große Freiheiten, ihr Sortiment an die Menschen vor Ort anzupassen.

Ulrich Wahl aus Schlitz freut sich, wenn sich nicht viel ändert und man alles wie gewohnt ...

Vieles bleibt, wo es ist: Durch die Architektur bedingt ändert sich die Aufteilung ...

Einer der ersten Kunden in Schlitz: Bernd Staub.

Alle Beschäftigten bleiben

Auch eine wichtige Nachricht für viele Kunden: Hinter der Kasse stehen die bekannten Gesichter. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der übernommenen Märkte seien weiterbeschäftigt worden, auch die Auszubildenden, teilt die Hessenring mit. Geführt werden die meisten Märkte von erfahrenen Kräften aus den bisherigen Teams, an einzelnen Standorten unterstützt durch Edeka-Personal.

Schlitz: "Man findet sich zurecht"

In Schlitz ist die Aufteilung nahezu dieselbe geblieben. Wären da nicht die neuen Logos, die Farben und die Kleidung der Mitarbeiter, man würde den Wechsel kaum bemerken. Kunde Ulrich Wahl hat fast ausschließlich bei Tegut eingekauft und kennt den Supermarkt in Schlitz noch aus seiner Kindheit. "Die Erwartung ist, dass es ähnlich bleibt", sagt er. "Ich sehe auch, dass dieselben Produkte am selben Platz sind, also man findet sich zurecht." Genau das sei das Wichtigste, "dass man jetzt nicht hier was völlig Neues hat". Wie schnell der Markt wieder öffnete, hat ihn überrascht. Gefehlt hätte er ihm "auf jeden Fall".

Alexander Wahle, Marktleiter in Schlitz: Gleicher Job – anderer Arbeitgeber. ...

Annika De Tomaso dagegen freut sich gerade auf Edeka. Bisher ist die Schlitzerin dafür extra nach Fulda gefahren. "Ich lass mich gern überraschen. Erwartungen hab ich keine, aber ich freue mich, dass es auf jeden Fall hier ist." Sie schätzt die Eigenmarken, die Angebote und die Coupons in der App. Bei den Preisen rechnet sie mit einem Vorteil: "Ich denke, dass sie günstiger sind." Tegut habe dafür eben auf Qualität, Bio und Regionales gesetzt. Dass diese Kundschaft bleibt, ist auch Mitarbeiterin Bettina Schäfer wichtig: "Wir haben hier in Schlitz viele Bio-Kunden. Diese Leute kaufen bewusst ein."

Bad Salzschlirf: Der Kurort hat seinen Markt zurück

Der Markt in der Fuldaer Straße ist der kleinste der drei besuchten. Doch auch hier ist der neue Betreiber nicht zu übersehen. Wie eng die Bindung an diesen Markt ist, zeigte sich schon beim Abschied: Am vergangenen Freitag kaufte Christian Bornträger als letzter Tegut-Kunde eine Packung Merci, der Kassenbon soll einen Platz im Heimatmuseum bekommen, wie OSTHESSEN|NEWS berichtete. Seitdem wurde hier durchgearbeitet. "Da haben alle meine Mitarbeiter mitgeholfen", sagt Filialleiter Jens Fürstenberg. Von Samstag bis Mittwoch packten zudem Kollegen aus der Edeka-Zentrale mit an, aus Bauabteilung, Logistik und Personalwesen. "Anders ging das auch gar nicht, und das hat auch Spaß gemacht."

In allen Edeka-Märkten liegt der Fokus auf Frisch, Bio-Ware und Regionalität. ...

Edeka im Haune-Center Hünfeld.

Für Petra Hisserig aus Bad Salzschlirf zählt vor allem eins, egal welcher Name über der Tür steht: "Hauptsache, man hat hier so einen Supermarkt." Ulrike Wirkus schaut mit vollem Wagen genauer hin. Für eine große Frischeabteilung sei der Markt eigentlich zu klein, deshalb fahre sie weiterhin auch nach Lauterbach oder Fulda, was mit zunehmendem Alter nicht leichter werde. Das Gemüse an diesem Morgen überzeugt sie aber: "Das ist ja hier ganz frisch."

Hünfeld: Einer öffnet, einer bleibt zu

Ganz anders das Haune-Center an der Josefstraße: ein großer, geräumiger Markt mit viel Platz für ein großes Sortiment. Er wird dem gerecht, wofür Edeka stehen will, einem aufgeräumten Erscheinungsbild auf weitläufiger Fläche. Hier schaut einer mit Insiderblick durch die Gänge: Klaus Schmitt war rund 40 Jahre bei Tegut beschäftigt, heute kommt er als Rentner zum Einkaufen. Verändert hat sich für ihn auf den ersten Blick vor allem das Äußere, die Fassade und die Arbeitskleidung. Die Regale stehen weitgehend dort, wo sie standen. Von den Edeka-Märkten, die er aus Fulda kennt, erwartet er Ähnliches: "Die Läden sind ja immer sehr aufgeräumt."

Wichtig bei Edeka: große Auswahl und aufgeräumte Optik.

Kundin Angelika Geinitz: "Ich bin hier, weil ich neugierig bin, was hier geboten wird." ...

Obst und Gemüse aus der Region und in Bio-Qualität.

Angelika Geinitz hat zuletzt nicht mehr bei Tegut eingekauft, zu teuer, sagt die Hünfelderin, die sonst zu Aldi oder Norma geht. Heute hat sie die Neugier hergetrieben. Skeptisch bleibt sie bei einem Werbeversprechen: "500, 600 Kilometer sind für mich nicht mehr regional." Und die Preise? Der Marktleiter antwortet mit einem Beispiel aus der Backtheke: "Wenn man so eine Laugenstange sieht: Die kostet bei uns halb so viel. Vorher bei Tegut hat sie 1,29 Euro gekostet." Eine Laugenstange ist noch kein Warenkorb. Sie zeigt aber, wohin Edeka will: etwas günstiger als zuvor.

Ganz ungetrübt ist die Freude in Hünfeld allerdings nicht. Den zweiten Tegut-Markt der Stadt, Am Niedertor, darf Edeka nach dem Willen des Bundeskartellamts vier Jahre lang nicht übernehmen. Fast 1.000 Menschen haben für seinen Erhalt unterschrieben, die Einzelhändler in der Nachbarschaft fürchten um ihre Kundschaft.

Edeka im Haune-Center Hünfeld.

Klaus Schmitt, Hünfeld.

Aus 50 wurden 33

Ursprünglich war von mehr als 50 Tegut-Standorten die Rede, die an die Hessenring gehen sollten, nun sind es 33. Die Differenz erklärt das Unternehmen vor allem mit den sogenannten Tegut-Lädchen: Diese kleinen Dorfläden werden von eigenständigen Vereinen oder Institutionen getragen und entscheiden selbst, wer sie künftig beliefert. Ein Teil wird etwa als Tante-Enso-Standort weitergeführt. Hinzu kommen Märkte wie der am Hünfelder Niedertor, bei denen das Kartellamt Edeka einen Riegel vorschiebt.

Typisch für Edeka: große Flächen und viel Platz in den Gängen.

Logistischer Kraftakt: Innerhalb von nur fünf Tagen wurden in allen Märkten neue ...

Neben anderen Lebensmittelmärkten ist Edeka in Hünfeld im Haune-Center integriert. ...

Langfristig sollen die Märkte in die Hände selbstständiger Edeka-Kaufleute übergehen, die als Unternehmer vor Ort über Sortiment und Personal entscheiden. So ist die genossenschaftlich organisierte Edeka-Gruppe aufgebaut. Einen festen Zeitplan gibt es dafür nicht, jeder Standort werde individuell betrachtet. Wie stark der Hessenring in Osthessen durch die Übernahme geworden ist, lässt sie offen und verweist auf die Marktforscher. Die 33 Märkte seien "keine Frage des Marktanteils" gewesen, sondern der Nahversorgung in der Region sowie der Perspektive der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ob aus den bisherigen tegut-Anhängern künftig Edeka-Fans werden, entscheidet sich definitiv an den Regalen. (Christoph Blum) +++

Der Markt in Bad Salzschlirf.

Edeka Bad Salzschlirf.

Petra Hisserig: "Am besten finden wir, dass die Versorgung hier in Bad Salzschlirf nur kurz unterbrochen ...

Edeka Schlitz.

Petra Käsmann, Christin Lehmann freuen sich auf die neue Ära in Schlitz.

Annika De Tomaso beim morgendlichen Einkauf in Schlitz.

In Hünfeld läuft’s: Keine Probleme am ersten Verkaufstag.

Kommt aus der Edeka-Welt und hilft Bad Salzschlirf in der Einführungsphase auf die Beine: Marktleiter ...

Kundin Ulrike Wirkus in Bad Salzschlirf fiel auf ersten Blick die reichhaltige Gemüseabteilung ...

Bad Salzschlirf.

Bad Salzschlirf

Bad Salzschlirf.

Bad Salzschlirf.


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