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23.04.10 - TISCHTENNIS

ETTU-Cup: Nur 2 Sätze bis Europacup-Finale: Fulda Favorit gegen Hanau

Mit 3:0 siegten Waldner & Co. Im Hinspiel – nur zwei Satzgewinne fehlen den auch in der Liga so erfolgreichen Maberzellern im vierten Hessenderby dieser Saison, um morgen erstmals in der Vereinsgeschichte in ein Finale eines internationalen Wettbewerbs einzuziehen. Das Spiel ist in der Fuldaer Wilmingtonhalle um 19 Uhr. Die jungen Hanauer haben zwar eine sehr ordentliche Saison absolviert und sind im ETTU-Cup viel weiter vorgedrungen als von sämtlichen Experten erwartet, haben sich mit den Osthessen aber bislang stets äußerst schwer getan – 0:3, 0:3, 1:3 lautet die bisherige Bilanz. Alles deutet darauf hin, dass sich im ETTU-Endspiel der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell und das Samsonov-Team Orenburg gegenüberstehen werden.

Im Jahr 2008 hatte man das große Ziel noch knapp verfehlt und war an Angers nach einem 3:2 im Hinspiel und einer 2:1-Führung auswärts noch hauchdünn im Halbfinale gescheitert. Diesmal soll ähnliches nicht mehr passieren, zumal der TTC des Jahres 2010 aus einem ganz anderen Holz geschnitzt ist und Siegchancen in aller Regel konsequent nutzt. Heute hat man einen Wang Xi (Foto), einen der vielleicht drei besten Abwehrspieler der Welt, und ist ein ganzes Stück stärker aufgestellt als vor zwei Jahren. Man könnte sich allenfalls noch selbst ein Bein auf dem Weg ins Finale stellen – Wang, Svensson, Waldner und Meng sind aber dafür bekannt, nichts zu verschenken und auch in kämpferischer Hinsicht den Fans immer etwas zu bieten.

Für Fulda, das - wie Düsseldorf und Ochsenhausen - noch auf zwei Hochzeiten tanzt und erstmals in der Klubhistorie auch in ein Endspiel um die Deutsche Meisterschaft einziehen will, stellt das Semifinalrückspiel am Samstagabend in der Wilmingtonhalle nur ein Etappenziel dar, für Gegner Hanau schließt sich dagegen im Normalfall der Kreis und man darf die erste erstklassige Saison damit als beendet betrachten.

Hanau kann zufrieden auf die Runde zurückblicken: In einer extrem starken DTTL hat man - trotz zahlreicher junger Spieler und Verletzungspechs - den Klassenerhalt in überzeugender Manier bewerkstelligt und auf internationaler Bühne durch Siege gegen Turin, Moskau und Priego für Furore gesorgt. Das zu vermutende Ausscheiden im Europapokal-Halbfinale ist fraglos aller Ehren wert. Zudem hat man es gleich im ersten Anlauf geschafft, die bis dato im Profisport jungfräuliche TG Hanau zum Markenzeichen in der Rhein-Main-Region in Sachen Spitzentischtennis zu machen.

Man bleibt konsequent bei dem eingeschlagenen Weg, den deutschen Talenten im ETTU-Pokal das Vertrauen zu schenken – auch wenn etwas anderes angesichts eines verletzten Chiang Hung-Chieh und eines Jörg Roßkopf, der seinen spektakulären Abschied bereits hinter sich hat, personell gar nicht möglich wäre. Mengel, Filus und Franziska sollen weitere Erfahrungen gegen hochkarätige Widersacher sammeln und da bieten sich derartige Spiele förmlich an, zumal diesmal – angesichts der eindeutigen Ausgangsposition – der Druck auf die TGH-Akteure gegen Null strebt. Steffen Mengel, der zuletzt zweimal gegen Wang Xi gut ausgesehen hat, würde zu gerne ein weiteres Mal gegen das Defensiv-Ass aus dem Reich der Mitte antreten und den ersten Pflichtspielsieg gegen Wang verbuchen. Aber der Chinese ist vor dem in der Rückrunde teilweise begeisternd aufspielenden baumlangen Siegerländer - 7:3 lautet Mengels Bilanz in der DTTL, 8:1 sogar im ETTU-Cup - gewarnt und gut vorbereitet, sollte es erneut zum Duell der beiden kommen.

Fuldas Vorsitzender Stefan Frauenholz will nichts von einem gemütlichen Schaulaufen wissen: „Natürlich ist das ETTU-Halbfinale für uns kein lockeres Trainingsspielchen, sondern ein Match in dem der Endspiel-Teilnehmer im Europapokal ermittelt wird. Der soll natürlich Fulda heißen! Unsere Gedanken gehen nur von Spiel zu Spiel und wir konzentrieren uns jetzt voll auf Hanau.“ Ob das 44-jährige Tischtennis-Genie aus Schweden mithelfen kann, lässt Frauenholz offen: „Ob Waldi wieder fit ist, wird sich kurzfristig entscheiden.“ Vizepräsident Claus-Dieter Schad hatte nach dem Hinspiel, in dem lediglich Steffen Mengel einen Satzgewinn für die Brüder-Grimm-Städter verbuchen konnte, angekündigt: "Es wird ein entspanntes Rückspiel ohne viel Druck geben, in dem beide Mannschaften den Zuschauern nochmals etwas zeigen können. Wir können uns schon mal mit der Flugroute nach Orenburg befassen.“ Heute macht Schad eine kleine Einschränkung: „Wenn Wang Xi den ersten Punkt macht, können wir befreit aufspielen und dem Publikum tolle Spiele bieten.“

TGH-Manager Johannes Herrmann erwartet von seinen Jungs nochmals einen ansprechenden, beherzten Auftritt: „Wir haben das Hinspiel deutlich verloren, jedem ist klar, dass unsere Chancen nicht sonderlich groß sind, aber jeder unserer drei Youngster kann sich nochmals auf internationalem Parkett zeigen – wir halten an unserer Marschroute fest, dass die Jungen die Europapokal-Bühne als Plattform für sich und ihre persönliche Weiterentwicklung nutzen können. Jeder unserer Spieler wird ans Limit gehen und bis zum Umfallen kämpfen. Was für ein Ergebnis dann letztlich herauskommt, wird man sehen. Das hängt natürlich auch davon ab, wie Fulda aufstellt. Steffen Mengel würde nach zwei tollen Spielen auf Augenhöhe gegen Wang Xi sicher gerne eine dritte Chance haben, ihn zu schlagen. Ruwen Filus hat im ETTU-Cup starke Spiele gezeigt und war auch im letzten DTTL-Spiel sehr gut drauf. Patrick Franziska hat bereits einmal gegen Svensson sehr gut ausgesehen. Auch wenn unsere Chancen niedrig anzusetzen sind, ist es für uns ein schöner Abschluss einer tollen ersten Saison.“ (DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher). +++

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