„Jetzt müssen wir nur noch zusammenhalten, damit Ihnen, Herr Savigny, nicht als Person, sondern in dem Projekt, die Luft ausgeht“: Albert Hof, ehemaliger Kreistagsvorsitzender und bekennender Gegner des umstrittenen Golfplatzausbaus in Somborn, nahm bei der Gründungsveranstaltung des Bürgerforums Freigericht für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung und gegen eine 2. Golfanlage in Somborn „kein Blatt vor den Mund“. 250 Bürger kamen am Montagabend ins Gasthaus Engel. 150 erklärten sich zu einer aktiven Mitarbeit bereit. Schon seit Monaten erhitzt das Vorhaben von Hubert von Savigny, einen weiteren 9-Loch-Golfplatz auf 40 Hektar Somborner Gemarkungsfläche zu erschließen, die Gemüter. Viele befürchten, „ein schönes Stück Somborner Kulturlandschaft - die Postkartensicht der Gemeinde“ zu verlieren.
Savigny betonte im Rahmen der Versammlung, dass es ihm rein darum ginge, den Platz zu erhalten, ein neues Hotel zu erschließen und weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Die Erweiterung des Golfplatzes stehe an zweiter Stelle. Für viele Bürger kam es sehr überraschend, aber dennoch zu spät, dass Savigny plötzlich mit solch „offenen Karten“ spielte. Es folgte die Wahl eines Sprecherkreises für das Bürgerforum. Dieser setzt sich aus Rolf Schmitt, Uwe Amrhein und Albert Hof zusammen. Als Kontaktpersonen zu den Gemeindeorganen wurden Holger Franz (CDU), Karl Nebenführ (SPD) sowie als dessen Stellvertreter Franz-Josef Pfeifer und Peter Panzner bestimmt. Seitens der Bürgerschaft stehen Josef März, Martin Müller, Raimund Seliger, Christine Sperber-Pretzel und Silvia Teuber dem Gremium beratend zur Seite. Zuvor hatte Amrhein die Pläne scharf kritisiert: Ihm sei es unerklärlich, wie eine solch große Fläche ohne „größere Fragen“ beansprucht werden könne. Bislang kenne man noch nicht mal den Betreiber und der Investor habe keine Zahlen zur Wirtschaftlichkeit präsentiert, was beim Bau jedes kleinen Supermarktes selbstverständlich sei.
Außerdem, so Amrhein, stelle man sich ernsthaft die Frage, was denn passiere, wenn der Golfplatz „rote Zahlen“ schreibe. Werde an eine Bürgschaft für den Rückbau gedacht? Große Angst bestehe vor einer Landschaftsruine. „Von 12 Plätzen im Kreis schreibt nur einer schwarze Zahlen“, begründete Amrhein sein Misstrauen. Man wolle keine Lippenbekenntnisse, sondern nun endlich Klarheit und Transparenz. Nicht mal eine städtebaulicher Vertrag, dem im März 2008 vom Gemeindeparlament zugestimmt wurde, kam bislang zustande. Vermisst werde auch ein eindeutiges Betriebskonzept und die Planung zur Abwasserableitung und der Wasserversorgung.
„Stopp!“ hieße es seitens der Bürger auch für den Bau eines neuen Kreisverkehrs an der Landestraßen-Kreuzung: Erschließungsbedingt soll die Gemeinde und somit der Steuerzahler für die Kosten aufkommen. „Es ist klar, so kann es auf keinen Fall weitergehen“, betonte der Initiator. Nachdem Holger Franz und Karl Nebenführ einen Einblick in den aktuellen Stand des Verfahrens gaben, redete Rainer Semetz, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, den Teilnehmern ins gewissen: „5 Hektar Verlust an Ackerflächen entstehen jeden Tag. Das ist ungefähr die Größe eines Fußballplatzes“ Nach dieser These gebe es 2020 keine Landwirtschaft mehr. Zudem werde weniger erzeugt, als verbraucht werde. 40 Hektar wertvolles Acker- und Weideland gingen beim Bau des zweiten Golfplatzes verloren. Und auch die Fachbehörden des Kreises hätten erhebliche Bedenken.
In einer anschließenden Diskussionsrunde unter Moderation von Albert Hof hagelte es Kritik an der Arbeit des Gemeindevorstands: „Wir bräuchten heute alle nicht zusammensitzen, wenn sich die Verantwortlichen damals den Vorschlägen angeschlossen hätten.“ Es sei ein Grundvergehen gewesen, nicht auf die Belange der Bürger zu hören. „Ich finde es eine Frechheit, dass über Dinge, die uns alle angehen, eine solche Geheimhaltung betrieben wird“, ärgerte sich Klaus Peter aus Somborn. Überparteiisch, offen und flexibel präsentiert sich hingegen das Bürgerforum. Rolf Schmitt zeigte sich optimistisch und beruhigte die erhitzten Gemüter: „Ich bin mir sicher, dass dieser Weg ein gutes Ende finden wird.“ (dbo). +++