Die Wunden sind geleckt, nun wollen die vor wenigen Tagen gegen Ochsenhausen so knapp am Finaleinzug um die deutsche Meisterschaft gescheiterten Osthessen es nochmals wissen und im ersten Endspiel um den ETTU Cup das fast Unmögliche möglich machen. Mit den Fans im Rücken soll das russische Topteam Orenburg trotz eines Vladimir Samsonov bezwungen werden. Es gilt, sich am morgigen Freitag (19 Uhr) beim Heimspiel in der Fuldaer Wilmingtonhalle gegen Fakel Gazproma Orenburg eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel einen Monat später zu sichern.
Das Schicksal hält eine weitere Chance für die Waldner-Truppe bereit, einen Titel zu erringen. Im Finalhinspiel um den ETTU Cup, vielfach auch als Europapokal bezeichnet, empfängt man in der sicher wieder bis auf den letzten Platz gefüllten Wilmingtonhalle den hohen Favoriten aus dem russischen Orenburg zum Schlagabtausch. Der Gast hat Weltklassespieler wie Europas Nummer zwei, Vladimir Samsonov, den EM-Halbfinalisten Fedor Kuzmin oder Alexei Smirnov, einst selbst in Fulda aktiv und aktuell Nummer 36 im Welt-Ranking, im Kader und dürfte alles andere als leicht zu knacken sein.
Im Gegensatz zum Ochsenhausen-Spiel darf man diesmal nicht fest auf zwei Wang-Xi-Punkte setzen, da gerade „Vladi“ Samsonov mit seinem überragenden Ballgefühl das Spiel gegen Abwehr perfekt beherrscht. Aber vielleicht ist diese Konstellation gar nicht so ungünstig, da somit der Druck auf den 1,80 Meter großen Defensivkünstler aus dem Reich der Mitte nicht so groß ist wie vor einer Woche, als jedermann von ihm zwei Einzelsiege erwartete, was ihm erkennbar nervlich zu schaffen machte. Dass Orenburg trotz aller Klasse nicht unverwundbar ist, bewies das Halbfinalrückspiel vor 14 Tagen gegen den polnischen Vertreter Bogoria Grodzisk, das Samsonov & Co. in eigener Halle mit 1:3 verloren – aufgrund eines 3:0-Siegs im Hinspiel kam man jedoch mit einem blauen Auge davon und zog ins Finale ein.
Fulda-Maberzell ist nicht chancenlos im ersten großen Endspiel der Vereinsgeschichte, allerdings wird es wohl einer Riesenleistung in absoluter Topform bedürfen - und das gleich zweimal -, um die favorisierten Russen in die Schranken zu weisen und die erfolgreiche deutsche ETTU-Cup-Tradition fortzusetzen. Zuletzt, in der Saison 2008/09, war es der ebenfalls als Außenseiter in die Finalspiele gegangene SV Plüderhausen, der in diesem Wettbewerb triumphierte.
TTC-Vorsitzender Stefan Frauenholz hält einen Erfolg nicht für ausgeschlossen: „Wir haben das unglückliche Ausscheiden gegen Ochsenhausen abgeschüttelt, die Stimmung ist wieder positiv. Wir sind kampfbereit und haben uns vorgenommen, gegen Orenburg voll aufzuspielen. Natürlich ist uns klar, dass es ein schwieriges Spiel wird – mit einem Samsonov auf der Gegenseite kann es nicht einfach werden -, aber wir wollen das Beste daraus machen und rechnen uns eine reelle Chance aus. Die Halle wird voll sein, die Fans werden uns den Rücken stärken.“ Eine konkrete Vorstellung hat der Maberzeller Chef auch davon, wie das Ergebnis lauten könnte, um seine Truppe aussichtsreich im Rennen zu halten: „Ein 3:2 wäre unser Wunschergebnis, ein 3:1 ein Traumergebnis.“
Einen Tick pessimistischer gibt sich Qingyu Meng: „Läuft es gut, gewinnen wir 3:2. Auf keinen Fall dürfen wir jedoch 0:3 verlieren. Dann hat man keine Hoffnung mehr und auch keinen Spaß am Rückspiel.“ Den Gegner schätzt Fuldas Spielertrainer als extrem spielstark ein: „Auf jeden Fall sind sie stärker und gefährlicher als Ochsenhausen. Wir werden unser Bestes geben. Vielleicht gelingt uns ja die Überraschung und wir holen den Titel. Im Tischtennis ist alles möglich. Allerdings ist Orenburg ein ordentliches Kaliber.“ Meng hat seiner Mannschaft, die auch kommende Saison in unveränderter Besetzung zusammenspielen wird, kein Spezialtraining verordnet: „Es gab keine besondere Vorbereitung. Sicherlich haben wir etwas taktisch trainiert, aber so viel ist da nicht zu machen. Wang Xi ist Abwehrspieler, da kommt es darauf an, dass die Bälle sicher und gut kommen, und Waldi weiß sowieso alles.“
Überhaupt ist Maberzells spielender Coach, selbst Penholder-Linkshänder, immer noch fasziniert von dem genialen „alten“ Schweden: „Der ist schon ein Phänomen. Zwei Wochen war er verletzt, trainierte dann vergangenen Donnerstag eine und am Freitag vor dem Spiel eine halbe Stunde und zeigte dann diese gute Leistung.“ Waldners Landsmann im Team bereitet Meng mehr Kopfzerbrechen: „Bei Robert ist es mehr Arbeit. Er ist im Training gut, wird im Spiel allerdings zu leicht nervös, das ist reine Kopfsache.“
Vladimir Samsonov, der sich mit seinen Teamkollegen in Ochsenhausen auf die Partie vorbereitet, geht keineswegs von einem Selbstläufer aus: "Das wird ein sehr schwieriges Match. Wang Xi ist sehr gefährlich und man weiß nie, was von einem Jan-Ove Waldner zu erwarten ist."
Fuldas Frühlingsmärchen geht also in die nächste Runde – ein guter Start in die Finalserie wäre den Osthessen wirklich zu gönnen. Man braucht kein Prophet sein um vorauszusagen, dass der große Final-Showdown im Europapokal wieder mit reichlich Spannung garniert sein wird. Vielleicht kommt es ja diesmal zum gegen Ochsenhausen vergeblich herbeigesehnten Happyend. (DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher ). +++