„Fliegen & Musik.“ - So lautete auch heuer wieder das Motto des Flugplatzfestes, das alljährlich auf dem Grasberg von Bad Neustadt an Pfingsten die Menschen anlockt. Scharenweise kamen sie von weit und teilweise auch sehr fern angereist. Ein attraktives Rahmenprogramm sorgte wie immer für Kurzweil und Vergnügen. Aero-Club und Musikkapelle Mühlbach hatten sich zusammengetan, das hat längst schon Kultstatus erreicht. Sehnsüchtig erwartete endlich mildere und vor allem trockene Temperaturen luden zum Kommen ein. Bilderbuchwetter sollte man meinen, angesichts prächtigen Sonnenscheins mit schon fast sommerlicher Vorahnung.
Fluglehrer Peter Gehret allerdings wusste es besser. Der für die Besucher so angenehme laue Wind birgt seine Gefahren. Für die Modellflieger sowieso, denn die sind ja besonders windanfällig, so dass die Besitzer ihr ganzes Können aufbieten mussten, um die leichten Modelle wieder sicher zu landen. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein“, meinte der Moderator. Denn die Modellflieger ließen ihre pfeilschnellen Fluggeräte nicht nur spektakuläre Loopings drehen, sondern auch in der Luft „torkeln“, was den Eindruck vermittelt, schlicht in der Luft zu stehen, kopfüber und seitwärts fliegen, sie zeichneten so nebenbei schöne Gebilde in die Luft.
Immer wieder munterte eine Stimme per Mikrofon auf, die Gelegenheit zu Rundflügen über die Stadt oder bis in die Rhön hinauf zu nutzen. Selbstverständlich könnten Waagemutige auch eines der Kunstflugzeuge besteigen um die Freiheit über den Wolken zu genießen. Looping gefällig? Klar doch, schließlich wollten doch alle wissen, was dann aus dem getrunkenen Bier oder der verspeisten Bratwurst wird.
Modellflugzeuge und Ultraleichtmodelle kreisten über die Köpfe der Menschen hinweg. Waren die Mainzelmännchen auf ihren runden Scheiben schon am Boden ein echter Hingucker – auf engem Luftraum kamen sich die acht Flugakrobaten beängstigend nahe. Der ein und andere versuchte sich dabei gar im Kunstflug. Dass dabei ein Mainzelmännchen getrennt von seinem fahrbaren Untersatz im Gras landete, war nicht so schlimm. Die halten das im Gegensatz zu menschlichen Flugsportlern schon wesentlich besser aus.
Wechselnde Musikkapellen sorgten obendrein für Stimmung. Der Duft gegrillter Bratwürste und frischem Popcorn mischte sich mit dem von Bier und Kerosin: eine gar eigenartige Mischung. Gleich mehrfach konnten Fallschirmspringer bewundert werden. Bei eher zart besaiteten Gemütern konnte sich schon alleine vom Anblick ein heftiges Rumoren in der Magengegend spürbar machte. Die Springer indes landeten butterweich, sicher und absolut gekonnt.
Dass über den Wolken die Freiheit wohl grenzenlos sein muss, hat schon der Chansonnier Reinhard Mey besungen. Lautlos am Himmel schweben, wie ein Vogel durch die Lüfte gleiten und den Alltag unter sich zurücklassen: Der alte Traum vom Fliegen machte sich bei vielen Gästen breit. Dass ohne eine helfende Hand ein Segelflieger nicht weit kommt, verdeutlichte der zwischendurch gezeigte Film sehr eindrucksvoll. In dieser lautlosen Sportart zählt vor allem der Teamgeist. Fliegen lernen kann übrigens jedermann. Frauen und Männer, alt wie jung. Eine Menge Theorie muss gebüffelt werden, dazu ein fliegerärztlich bescheinigter gesundheitlicher Taug vorliegen und los geht das Vergnügen.
Großes Vergnügen bereiteten auch die Ballonfahrer: denen, die einfach nur zuschauten, wie sich die bunten Ballone blähten, abhoben und dann in der Ferne entschwanden ebenso wie denen, die selbst eine Fahrt buchten, um den Blick aus der Vogelperspektive auf das weltliche Treiben zu wagen.
Und zu all dem Bilderbuchwetter vom Feinsten: Glück gehabt, jubelten die Aktiven vom ausrichtenden Aeroclub. Achso, ja, wie war das doch gleich: Das Glück pflegt mit den Tüchtigen zu sein. Letzteres kann man den vielen Helfern durchaus bescheinigen. In aller Ruhe, still und wie selbstverständlich wird auf dem Neuschter Grasberg zusammen geholfen, zusammen gelebt und, natürlich: zusammen der Leidenschaft im Luftsport gefrönt. (ger). +++