Die Bürgerstiftung Hanau Stadt und Land hat die Haingarten-Schule Bruchköbel und den Verein Box-Gym Kesselstadt mit dem Förderpreis „Wir leben gemeinsam – gegen Gewalt unter Jugendlichen“ ausgezeichnet. Die Preisträger erhalten jeweils 3.000 Euro. An der Verleihung des Förderpreises nahmen Landrat Erich Pipa, Kuratoriumsvorsitzender der Bürgerstiftung, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Bürgerstiftung, Landrat a.D. Karl Eyerkaufer, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung, sowie Robert Restani, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung, teil.
Eyerkaufer wies in seiner Begrüßung auf die Bedeutung des Preises hin. „Mit diesem Preis möchte die Bürgerstiftung ein Zeichen setzen gegen Jugendgewalt und für ein dauerhaftes, friedliches Zusammenleben“, erklärte der ehemalige Landrat des Main-Kinzig-Kreises. Denn in Zeiten zunehmender Gewaltbereitschaft unter jungen Menschen und der steigenden Zahl Kinder und Jugendlicher mit Migrationshintergrund werde dies zu einer großen Herausforderung.
Pipa stellte in seiner Laudatio das Projekt der Haingarten-Schule Bruchköbel vor. Die Schule widme sich intensiv dem Thema „Gewaltprävention“. Grundlage sei ein von Lehrern, Schülern und Eltern getragenes Schulprogramm, das durch verschiedene pädagogische, sozialpädagogische und strukturelle Maßnahmen zu einer Verbesserung des Schulklimas geführt hat.
„Gewaltprävention ist an der Haingarten-Schule kein isoliertes Nebeneinander von Einzelaktionen, sondern ein mehrstufiges, vernetztes Gesamtprojekt, das gemeinsam vom Lehrern, Eltern und Kindern umgesetzt wird und auf Nachhaltigkeit und Wirksamkeit hin angelegt ist“, erklärte Pipa. Die Teilprojekte generieren Synergien und strahlen so auch auf andere Lernbereiche und letztendlich den Unterricht aus. So seien seit Einführung des STOPP-Projekts im Jahr 2002, das Kinder befähigen soll, Konflikte gewaltfrei auszutragen, immer wieder Teilprojekte erfolgreich und nachhaltig verwirklicht worden. 2009 wurde das „Mut tut gut“-Projekt in fünf Klassen des vierten Jahrgangs umgesetzt. Schüler konnten hier ihre Handlungsmöglichkeiten in Konflikt- und Gewaltsituationen weiter verbessern. Mit regelmäßigem Verhaltenstraining werde in verschiedenen Projekten eine besondere Nachhaltigkeit und Wirksamkeit erreicht.
Auch für die Zukunft hat sich die Haingarten-Schule viel vorgenommen. So möchte sie verbale Gewalt unter Schülern weiter reduzieren. Aktuell arbeitet die Schule am Projekt „Auszeitklasse/Trainingsraum“. Hier werde diskutiert, wie man mit Schülern umgehen könne, die sich im Unterricht untragbar verhalten. Darüber hinaus werde diskutiert, wie Lehrer intervenieren können und was zu tun sei, wenn alle Interventionen im Klassenzimmer scheitern.
Kaminsky würdigte das Projekt von Box-Gym Kesselstadt. Das Box-Gym Kesselstadt e.V. befindet sich im JUZ k.town, einer Einrichtung für offene Jugendarbeit der Evangelischen Kirche und Stadt Hanau. Das Boxangebot besteht seit November 2003. Bei Jugendlichen stoße das Boxtraining auf großes Interesse und werde gut angenommen. Häufig kommen die Jugendlichen aus bildungsfernen Familien. Viele haben einen Migrationshintergrund.
Durch das Boxtraining biete sich die Möglichkeit, an Themen wie Grenzen und Regeln, Umgang mit Gefühlen, Respekt und Wertschätzung, Fairness und Frustrationstoleranz zu arbeiten, so Kaminsky. "Die Jugendlichen sollen die beim Boxtraining erworbenen Fähigkeiten auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Eine höhere Disziplin, ein größeres Selbstbewusstsein, ein souveräner Umgang mit Niederlagen und ein erhöhtes Maß an Selbstkontrolle soll zu verbesserten schulischen Leistungen und Sozialverhalten führen“, erklärte Kaminsky.
Seit das Box-Angebot besteht, haben über 100 Jungen und 50 Mädchen am Training teilgenommen. Im Jugendzentrum wird derzeit an drei Tagen in der Woche insgesamt zwölf Stunden Boxtraining angeboten. Hinzu kommt die Teilnahme an offiziellen Wettkämpfen des Hessischen Amateurboxverbandes. Im Jahr 2010 und 2011 sollen weitere Änderungen vorgenommen werden. So soll eine weitere Schülerhilfegruppe eingerichtet werden, um vor dem Training Hausaufgaben-Nachhilfe anzubieten. Zudem ist an eine Einsteigergruppe gedacht, um der Fluktuation in den einzelnen Gruppen entgegenzuwirken. Ein zweiter Trainingstermins für 10- bis 14-jährige soll eingerichtet werden, und es ist beabsichtigt, stark besuchte Trainingstermine mit zwei Trainern zu besetzen. +++