Nach dem Sieg der deutschen Elf im letzten Vorrunden-Spiel der WM gestern Abend haben tausende Fußball-Anhänger in ganz Osthessen den Einzug ins Achtelfinale gefeiert. Doch wie so oft bei Großveranstaltungen ist von Anfang an klar: Wenn die einen müde ins Bett fallen, fängt für die anderen die Arbeit an - insbesondere für die Mitarbeiter der Stadtreinigung. In der Biber-Arena in Bebra haben Fans jedoch offenbar das übliche Maß weit hinter sich gelassen. Der Geschäftsführer der Stadtentwicklung Bebra GmbH, die das Rudelgucken für die Stadt Bebra veranstaltet, hat sich deshalb mit einem Offenen Brief an die Medien gewandt. Darin plädiert er zum einen für mehr Ordnung und Sauberkeit, zum anderen für mehr Respekt gegenüber den Menschen. Lesen Sie im Folgenden den Brief im Wortlaut:
"Offener Brief: An die Besucherinnen und Besucher der Biber-Arena
Für mehr Respekt und Anstand!
Wir sind angetreten auch in 2010 wieder die Spiele der deutschen Nationalelf in Südafrika zu übertragen und somit die Begeisterung, die Euphorie, Spaß und Freude der WM nach Bebra zu holen. Nach dem gestrigen Spiel herrscht bei mir persönlich große Katerstimmung und Ernüchterung. Und dies hat nichts mit dem Spiel der deutschen Nationalelf zu tun.
Wer mich kennt, weiß, dass ich ein geduldiger und ruhiger Mensch bin, es ist aber ein Maß erreicht, dass die Grenzen des Zumutbaren weit überschritten hat. Sicherlich könnte man sagen, wo gehobelt wird, da fallen Späne, aber wenn
· mitgebrachte Getränkeflaschen wahrlos auf den Boden, in Hauseingänge, auf Straßen etc. geworfen werden,
· tonnenweise Scherben herumliegen,
· Glasflaschen zwischen spielende Kinder geworfen werden,
· Scherben im Sandkasten landen,
· in Vorgärten, an Bäume und sonstige Ecken uriniert und gekotet wird,
· im Vorraum des Toilettenwagens gekotet wird,
· der Toilettenfrau „Schläge auf die Fresse“ angedroht werden und sie Angst hat ihren Job zu erledigen - für den wir alle dankbar sein können, dass sie sich bereit erklärt hat, unseren aller Mist zu beseitigen
· Festzeltgarnituren zerschlagen werden,
· von der Drohung eines jungen Feuerwehrmanns mal abgesehen, der mir stolz seinen Feuermelder zeigte und mich fragte, was dies sei, ich die Antwort bekam, wenn ich mal einen Unfall haben sollte, ich im Graben mit keiner Hilfe zu rechnen habe, sondern verrecken solle.
Wenn dies alles zum Normalbetrieb, der Biber-Arena zählt, stelle ich mir die Frage, sollte man das Ganze nicht kurz und schmerzlos beenden? Wofür tun wir uns – Veranstalter, Gastronomie, Technik, Sponsoren, Moderatoren, Toilettenfrau etc. dies überhaupt noch an?
Als Fußballfan möchte ich eigentlich ein paar schöne, friedliche Stunden in der Biber-Arena mit vielen anderen Fußballfans erleben – möglichst bis zum Finale.
Und daher mein Appell an alle Gäste: bitte einfach so benehmen, wie Sie/Ihr es auch zu Hause tun würdet! Denn wer uriniert schon vor seinen Fernseher, wer wirft wahrlos Flaschen in seiner Wohnung herum oder zerschlägt seine Möbel???
Bitte ein wenig mehr Respekt gegenüber den Menschen, die für Ordnung und Sauberkeit vor, während und nach den Spielen sorgen! Wenn jeder seinem Nebenmann freundlich darauf aufmerksam macht, dass man den Müll auch in den zahlreichen aufgestellten Mülleimern entsorgen kann und somit das „Wohnzimmer“ Biber-Arena, so verlässt, wie man es vorgefunden hat, dann würde mir persönlich die Biber-Arena auch wieder Spaß machen!"
Stefan Knoche, Stadtentwicklung Bebra GmbH und Fußballfan