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Die Gruppe Rhön/Palmsberg III mit Pferd Rasmus. - Fotos: Partl

Die Gäste aus Neustadt/Coburg mit Pferd Donatello.

07.07.10 - Großbardorf

Faszination Voltigiersport - ein ganzer Tag für die "Akrobatik auf dem Pferd"

Der Voltigiertag in Großbardorf war eine weit und breit einzigartige Idee, denn in der Region ist diese Sportart, noch dazu auf sehr hohem Niveau, bislang noch kaum verbreitet. Kenner der Szene sprechen von „unglaublich Zauberhaftem“, von Mitreißendem und von lebenslanger Faszination. Davon konnten sich zahlreiche Besucher nun persönlich ein Bild machen.

Gemeinsam mit dem Voltigierverein Rhön/Palmsberg aus Unterebersbach, dem einzigen im Landkreis Rhön-Grabfeld übrigens, lud der Reit- und Fahrverein am Sonntag zum Voltigiertag ein. Schon die Showübungsstunde mit dem Voltigierpferd Sunny überraschte bislang noch nicht mit diesem Sport in Berührung Gekommene mit einem tiefen Einblick in den Sportalltag. Gekrönt wurde diese mit der „Sonny-Gruppe“ des Rhön/Palmsberger Vereins. Voltigieren ist eine Mischung aus Akrobatik, aus tänzerischer Leichtigkeit, aus Vorführungen, die aus Pflicht und Kür bestehen, unterlegt mit Musik und immer hoch zu Ross, immer in Gemeinschaft mit Kumpel Pferd. Das schweißt zusammen und verlangt eine hohe Bindung zwischen Mensch und Tier.

Damit das jeweilige Pferd nicht über Gebühr strapaziert wird, trainieren Voltigierer ihre Übungen auf einer Tonne, die einem Pferd weitgehend nachgebildet ist. Spektakuläre Tonnenübungen zeigte der sowohl zahlen- wie gruppenmäßig sehr starke Voltigierverein aus Unterebersbach. Aber auch die Gäste aus Neustadt bei Coburg konnten sich dabei durchaus sehen lassen. Stetig wechselten sich Akrobatik, Gruppenvorführen, Tänze, Doppel- und Einzelvorführungen ab. Stets braucht es einen erfahrenen Longenführer und ein Pferd, das willig und ausdauernd Runde für Runde je nach Verlangen in Schritt oder Galopp geht und dabei absolut zuverlässig ist. Für das Pferd eine sehr hohe Anforderung, denn bis zu drei Voltigierer sitzen, knien, stehen auf ihm und zeigen dabei noch verschiedene hochakrobatische Figuren.

Eine Zirkus-Pferde-Dressur sorgte für Heiterkeit, Höhepunkt war die Cat’s Show der Gäste. Dazwischen gab es jede Menge unterhaltsame Portiönchen an Informationen. Die Ursprünge des Voltigierens liegen in der Kavallerie. Ziel der Übungen war es dabei Gleichgewicht, Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer der Soldaten zu schulen. 1920 war diese Sportart in Antwerpen sogar olympisch. Felszeichnungen nordgermanischer Stämme in Südskandinavien, die einen stehenden Menschen auf einem „pferdeähnlichen Tier“ zeigen, datieren sogar noch vor Christi Geburt. Die etruskische Jugend beispielsweise soll großen Spaß daran gehabt haben, sich in Wagen-, Pferderennen, Reiterspielen, Faustkämpfen, Sprung, Lauf und Wurf zu üben. Es wurden Sprungübungen jeder Art durchgeführt.

Daraus könne man unter anderem schließen, dass auch Aufsprungübungen am Pferd vollführt wurden. Es entwickelte sich, wie auch aus den Grabgemälden interpretiert, das „desultores“, das so genannte Wechselreiten. In dieser beliebten Disziplin hatte ein Reiter außer dem berittenen Pferd noch ein Handpferd, auf welches er nach Belieben wechseln konnte. Aus diesen Quellen geht hervor, dass das Voltigieren eine der ältesten Sportarten überhaupt ist. Die Renaissance war nicht nur die „Wiedergeburt“ im kulturellen, sondern auch im sportlichen Sinne der Antike. Die „Brutalität“ des Mittelalters wurde zurückgelassen und es kamen wieder „feinere“ Sportarten auf. Nun war es nicht mehr ausreichend, wie im Mittelalter nur reiten und kämpfen zu können.

Die Höflinge mussten gebildet sein und gute Manieren besitzen, dabei galt es auch sich vornehm und grazil bewegen zu können. Hier waren die mittelalterlichen Kampfspiele eine gute Grundlage, denn nun entwickelte sich aus dem Auf- und Abspringen das eigentliche Voltigieren, welches mit dem lateinischen Begriff „volte sive giri“ bezeichnet wurde. Die ersten Deutschen Gruppen-Meisterschaften fanden 1963 in Wiesbaden statt. Im Jahr 1972 hatte das Voltigieren seinen zweiten großen Auftritt bei Olympia in München. 1986 wurden die ersten Deutschen Meisterschaften im Einzelvoltigieren ausgetragen. Im Jahre 1984 fand die erste Europameisterschaft statt.

Nachdem 1986 die ersten Weltmeisterschaften in der Schweiz ausgetragen wurden, entwickelte sich das Regelwerk des Voltigierens immer weiter.

Alle vier Jahre fanden seither die Weltreiterspiele mit dem Voltigieren statt. In deren Entwicklung zeigt sich, dass Deutschland bis jetzt ungeschlagen in der Gesamtwertung Platz 1 besetzt. Seit 1998 sind auch in der Mannschaftswertung nur deutsche Vereine auf dem ersten Platz vertreten. Mangels Konkurrenz wurde der Tag in Großbardorf zwar nicht wie ursprünglich geplant als Turnier ausgetragen, die Sportart selbst aber einem offenkundig begeisterten Publikum sehr nahe gebracht. Beim großen Sommerturnier im August dürfen sich die Zuschauer auf weitere Showeinlagen freuen. (ger) +++


Anmut und Akrobatik vom Feinsten.

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