Museumsleiter Rolf Schamberger (ganz links) stellte vor den Vertretern der Presse sowie Oberbürgermeister Gerhard Möller, Schatzmeister Horst Habermehl und Geschäftsführer Erhard Zacherts (hinter dem Tisch sitzend, vl.n.r.) die Sonderausstellung zu Dr. Bernhard Reddemann vor.

Sogar ein Famlienstammbuch der Reddemanns kam bei den Recherchen zum Vorschein. - Fotos: Patricia Kümpel

11.08.10 - FULDA

Erfolgreiche Spurensucher - REDDEMANN-Ausstellung im Feuerwehrmuseum

Dr. Bernhard Reddemann - Branddirektor, Querdenker, Karrierist, Manager, Glanzfigur, Brandschützer, Co-Entwickler und Verfechter des Flammenwerfers. Unbestritten ist er eine zentrale Figur der Geschichte der Feuerwehr, sein Aufstieg und seine Verdienste hierfür herausragend. Auf der anderen Seite war er unbeirrbar in seiner Begeisterung für die grausame Nahkampfwaffe. Facettenreich und vielschichtig scheinen Persönlichkeit und Leben von Reddemann. Im Feuerwehrmuseum in Fulda wurde gestern Nachmittag eine bisher einzigartige Sonderausstellung eröffnet, die tief in die lebensgeschichtlichen Hintergründe von Dr. Bernhard Reddemann einblicken lässt.

Vor zwei Jahren haben die intensiven Recherchen von Museumsleiter Rolf Schamberger und seinen Mitarbeitern begonnen. Pünktlich zur internationalen Feuerwehrmesse "Interschutz" und dem damit verbundenen Deutschen Feuerwehrtag in Leipzig wurde die Ausstellung im Juni erstmals der Öffentlichkeit präsentiert - nicht ohne Grund. Denn Dr. Bernhard Reddemann war es, der auch den letzten Deutschen Feuerwehrtag in Leipzig im Jahre 1913 organisiert und einen "Mega-Event" der Sonderklasse veranstaltet hatte.

1870 als Sohn eines einfachen Handwerkers geboren, schlug Reddemann zunächst den Weg als Pionieroffizier ein, um später ein Volontariat bei der Berufsfeuerwehr in Berlin zu absolvieren. Schließlich wird er Brandmeister bei der Berufsfeuerwehr Breslau. Bernhard Reddemann verschafft sich neben seinen vielfältigen Tätigkeiten bei der Feuerwehr durch ein Jura-Studium eine zusätzliche Qualifikation. Erfahrung, Risikobereitschaft, eine hohe Auffassungsgabe und umfangreiches Wissen zeichneten den Brandmeister aus, im Jahre 1903 erhält er die erste von zahlreichen folgenden Auszeichnung, den "Königlichen Kronenorden 4. Klasse". Er wechselt als Branddirektor nach Posen, veröffentlicht seine ersten Fachpublikationen, verhilft der Stadt zur Automobilisierung der Feuerwehr und wird schließlich Hauptmann der Landwehr. 1907 ehält er einen Auftrag zur Entwicklung einer Verteidigungsmethode - der "Prototyp eines Flammenwerfers" wird getestet. Kurz darauf erreicht die Karriere des Feuerwehrmanns Reddemann seinen Höhepunkt: im Sommer des Jahres 1911 wird er im Alter von erst 41 Jahren Branddirektor der damaligen Industriemetroploe Leipzig. 1913 gelingt es ihm den Deutschen Feuerwehrtag ein Jahr vor und von Danzig nach Leipzig zu verlegen. Es wird eine organisatorische Meisterleistung und ein herausragender Tag für die Feuerwehrgeschichte.

Schließlich beginnt der erste Weltkrieg. In Kronprinz Wilhelm findet Redemann einen persönlichen Förderer und starken Befürworter einer grausamen Nahkampfwaffe, des Flammenwerfers. Durch ihn rückt er in unmittelbare Nähe des deutschen Kaiserhauses. Die Feuerwehr wird von beiden schließlich zu militärischen Zwecken instrumentalisiert, Redemann wird Anführer einer Flammenwerferkompanie. Nach Kriegsende kehrt er als Branddirektor nach Leipzig zurück. Für ihn ein persönlicher "Abstieg", der ihm auch von außen deutlich gemacht wird. Er quittiert seinen Dienst und wird Direktor eines Ausstatters für Feuerschutzanlagen und Ausrüstungen in Berlin und wird Schriftleiter der später in Bestechungsaffären verwickelten unternehmenseigenen Zeitschrift "Feuer und Wasser". 1938 stirbt Redemann in der Nähe von Dresden.

"Gerade diese Gegensätzlichkeiten und Zwielichtigkeiten machen die Lebensgeschichte Redemanns zu einem interessanten Thema für unsere Recherchen. Die unmittelbare Nähe zu den Begriffen "Selbstverantwortung, Verantwortung und Reflektion der eigenen Taten" machen diese Ausstellung so bedeutend" erklärte Rolf Schamberger heute bei der Ausstellungseröffnung im Beisein von Oberbürgermeister Gerhard Möller, Schatzmeister des Museums Horst Habermehl und dem Geschäftsführer Erhardt Zacherts. "Wir wollten uns dem Thema ohne Beschönigung annehmen. Objektivität ist uns dabei wichtig, Spekulationen ließen wir außen vor. Eine tiefgründige Beleuchtung des persönlichen, sozialen, politischen Hintergrundes, der uns die Zusammenhänge besser verstehen lässt, war uns sehr wichtig", so Schamberger. Tatsächlich gehen der Ausstellung umfangreiche wissenschaftliche Recherchen voraus. Im Laufe der Zeit konnte so ein Netzwerk und Informationsfluss entstehen und wertvolle Dokumente in die Hände der Fuldaer "Spurensucher" gelangen. Schamberger selbst recherchierte Berliner Wohnadressen Redemanns und besuchte die alten Villen in Berlin, um sie abzufotografieren. Selbst Zeitzeugen konnten aufgefunden werden, unter anderem eine gute Freunden der Ehefrau Redemanns, die überaschend ein Stammbuch der Familie "hervorzauberte".

Noch bis September ist die Ausstellung in Fulda zu sehen, danach "tourt" sie nach Italien, Kroatien, Österreich und durch Deutschland. Nach der Publikation in mehreren Fachzeitschriften ist für Ende 2011 eine Veröffentlichung der Ergebnisse in Buchform vorgesehen. (pakü) +++


Viele Dokumente und Originalurkunden geben Aufschluss über die Lebensgechichte des Co-Entwicklers des "Flammenwerfers".




Auf großen Schautafeln ist der Werdegang von Dr. Bernhard Reddemann nachzulesen und sind die Rechercheergebnisse zusammengefasst.

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