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Bevor wir in den Himmel aufsteigen, müssen die Einzelteile zusammengebaut werden. Die Ballonhülle ist gut verpackt.... - Fotos: Patricia Kümpel

02.09.10 - REGION

Doppelter Aufstieg und luftige Höhen - eine Heißluftballonfahrt fast ins All

„Wenn ihr mich mal richtig ärgern wollt, dann schenkt mir eine Heißluftballonfahrt.“ Fast immer wenn ich irgendwo da oben am Himmel einen kleinen bunten Punkt und den noch viel kleineren Korb darunter erspähen konnte, gab ich meinen Freunden diesen hilfreichen Tipp. Wie kann man nur so verrückt sein, sich in einem Weidenkorb mehrere hundert bis tausend Meter über den Erdboden zu begeben, ohne Motor, ohne Technik, ohne Fallschirm und vor allem ohne die tröstliche Möglichkeit zwischendurch schnell aussteigen zu können, ohne dass es weh tut.... Ich weiß nicht genau warum - es war wohl der Anflug jugendlichen Leichtsinns, Übermut, zeitweiliger Verlust des Sinnes für Realität oder zu viel Cola – aber nachdem die Einladung zu einer Heißluftballonfahrt von Matthias Schneider vom "Ballonteam fesselnde Rhön" in der Redaktion herumjongliert und ein Kandidat für die Fahrt ausgesucht wurde, schien die Sonne gerad so schön und plötzlich rief ich „ja“.

Und da steh ich nun zusammen mit meiner Höhenangst am Sportplatz von Lütter bei Eichenzell zwischen Matthias Schneider, seinem Assistenten, zwei sympathischen Ehepaaren - meinen Mitreisenden - und allerlei Einzelteilen, die aus dem Inneren eines VW-Bus-Hängers hervorgezaubert wurden, vor mir im Gras liegen und in der richtigen Sortierung einen Ballon ergeben und damit gewährleisten sollen, in unmittelbarer Zukunft nicht vom Himmel abzustürzen. Nach einer kurzen Einführung an besagtem Weidekörbchen packen alle Teilnehmer mit an, das riesige Ding startklar zu machen. Mit einem interessantes Gefühl aus Vorfreude und Panik im Bauch fällt mir auf, dass der Korb, sollte mir spontan schlecht werden, (selbst für mich) zu klein sein würde, um mich einfach hineinlegen und tot stellen zu können. Einen kurzen Moment lang versuche ich einzuschätzen, wie groß wohl der Personenschaden am Boden sein würde, wenn man sich aus 600 Metern über NN über die Bordwand erbricht. Das kann ich nicht, also konzentriere ich mich auf`s Freuen. Außerdem scheint ja immer noch die Sonne.

Nach einer knappen Stunde jubelt die Kinderschar, die sich am Sportplatz eingefunden hat ganz heftig, denn für´s Aussteigen sind wir schon zu hoch. Die Kinder werden immer kleiner und bei etwa 400 Meter über dem Grund pendeln wir die Höhe ein. „Am Start und bei der Landung kann es ein bisschen holprig werden. Aber wenn man dann in der Luft ist, bewegt man sich immer mit dem Wind. Genauso schnell wie er, sind wir auch“, so erklärte es Matthias Schneider kurz zuvor. Und genauso poetisch wie es klingt, wird es schließlich. Ganz gleichmäßig und sanft gleiten wir von da an durch die Luft. Mit dem Wind haben wir abgesprochen, dass 25 Kilometer in der Stunde heute okay sind, also wehen wir mit ihm gemeinsam hinweg über Thalau in Richtung Süden. Meine kurzzeitige Befürchtung, jemanden versehentlich meine Kamera vom Himmel in den Schoß fallen zu lassen, wird von Entscheidungsschwierigkeiten abgelöst. Ich weiß gar nicht, wohin ich überall schauen soll. Atemberaubend ist die Sicht nach vorne, in die weite, weite Ferne. Ganz hinten und schön nebeneinander aufgereiht blitzen unverkennbar der weiße Kaliberg von Heringen, die schiefe Milseburg und das Radom auf der Wasserkuppe hervor. Abenteuerlich und überraschend ist der Blick direkt nach unten, 400 Meter in die Tiefe. Unter uns fegen, in schönstes orange-gelbes Abendlicht getaucht, große Felder, kleine Ortschaften, grüne Viehweiden, einsame Gehöfte und bizarre Waldstücke vorüber. Die sehen von oben nicht nur verdammt niedlich aus, sondern wirken an diesem Abend und aus dieser Perspektive beruhigend friedlich. Genauso wie die Ruhe im Ballon, die nur durch das regelmäßige Anfeuern des Gasbrenners unterbrochen wird.

Wir ziehen weiter mit dem Wind über Motten und überqueren schließlich den riesigen Truppenübungsplatz von Wildflecken, stets begleitet vom immer länger werdenden Schatten des Ballons in den Baumwipfeln. Immer auf unseren Fersen ist auch das Begleitfahrzeug auf der guten alten Erde, mit dem unser Pilot ständigen Funkkontakt hält. Auch das hat eine unheimlich beruhigende Wirkung auf mich, die noch nicht mal vom GPS-Sender im Ballon getoppt werden kann. Nach über einer Stunde im Himmel gehen wir schließlich gemeinsam mit der Sonne unter. Auf einer Wiese kurz hinter Bad Brückenau landen wir sanft hüpfend im hohen, nassen Gras und die Fahrt ist leider vorbei. Wie sich das beim Teamsport Heißluftballonfahren gehört, müssen alle mit anpacken und den Ballon wieder so klein machen, dass er in sein Hängerbettchen passt. Bis dahin befinde ich mich noch in dem Glauben, um irgendwann einmal adelig zu werden, müsse ich wohl heiraten. Etwa 10 Minuten später habe ich es allein geschafft, auch wenn ich dazu eine kleine Haarlocke opfern musste. Wie es die Tradition verlangt, werden ich und meine Mitstreiter, die wir allesamt zum ersten Male Ballon gefahren sind per Taufe in den Adelsstand der Ballonfahrer erhoben. Ich kann mein Glück kaum fassen. Eine kleine Haarsträhne wird dem Feuer, das den Ballon in die Lüfte trug, geopfert und sofort mit dem traditionellen Getränk des Adels, dem Sekt wieder gelöscht. Von nun an tragen wir wunderschöne Adelstitel - und meine lieben Freunde: solltet ihr mir zum Geburtstag einen Gutschein zum Ballonfahren schenken, dann lasst ihn doch bitte auf den Namen "Patricia, Gräfin der Rhöner Abendsonne" ausstellen.

Mehr Informationen zum Heißluftballonfahren gibt es unter wwwwww.ballonteam-fesselnde-rhoen.de (Gräfin der Rhöner Abendsonne) +++


... der Korb erschreckend winzig.

"Der Motor" wird angebracht.



Kurze Einweisung am Korb.


Die ausgepackte Ballonhülle...

.... wird im Gras ausgebreitet.



Mit einem Ventilator wird Luft in die Hülle geblasen...


... später kommt das Gas hinzu.

Und plötzlich ist der Ballon aufgerichtet.


Ich schätze, wir heben ab...

... ganz eindeutig. Winkende Kinder zum Abschied. Tschüß!


Die Abflugstelle wird immer kleiner...




Der Höhenmesser.



Das erste Dorf des "Überflugs": Thalau.




Ganz hinten links: der weiße Kaliberg von Heringen, rechts die markante Milseburg.








Unser "Partnerballon" direkt über Motten.

Unser Ballon-Pilot Matthias Schneider hat alles im Blick.



Ganz schön eng hier oben. So richtig traut sich keiner, sich zu bewegen....




Die Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg.




Der Sonne ganz nah.

Von überall aus gut zu sehen: das Atomkraftwerk von Schweinfurt.



Die Autobahnbrücke bei Bad Brückenau.



Bad Brückenau.











Nach knapp einer Stunde ist die Fahrt vorbei.




Der Ballon wird niedergelegt...

... und die Luft aus der Hülle gedrückt.


Ab in den Sack....

... und rein ins Hängerchen.


Es ist soweit: die Adels. Taufe steht an. Die Nervosität steigt.

Mein neuer Adels-Name wird verkündet. Ein Urkunde weist mich nun offiziell als Ballonfahrerin aus.


Die Haarsträhne fällt den Flammen zum Opfer, aber der Sekt ist nicht weit.

Lauter Neuadelige beim elitären Feiern.


Unsere Ballon-Fahrt in Google-Earth.

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