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Über dreißig Reiter trafen sich heute zur Herbstjagd rund um Fulda. - Fotos: Hendrik Urbin

17.10.10 - FULDA

Herrschaftliche Tradition zu Pferde - Erstmals Schleppjagd "rund um Fulda"

Schon bevor man die Jagdgesellschaft entdeckt hat, schallt kräftiges Hundegebell durch Wald und Feld. Schnell flitzen die Vierbeiner über die Wiesen und folgen der künstlichen Fährte, die "der Fuchs", ein vorausgaloppierender Reiter legt. Die Hunde weisen der folgenden Jagdgesellschaft den Weg, teils geht es über Hindernisse hinweg, achtzehn Kilometer quer durch die herbstliche Landschaft. Im Hintergrund dabei immer wieder zu sehen: die Stadt Fulda. Wunderschöne Bilder bot der Anblick der Schleppjagd zu Pferde, zu der gestern Mittag im Münsterfeld gestartet wurde.

"Das besondere an dieser Jagd ist die Nähe der Strecke zur Stadt", erklärte Matthias Rippert, Veranstalter der Reitjagd und leidenschaftlicher Jagdreiter. "Hier am Startpunkt befinden wir uns keine zwei Kilometer weit entfernt vom Dom. In und um Fulda herum gibt es enorm viel Grün, gerade hier im Münsterfeld. Eine Jagd, die so nah an einer Stadt durchgeführt werden kann, gibt es nicht oft." Über 30 Reiter versammelten sich am Samstagnachmittag am Rande der Stadt zum "Stelldichein" vor dem Ritt. Mit dabei war auch die berühmte Vogelsberg-Meute, eine der bekanntesten Jagdhundemeuten Deutschlands und natürlich Parforcehornbläsern der Jagdreiter Rotenburg, die für ein besonderes Flair sorgten. Nicht nur durch zahlreiche kleine Rituale, wie die Begleitung durch Bläser wird das Jagdreiten zu einer ganz besonders hoheitlich anmutenden und stimmungsvollen Tradition, die auch in Fulda konsequent gepflegt wird.

Die "Vogelsberg-Meute" reitet seit 35 Jahren hinter Beagles.Tempo, Geläut sowie Jagdpassion und Spurtreue zeichnen die Hunde aus. Die Vogelsberg-Meute wurde 1968 von Karl Solzer gegründet. Seit 1978 gibt es den Schleppjagdverein Vogelsberg-Meute e.V. Zur Zeit befinden sich 57 Beagles im vereinseigenen Kennel in Brachttal-Spielberg. Beagles sind die kleinsten Hunde, hinter denen man eine Schleppjagd reiten kann. Sie kommen aus England. Dort werden sie ausschließlich zur Jagd zu Fuß auf Hasen eingesetzt. Elf der Mitgliedsmeuten im Deutschen Reiter- und Fahrer-Verband e.V. führen Foxhounds, acht reiten hinter Beagles, drei hinter französischen Tricolores. Außerdem gibt es eine Meute aus Bloodhounds. Jede dieser Rassen hat typische Eigenheiten, auf die kenntnisreich einzugehen ist. Sie alle gehören zu den 59 Rassen, die der Jagdgebrauchshundverband zusammenschließt, und sie finden in den Meute-Kennels ein natürliches Umfeld, das dem ursprünglichen Rudel sehr nahe kommt.

Bei der gestrigen "Fuldaer Schleppjagd" wurde in drei Feldern geritten, verschiedenen Reitergruppen, die je nach Feld die Strecke mit dem Sprung über die insgesamt neunzehn auf der Strecke verteilten 80 cm hohen Hindernisse überwanden oder diese umritten. Angeführt wird ein Feld jeweils vom so genannten Master, erkennbar durch die weiße Armbinde. Er sorgt für Ordnung im Feld und gibt das Tempo an. Zur Seite stehen ihm dabei seine Helfer, die Pikeure. Oberstes Gebot beim Jagdreiten: der Master darf niemals überholt werden. "Doch auch das kann bei jungen Reitern und Pferden schon mal passieren, sehr streng geahndet wird das aber nicht, schließlich geht es hier vor allem um den Spaß", so Rippert, der auf seiner hessischen Schimmelstute selbst als Master vorausritt. Eine gute Kondition verlangt die Jagd nicht nur von den Pferden, sondern auch von den Reitern.

Zügig ging es vom Münsterfeld aus nach Maberzell, Trätzhof, vorbei an Bimbach und dem Industriegebiet Fulda-West. Etwa vor einem Jahr hatte Rippert bereits erste Ideen für den Streckenablauf gehabt, dank der guten und problemlosen Mitarbeit und Unterstützung durch die Landwirte und Jäger, wurde heute eine abwechslunsgreiche Jagdstrecke unter die Hufe genommen. Durch eine perfekt getimte Organisation konnte ein Troß aus Zuschauern und Begleitern, der von einem Fahrzeug angeführt wurde, an ausgewählten Streckenpunkten das reiterliche Jagdtreiben beobachten. Auch hier durften die Jagdsignale durch die Bläsergruppe nicht fehlen.

Nach drei Stunden im Sattel erreichte die Jagdgesellschaft schließlich wieder die Wiese an der Steubenallee im Fuldaer Münsterfeld. Mit dem Blasen des "Halali" und einem dreifachen "Horrido! Hoho! - auf die Hunde, auf die Pferde, auf die Jagd "- wurde schließlich das Treiben mit dem Curée, der Mahlzeit und "Jagdbeute" für die Hunde, beendet. Die Reiter bekamen zur Erinnerung einen kleinen Zweig und die Pferde zur Belohnung Äpfel und Möhren zugesteckt – und alle dankten mit einem "Weidmanns Heil und Weidmanns Dank" für die erfolgreiche Jagd. Und während die Pferde am Abend im warmen Stall ihr verdientes Heu bekamen, feierten die Reiter herrschaftlich bei Bläserkonzert, Feuerwerk und Showacts - wie zu guten alten Zeiten.... (pakü) +++


Begleitet wurde die Jagd von den Parforcehornbläsern der Jagdreiter Rotenburg.

Ankunft auf dem Schulzenberg...


"Stelldichein" am Mittag im Münsterfeld.

Achtzehn Kilometer über Feld, Wiesen und durch Wälder schlängelte sich die Jagdstrecke. Die Beagle der Vogelsberg- Meute erschnupperten den Weg.



Ein Troß aus knapp zwanzig Fahrzeugen begleitete die Jagd.













"Der Fuchs" legt die künstliche Fährte. Aus einem kleinen Kanister am Sattel tropft die Fuchslosung.












Veranstalter Matthias Rippert auf seiner Stute.













Matthias Rippert.


Pause für alle im Wald.





















Die Jagd ist zu Ende, die Reiter schütteln sich die Hand.





Schließlich wird zum "Halali" geblasen.





Die Hunde bekommen ihre "Beute"....










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